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Marxheim/Bertoldheim

04.12.2020

Uniper will Donau höher stauen: Zweifel bei den Anreinern

Den Kopfspeicher am Kraftwerk Bertoldsheim (Bild) will die Uniper Wasserkraft künftig um 20 Zentimeter höher stauen. Das hat auch Auswirkungen auf Marxheim und Niederschönenfeld. Die Bürgermeister der Donau-Kommunen und Anlieger fürchten, dass auch das Grundwasser steigen könnte.

Plus Uniper will am Kraftwerk Bertoldsheim die Donau um 20 Zentimeter mehr aufstauen. Ein Probebetrieb für fünf Jahre soll beginnen. Kritik von Anliegern.

Stauzielerhöhung – ein sperriges Wort. Und doch ist es den Bürgermeistern, deren Kommunen entlang der Donau liegen, längst kein Fremdwort mehr. Sie wissen, dass die Firma Uniper schon seit vielen Jahren – damals hieß das Energieunternehmen noch Eon – das Ziel hat an den Staustufen Bertoldsheim und Bergheim (beide liegen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) die Donau höher zu stauen. So kann mehr Energie aus Wasserkraft erzeugt werden. Diese wird laut Uniper zu hundert Prozent dafür verwendet die Züge der Deutschen Bahn zu versorgen. Das Vorhaben des Staustufenbetreibers scheint logisch: Wenn man das Wasser im Stausee Bertoldsheim etwas höher aufstaut, erreicht man schneller die 550 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, die zum Vollbetrieb der drei Kaplan-Turbinen benötigt werden. Das wird mithilfe des sogenannten Schwellbetriebs ohnehin praktiziert, wenn die Donau zu wenig Wasser bringt.

Marxheims Bürgermeister fordert, dass Uniper den Stausee ausbaggern soll

Zu den betroffenen Gemeinden gehören auch Marxheim und Niederschönenfeld. Dort ist man von dem immer wieder neu bekundeten Ziel der Stauzielerhörung gar nicht begeistert. „Wir wollen, dass Uniper die verlandete Donau ausbaggert und dadurch mehr Wasser aufgestaut werden kann“, macht Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg klar. Das würde den Rattenschwanz an möglichen Folgen verhindern. „Aber Uniper will das nicht, weil es Kosten scheut und zudem das möglicherweise belastete Material aus der Donau aufwendig entsorgt werden müsste“, vermutet Schiegg.

Bei Niedrigwasser im Stausee Bertoldsheim tauchen in dem ursprünglich 2,2 Millionen Kubikmeter umfassenden Stau neben Inseln auch Schlammberge auf.
Bild: Winfried Rein

Sowohl in Marxheim als auch in Niederschönenfeld gibt es Anlieger, die von einer höheren Stauung der Donau betroffen sein könnten. Denn steigt der Donauspiegel wie vorgesehen an der Staustufe Bertoldsheim um 20 Zentimeter könnte sich auch der Grundwasserspiegel erhöhen. Nicht nur nasse Keller werden befürchtet. Landwirte sehen ihre Ackerflächen bedroht, weil sie zu nass werden. Auch Naturschützer haben bedenken, was ein steigender Donaupegel und Schwellbetrieb für Flora und Fauna bedeuten könnte. „Die Auswirkungen einer höheren Donau können sehr vielseitig sein“, gibt Schiegg zu bedenken.

Ungeachtet dessen will Uniper Anfang 2021 jetzt mit einem Probebetrieb beginnen, der insgesamt fünf Jahre dauern soll. Der lange Zeitraum wird deshalb gewählt, weil das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen als zuständige Genehmigungsbehörde alle möglichen Folgen der höheren Stauung erkunden will. Dazu gehören ein kompletter Jahreszyklus, Hochwasser, Niedrigwasser und vielleicht auch wieder mal ein strenger Winter.

Auch am Kraftwerk Bergheim (Bild) will Uniper mit 30 Zentimeter mehr Aufstau die Stromausbeute verbessern.
Bild: Winfried Rein

Die Vorbereitung des Probestaus laufe in Abstimmung mit den Anliegergemeinden, versichert Theodorus Reumschüssel, Pressesprecher der Uniper Wasserkraft. Man wolle an vorerst 44 Messstellen das Grundwasser beobachten. Doch bei den Gemeinden fällt das Ansinnen des Probebetriebs erwartungsgemäß auf wenig fruchtbaren Boden. Schon allein die Entscheidung, wo die Messstellen für das Grundwasser liegen sollen und wie aktuell die Daten dieser Stellen öffentlich einsehbar sind, sorgt für Diskussionen. Deshalb drängen die Bürgermeister der beiden Landkreise auf einen offenen Bürgerdialog. Das wurde bei einem gemeinsamen Treffen im Oktober im Rennertshofener Rathaus gegenüber Uniper klargemacht. Doch weil man in der Corona-Zeit auf Versammlungen weitgehend verzichten muss, gab es vergangene Woche erst einmal nur eine erste Pressemitteilung und seitdem ist im Internet eine Plattform frei geschaltet, auf der alle Informationen zusammengetragen wurden und die Bürger Fragen stellen können.

Warum die Deutsche Bahn eine Million Euro in das Projekt investiert

Georg Hirschbeck, Bürgermeister aus Rennertshofen ist an sich nicht gegen mehr Energiegewinnung durch Wasserkraft. Aber auch er verlangt im Namen der Marktgemeinde die wasserwirtschaftliche Begleitung des Probestaus und „volle Transparenz“ für die Bürgerschaft. Darüber sei er sich mit seinen Bürgermeisterkollegeneinig. „Wir ziehen alle an einem Strang“, betont Hirschbeck. Soeben hat er die Aktivierung von fünf alten Grundwasser-Messstellen bei Bertoldsheim eingeleitet. Er verlangt flächige Messungen, ebenfalls eine Info-Veranstaltung für die Bürger und laufende Unterrichtung durch die Uniper Wasserkraft. Sollten sich Nachteile wie höheres Grundwasser erst nach dem langen Probebetrieb herausstellen, so Hirschbeck, „dann muss die ursprüngliche Stauhöhe wiederhergestellt werden.“

Uniper staut bereits höher, und zwar immer dann, wenn die Donau mit mehr als 1100 Kubikmetern pro Sekunde ein kleines Hochwasser heranbringt. Die Dämme und Wehranlagen seien bereits auf ein höheres Stauziel ausgerichtet. Insgesamt sechs Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr zusätzlich erwartet sich der Betreiber von den Kraftwerken Bergheim und Bertoldsheim. Die Bahn würde die technische Abnahme optimieren und dazu eine Million Euro investieren, so Uniper. Der Energiekonzern sieht das höhere Stauziel als Beitrag zur Energiewende mit der Einsparung von Kohlendioxid.

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