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Konzertreihe in Mertingen

21.03.2017

Überwältigende Zauberklänge

Reinster A-cappella-Gesang erwartete die Konzertbesucher in Mertingen. Das Ensemble Calmus (ein Sänger fehlt auf diesem Bild) bezauberte durch und durch.
Bild: Foto: Ulrike Hampp-Weigand

Das Ensemble Calmus mit einem paradiesischen Auftritt

Alle Superlative, die im Repertoire für musikalische Ereignisse bereitstehen, reichen eigentlich nicht aus, um das überwältigende Erlebnis eines Kirchenkonzertes mit Calmus, dem Leipziger A-cappella-Ensemble, zu beschreiben. Sphärenklänge waren zu hören, Jenseitigkeit war zu spüren. Ein polyfones Gesamtkunstwerk. „So wünsche ich mir das Paradies“, sagte ein sichtlich mitgenommener Besucher nach diesem Zauberklang-Konzert. Wen wundert da, dass das Ensemble aus ehemaligen Thomanern und Mitgliedern des Dresdner Kreuzchores mit unvergleichlicher Stimmkultur Preise sonder Zahl gewinnt, zu Gastspielen in alle Welt eingeladen wird?

Und nun St. Martin in Mertingen. Mit den Liedern des Reformators Martin Luther – aber es waren nicht nur seine Lieder durchs Kirchenjahr. Es erklang eine hochintelligente, in vielen Jahren erarbeitete Collage, eine sehr persönliche Auseinandersetzung des Ensembles mit Musik aus vielen Jahrhunderten, in Bezug gesetzt zu den Chorälen Martin Luthers. Ausgehend von seinen Kirchenliedern, von denen viele im evangelischen wie im katholischen Gesangsbuch stehen und Allgemeingut geworden sind, entstand ein transzendenter Gesamtklang, ein Gesamt-Hymnus so schön und überzeugend, eben „wie aus einer anderen Welt“. Das Konzertprogramm – Motetten, Kantaten, Choräle, gregorianische Gesänge und vokalisierte Orgelchoralvorspiele – reflektiert den katholischen Ursprung vieler Lieder Martin Luthers, der sie aus dem Lateinischen für jedermann verständlich in poetisches Deutsch übertragen und in singbar-klare Form gebracht hat. Pure Ökumene – Gregorianik, Bach-Kantaten, nordische Komponisten wie katholische Romantik und Moderne.

Calmus ist ein hinreißender Interpret sowohl der Musik Luthers wie auch der vielen späteren Komponisten, die Luthers Texte neu interpretierten. Ein Klangkörper, der in leuchtender Homogenität die Stimmfarben Sopran (Isabell Jantschke), Altus (Sebastian Krause), Tenor (Tobias Pöche), Bariton (Ludwig Böhme) und Bass (Manuel Helmeke) vereint. Von herausragender Klangkultur, mit endlosem Atem, faszinierendem Chorklang, und gleichzeitig zartestem Piano.

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Ihre Luther-Collage umspielt sieben, den Rahmen bildende Choräle – solistisch beginnend mit „Ein feste Burg ist unser Gott“, umspielt von mehrstimmigen Vertonungen des Zeitgenossen Stephan Mahu. Das Adventslied „Nun komm der Heiden Heiland“ (der frühkirchliche Hymnus Veni redemptor gentium) folgte, verwoben mit vokalisierten Orgelbearbeitungen Bachs und seiner Zeitgenossen Johann C. F. Fischer, Michael Praetorius, Johann H. Schein und schwedischen Kirchenliedern. „Christum wir sollen loben Dich“ – wiederum ein gregorianischer Hymnus zu Weihnachten, gespiegelt in einer Bachkantate, oder einem romantischen Choralvorspiel, erklang in fröhlichem Wechselgesang. „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ zu Mariä Lichtmess, ursprünglich der Lobgesang des greisen Simeon im Tempel beim Anblick des neugeborenen Jesus – neben Musik der Zeitgenossen Piutti, Johann Walter, umjubelt von reich verzierter Romantik von Johannes Brahms, Max Reger und Felix Mendelssohn-Bartholdy in Chorälen und Motetten.

„Christ lag in Todesbanden“ – die Ostergesänge, verbunden mit Bachs gleichnamiger Kantate BWV 4 und einer Motette von 1524. Das pfingstliche „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“ führte zum gregorianischen Ursprung Veni creator spiritus und über zeitgenössische Choräle zurück: Per te sciamus da patrem.

Mit der abschließenden Motette von Heinrich Schütz „Verleih uns Frieden gnädiglich“, dem der Antiphon Da pacem, Domine, zugrunde liegt, der gleichnamigen Vertonung von Arvo Pärt und endend im solistisch gesungenen, ursprünglichen Lutherchoral ging ein atemberaubendes Konzert zu Ende, dem nach langer Pause lange stehende Ovationen folgten. Und Dankbarkeit für noch eine Fuge von Bach. Wo immer man von Calmus liest: Hingehen. Hören. Fühlen.

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