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27.04.2020

Unterer Lechrain wird zum Flammenmeer

Die Gemeinde Bayerdilling hat auch den auswärts wohnenden gefallenen Soldaten ein Denkmal an der Außenwand der Pfarrkirche gesetzt. Während drei Männer einer hier stationierten Katastropheneinheit bei Einsätzen nach Luftangriffen starben, kostete sinnloser Widerstand dem 18-jährigen Ernst Reif und dem 17-jährigen Detlev Naegler am 27. April 1945 das Leben.
Bild: Riehl

Plus Tiefflieger-Angriffe auf Rain und Umgebung, US-Armee gerät in Hinterhalt und Kinder sterben.

Als am Freitag, 27. April 1945, der Morgen graute, war der deutsche Widerstand an Lech und Donau weitgehend gebrochen. Die Befreiung der Dörfer war nur noch eine Frage von Stunden. Waren tags zuvor durch den permanenten Granatenbeschuss in mehreren Orten Zivilisten tödlich verletzt worden, so fielen durch das letzte militärische Aufbäumen an jenem Tag noch eine Reihe deutscher Soldaten. Bei der Sägmühle (Oberpeiching) in einen Hinterhalt gelockt, hatte die US-Armee nach Wahrnehmung von Zeitzeugen im Rainer Winkel bis zu zehn Gefallene zu beklagen.

Um verlustreiche Kämpfe zu verhindern, hatten 42. und 45. Infanteriedivision die Übernahme des Lechgebiets mit Artillerie- und Tieffliegerbeschuss über den ganzen 26. April „vorbereitet“. Bereits seit den Nachtstunden lagen Rain und die Nachbarorte im Feuerhagel alliierter Geschütze, am Spätnachmittag griffen Jagdbomber die Stadt und umliegende Dörfer an. Der Untere Lechrain wurde zum Flammenmeer.

Ein "schwarzer Donnerstag" in Bayerdilling

46 Anwesen in Rain trugen massive Schäden davon, in Gempfing fielen vier Gebäude den Luftangriffen zum Opfer und in Bayerdilling brannten 15 Gebäude ab. Hier wie in den anderen Dörfern entlang von Lech und Donau (Ober- und Unterpeiching, Feldheim, Niederschönenfeld, Mittelstetten, Staudheim und Sallach) gab es daneben viele Schäden durch Granateneinschläge.

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Noch schlimmer als die materiellen Schäden wogen die Ziviltoten jenes „schwarzen Donnerstag“ in Bayerdilling (eine Frau), Gempfing (drei Tote, darunter ein Kind), Niederschönenfeld (Anstaltspfarrer Schollmer), Rain (zwei Personen) und Staudheim (ein siebenjähriger Bub), dazu einige gefallene Soldaten (Zahlen hier nicht gesichert). Um 8.10 Uhr war die Lechbrücke bei Rain von der Wehrmacht gesprengt worden, gegen 13.30 Uhr war auch die Eisenbahnbrücke zerstört.

Bürgermeister wird mit den Armen im Genick durch Dorf geschickt

Die US-Pioniere arbeiteten die Nacht durch, um ein Uhr hatte die erste Kompanie die provisorische Brücke überquert. Bis zur widerstandslosen Einnahme von Rain gegen 8.35 Uhr waren westlich der Stadt bis zum Lech über 70 Kriegsgefangene gemacht worden (beim Marxheimer Donauübergang ergaben sich weit über 300 deutsche Soldaten). Der Gefechtsstand der 42. Division, seit 26. April um 13.40 Uhr beim „Mühlflecken“ nahe Genderkingen, wurde 28 Stunden später nach Rain verlegt. Am Nachmittag nahm, so die langjährige Stadtangestellte Hildegard Penzkofer, das Rathaus seinen Betrieb wieder auf – „mit Verhandlungen zwischen Bürgermeister Josef Paula, Stadtinspektor Heinrich Busch und amerikanischen Offizieren“.

Zeitlich parallel zu Rain nahm eine andere Einheit am Vormittag Feldheim und Niederschönenfeld ein. Der kürzlich verstorbene Rainer Hauptschulrektor Hans Hafner berichtete dazu: „Mit todernster Miene und schussbereitem Gewehr kamen sie hinter Panzern die Dorfstraße herunter – Weiße und Schwarze gemischt, fast alle kaugummikauend. Gleich fragten sie nach dem Bürgermeister, meinem Vater. Er musste dann, die Arme im Genick verschränkt, vor ihnen her durchs Dorf gehen.“ Am Dorfausgang durfte Josef Hafner wieder nach Hause.

Nach zwei Nächten öffnen die Befreier das KZ Dachau

Bei Oberpeiching wurden die zur Säuberung anrückenden Soldaten nahe an die Sägmühle und die Schützengräben am Lechdamm heran gelassen. Im Gewehrfeuer starben bis zu zehn Soldaten der US-Armee, wird berichtet. Auf deutscher Seite sind fünf gefallene Soldaten beurkundet, die Mehrzahl konnte sich im Schutz des nahen Waldes absetzen. Im Laufe des Tages wurden Münster und auch alle zur Stadt Rain gehörenden Dörfer eingenommen. Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass es bei der Besetzung im Rainer Stadtgebiet keine Ziviltoten zu beklagen gab. Jedoch starben mindestens vier Soldaten, die im letzten Moment flüchten wollten – zwei in Etting (17 und 41 Jahre alt), zwei in Bayerdilling (17 und 18 Jahre alt).

Die Befreier – die 42. und 45. Infanteriedivision – hatten am Spätnachmittag mit Wallerdorf den letzten Rainer Stadtteil besetzt. Nach zwei Nächten konnten sie am 29. April um 5.28 Uhr bereits das große Tor des KZ Dachau öffnen. Nennenswerten Widerstand gab es nach der Donaulinie nicht mehr.

Am Tag nach der Befreiung das erste schreckliche Ereignis in Feldheim: Ein 13-Jähriger hantierte mit einer Eierhandgranate. Diese explodierte. Der Schüler war sofort tot. Es sollte nicht der einzige Fall bleiben. Ein weiteres Unglück mit Kriegsmunition kostete in Feldheim am 17. August drei Kindern das Leben.

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