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Konzert

07.07.2015

Umjubelt in der Heimat

Von Donauwörth aus eroberte sie die Konzertsäle der Welt: Star-Geigerin Veronika Eberle beim Kammermusikabend in Leitheim.
Bild: Stefan Sauer/Audi Media Services

Höhepunkt der Kammermusik mit Veronika Eberle und Michail Lifits in Schloss Leitheim

Längst ist Veronika Eberle in der Weltelite der Geiger angekommen. Von Donauwörth aus hat sie sich die Konzertpodien der Welt erobert. Nun gastierte sie, die mittlerweile in Berlin lebt, im Rahmen der Audi-Sommerkonzerte auf Schloss Leitheim. Zusammen mit Michail Lifits, einem Starpianisten usbekischer Herkunft, gab sie ein umjubeltes Recital in ihrer Heimat, sorgte für einen Höhepunkt der Kammermusik im ehrwürdigen Rokokoschlösschen, schlug die Zuhörer mit ihrem ausdrucksstarken Spiel in Bann und zeigte all die Schönheiten auf, die – in künstlerischer Vollendung – mit einer Violine möglich sind.

„Dragonetti“, so heißt ihre Stradivari aus dem Jahr 1700, die damit ein halbes Jahrhundert älter ist als der 1751 errichtete wunderbare Festsaal des Schlösschens selbst. Will man die Musik von Veronika Eberle mit dieser Geige beschreiben, so spiegelt sie sich deckungsgleich in der Schönheit des Festsaals: farbenfrohe Szenen, heitere Chinoiserien, fantasievolles Muschelwerk des Stucks in fülliger Dichte, mit kräftigem Rahmen und zartesten Blütenranken. So wurde dieser Abend mit erlesenster Kammermusik zu einem überschäumenden musikalischen Kunstwerk, ebenbürtig dem Saal des Schlösschens, der zu den künstlerisch besten Raumschöpfungen des 18 Jahr-hunderts in ganz Deutschland zählt.

Wie bei Mozart heißen Beethovens Duosonaten noch ausdrücklich „für Klavier und Violine“, auch wenn sie leichthin als „Violinsonaten“ bezeichnet werden. War bei Mozart noch eindeutig das Tasteninstrument dominant, so sind bei Beethoven schon in seinem Jugendwerk, dem Opus 12 aus seiner frühen Zeit in Wien, Violine und Klavier gleichberechtigt, sodass die Reihenfolge der Nennung keine Bedeutung mehr besitzt. In Form und Auseinandersetzung mit dem Sonatensatzmuster knüpft Beethoven mit der Sonate op. 12/3 in Es-Dur zwar noch an Mozarts Vorbild an, bereichert es aber mit dramatisch-emphatischen Durchführungen und tief empfundenem Ausdruck. So beginnt diese Sonate mit energischem, virtuosem Klavierspiel, in dessen Schwung die Violine mitgerissen wird und sich mit dem Klavier in virtuosen, raffiniert drapierten Spielfiguren ergänzt. Das folgende Adagio „con molto esspressione“ stellt dazu den wirkungsvollsten Kontrast dar. Veronika Eberle musizierte mit unnachahmlich tiefer Innerlichkeit, wärmstem Ton und verhauchendem Pianissimo.

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Auch bei Franz Schubert erscheint im Originaltitel die alte Reihenfolge der Instrumente „Klavier und Violine“, mithin, wie bei Beethoven, ein historisierender Rückgriff auf Mozart. In der musikalischen Realität jedoch sind bei seiner großen Sonate in A-Dur (D 574) Klavier und Violine wiederum, wie schon bei Beethoven, absolut gleichberechtigte Partner, Partner, die mit äußerster Virtuosität die Spielmöglichkeiten der Instrumente ausschöpfen, in tiefster Klavierlage, mit Doppelgriffen und wunderbaren Kantilenen auf der Violine und dann wieder gemeinsam, eine einprägsam schlichte Melodie nachzeichnend. Veronika Eberle und Michail Lifits waren meisterhaft kongeniale Partner, ebenso wie im Hauptwerk des Abends, der Sonate für Klavier und Violine in d-Moll, op. 121, von Robert Schumann.

Diese Sonate beginnt mit einer langsamen Einleitung, energischen Akkorden, synkopierten Rhythmen und „Seufzerfloskeln“. Der zweite Satz mit seinen Dreierrhythmen und Quartolen lässt die Unruhe des Komponisten erkennen und der nachfolgende dritte Satz gar, mit der Erinnerung an den Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“, strahlt tiefste Traurigkeit aus. Klavier und Violine spielen hier besonders intensiv miteinander. Zarte Zupftöne verstärken diesen Eindruck. Schließlich endet diese Sonate mit einem virtuosen, aufwühlenden Finale.

Veronika Eberle ist eine Ausnahmegeigerin par excellence. Für sie gibt es offensichtlich keine technischen Probleme, die sie nicht mit Bravour lösen könnte; ihre musikalische Sprache ist geprägt von tiefster geistiger Auseinandersetzung mit dem Gehalt des gespielten Werks, dessen Strukturen sie klar und präzise aufzeigt und mit zu-tiefst empfundenem Ausdruck Musik daraus formt. Michail Lifits ist ihr dabei ein wunderbarer Partner.

Der Bayerische Rundfunk hat diesen Kammermusikabend aufgezeichnet und wird ihn im Radioprogramm von BR-Klassik am Donnerstag, 23. Juli, um 18.05 Uhr übertragen.

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