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Klavierkonzert

20.10.2017

Überschäumendes Temperament

Alexander Maria Wagner spielte Mozart, Brahms und eigene Werke.
Bild: emy

Der junge Pianist Alexander Maria Wagner hat neben lyrischen Zügen auch einen markanten Anschlag

Der junge Pianist Alexander Maria Wagner wurde von Oberbürgermeister Armin Neudert beim Donauwörther Kulturherbst im Enderle-Saal als ein „alter“ Bekannter begrüßt, den man gerne wieder eingeladen habe, weil er sich vor fünf Jahren als großes Talent erwiesen habe. Diesen Ruf bestätigte er nun als 22-Jähriger nicht nur durch seine zwischenzeitlichen Erfolge, sondern auch gleich mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Klaviersonate c-Moll KV 457“.

Mozart war nicht nur, wie viele meinen, der Erfinder der schönsten Melodie, sondern konnte auch eigenartig forsch und eigensinnig komponieren. Der Beginn war schon ungewöhnlich stürmisch, doch kehrte bald mehr Ruhe ein durch eine relativ gleichmäßige Begleitung, während Alexander Wagner die Themen sehr markant hervorhob. Das unterstrich den Gegensatz zu dem folgenden Adagio-Satz, in dem der Pianist mit Trillern und vielen Mozart-typischen melodischen Passagen die Zuhörer in eine selige Zufriedenheit verführte. Mit kräftigen Akkordschlägen erinnerte der Finalsatz an die Unruhe des Anfangs. Allmählich beruhigte sich das Temperament des jungen Künstlers bis zu einem stimmungsvollen Ausklang.

Alexander Wagner widmete zwei Programmteile Johannes Brahms. Den lyrischen Romantiker konnten die Zuhörer in den „Drei Intermezzi für Klavier, op. 117“ erleben. Das erste, nach dem Thema eines schottischen Wiegenliedes, gestaltete Wagner etwas melancholisch mit einem besinnlichen Ende, dem zweiten verlieh er deutlich mehr Bewegung durch aufreibende Phrasen und gelungene Arpeggiofiguren, während das vollakkordische Schlussstück herb nachdenklich wirkte, sich steigerte und in ein stilles Piano zurückfiel.

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Ganz anders packte Johannes Brahms im zweiten Teil des Konzerts bei den „Rhapsodien op. 79“ Klavierspieler und das Publikum mit heftig aufbrausendem Beginn und aggressiven Akkordakzenten. So übertrug sich die Leidenschaft des Komponisten auf den Solisten und erregte die Bewunderung der Zuhörer für dessen kraftvolles Spiel. Dass er sich aber auch ganz den Gefühlen hingeben konnte, erlebten sie bei Leo˘s Janá˘ceks Klaviersonate „1.X.1905“, mit den Satzbezeichnungen „Vorahnung“ – zunächst heftig aufwallend und dann eher nachdenklich, und „Tod“ – düster fragend, nach zornig wirkenden Akkorden versöhnlich ausklingend.

Seine beiden eigenen Kompositionen offenbarten die Suche nach individuellen Ausdrucksmöglichkeiten. Einer Abschiedsserenade für die Intendantin des Bonner Beethovenfestes verlieh er humoristische Züge, seine Studie „Traumgewächse“, aus Klangmotiven gestaltet, enthüllte seine lyrischen Seiten.

„Der haut ganz schön in die Tasten“, meinte ein Zuhörer beim „Mephisto-Waltz Nr. 1“. Alexander Maria Wagner eiferte hier offensichtlich dem Komponisten Franz Liszt nach, der dafür bekannt gewesen sein soll, dass er so manchen Flügel durch seinen Anschlag in die Knie zwang. Ganz so heftig war es hier nicht, doch konnte das Publikum nicht nur Wagners Virtuosität erleben, sondern zugleich eine großartige Demonstration seines überschäumenden Temperaments.

Es spendete dem talentierten Künstler deshalb auch hochverdienten Beifall, auch für seine beiden Zugaben „Ein Franzose in New York“, eine Eigenkomposition, und den lässig improvisierten berühmten „Türkischen Marsch“ von Mozart.

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