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Buchdorf

10.09.2019

Vellinger weiter in „Vollzeit“?

Wer zieht nach der Wahl 2020 als Bürgermeister ins Buchdorfer Rathaus ein? Diese Frage wird im Prinzip bei einem Bürgerentscheid am 10. November geklärt.
Bild: Widemann

Wie der Buchdorfer Bürgermeister seinen Entschluss begründet, ehrenamtlich weitermachen zu wollen und welche Alternative eine Gemeinderätin vorschlägt.

Nun ist es raus: Bürgermeister Georg Vellinger, seit 1990 in Buchdorf im Amt und damit einer der drei dienstältesten Bürgermeister im Donau-Ries-Kreis, will weitermachen. Das gab der 66-Jährige in einer Sitzung des Gemeinderats am Montagabend bekannt.

Die Stellungnahme war in der Gemeinde und darüber hinaus mit Spannung erwartet worden. Dies ist sicher auch in den Umständen begründet, die in dieser Angelegenheit mitspielen und im weiten Umkreis einmalig sein dürften.

Bürgerentscheid am 10. November

Vellinger könnte – selbst wenn es keinen Gegenkandidaten geben würde – im März 2020 nicht einfach so wiedergewählt werden. Weil er wenige Tage vor dem Termin 67 Jahre alt wird, verhindert die gesetzlich festgeschriebene Altersgrenze, dass er erneut als hauptamtlicher Rathauschef antritt. Die einzige Möglichkeit wäre, ehrenamtlich weiterzumachen. Dies könnte der Gemeinderat mit einem Beschluss rechtzeitig vor der Wahl so regeln.

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Doch in Buchdorf liegt die Entscheidung jetzt bei den wahlberechtigten Bewohnern. Die sind am 10. November zu einem von der PWG initiierten Bürgerentscheid aufgerufen. In dem soll entschieden werden, ob die Kommune weiter von einem hauptamtlichen oder nach vielen Jahren wieder von einem ehrenamtlichen Rathauschef geführt wird.

1990 noch ehrenamtlich

Das Pikante daran: Vellinger war bei seiner ersten Wahl 1990 zunächst eine Periode lang ehrenamtlich tätig. Damals habe er feststellen müssen, dass neben einem anderen Beruf die Zeit nicht ausreiche, die vielfältigen Aufgaben eines Bürgermeisters ordentlich zu erfüllen, erklärte Vellinger jetzt im Gemeinderat. Mit 10:3 Stimmen beschloss der Gemeinderat im November 1995, dass der Rathauschef in Buchdorf künftig hauptamtlich tätig sein soll. Viermal erhielt Vellinger in der Folgezeit das Vertrauen der Mehrheit der Bürger.

Dass ihm das Alter nun eine Grenze setzt, wurmt ihn augenscheinlich. Andere Berufspolitiker – Abgeordnete, Minister, Kanzler und Bundespräsident – seien da nicht eingeschränkt, merkte Vellinger in seiner Erklärung an.

Großprojekt Dorfzentrum

In Buchdorf stehe die Realisierung des Dorfzentrums an – „das größte Projekt in der Geschichte unserer Gemeinde.“ Die „Neue Mitte“ mit vier Gebäuden auf einer Fläche von 12600 Quadratmetern sei eine „einmalige Chance für Buchdorf“ und habe „absolute Priorität“. Dieses Projekt voranzubringen, sei für ihn ein „Herzensanliegen“, bekundete Vellinger. Der stellte auch fest: „In das komplexe Bauvorhaben bin ich eingearbeitet wie kein anderer. Deshalb möchte ich für die Weiterführung dieses Großprojekts Verantwortung übernehmen.“ Weil es nicht anders möglich sei, wolle er als ehrenamtlicher Bürgermeister kandidieren.

Auf Bitten der Bürger

Sollten sich die Bürger bei dem Entscheid am 10. November mehrheitlich für eine Ehrenamtlichkeit stimmen, würde dies für die Kommune „sicher keinen Rückschritt bedeuten“, betonte der CSU-Politiker: „Die Änderung eröffnet die Möglichkeit, Erfahrung und Wissen aus drei Jahrzehnten Tätigkeit weiter für die Gemeinde zu nutzen.“

Und weiter: „Bisher habe ich mich erfolgreich für meine Heimatgemeinde eingesetzt und möchte dies weiterhin in Vollzeit und mit ganzer Kraft auch in Zukunft tun.“ Seinen Entschluss habe er auch deshalb gefasst, weil ihn viele Bürger darum gebeten hätten. Im Übrigen habe er im Vorfeld mit acht Personen wegen einer möglichen Kandidatur gesprochen: „Jeder hat gesagt: Das tue ich mir nicht an.“

Applaus aus dem Gremium und Publikum

Ein Teil der Gemeinderäte und der gut 20 Zuhörer reagierte auf die Erklärung mit Applaus. Anschließend genehmigten die Rätsmitglieder einstimmig das Bürgerbegehren. Von der PWG, die weiter einen hauptamtlichen Bürgermeister will, äußerte sich niemand. Weil sie offizielle Vertreter des Begehrens sind, waren die drei Gemeinderäte der Parteifreien von der Beratung ausgeschlossen.

Zu Wort meldete sich allein Ursula Kneißl-Eder (Frauenliste Buchdorf-Baierfeld). Sie bedauerte, dass es hier nicht um die Sache, sondern um einen „Machtkampf“ gehe. Bei dem Bürgerentscheid handle es sich „um eine vorgezogene Bürgermeisterwahl“.

„Nicht das richtige Signal“

Kneißl-Eder meinte, die anstehenden Aufgaben in Buchdorf könnten nur mit einem hauptamtlichen Bürgermeister umgesetzt werden. Ein „pseudohauptamtlicher“ Rathauschef sei „nicht das richtige Signal nach außen für eine gesunde und wachsende Gemeinde“. Wer eine Kommune entwickle und gestalte, werde nie fertig.

Die Rätin, die dem Bürgermeister jahrelang bei den meisten Entscheidungen zur Seite stand, hatte einen Vorschlag für einen „fließenden Übergang“ parat: Vellinger könnte auf der CSU-Gemeinderatsliste antreten, nach seiner Wahl das Amt des Zweiten Bürgermeisters anstreben und in dieser Position seine Erfahrungen und Kontakte einbringen und gleichzeitig an seinen Nachfolger weitergeben. Vellinger ging darauf nicht weiter ein.

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