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Kommentar

05.06.2019

Verwalten wir uns bald zu Tode?

Die Pfarrer leiden unter der hohe Verwaltungsarbeit. Die vorrangigen Aufgaben der Geistlichen drohen dabei zu ersticken.

Die in der Überschrift gestellte Frage ist keine bloße Polemik – bei genauerer Hinsicht kann sie sogar durchaus eine gewisse persönliche Tiefe entfalten. Dazu eine zweite Frage: Wie viel Zeit widmen Sie tagtäglich den wesentlichen Dingen des Lebens? Hier sei angemerkt, dass dazu die sogenannten „ersten und letzten“, die fundamentalen Dinge des Daseins gehören sollten und nicht etwa die Sorge um die Bezahlung des nächsten Urlaubs, Amazon-Einkaufs oder E-Scooters. Nein, es geht um Angelegenheiten wie den Sinn des Lebens, die Beziehung zu Gott, wie es „danach“ weitergeht und, und, und ... Für einen Pfarrer sollte die Behandlung ebenjener Themen in der Tat die tagtägliche Grund- und Kernaufgabe sein – und in diesem Zusammenhang die Vermittlung der Guten Botschaft Jesu Christi als tatsächliche Befreiungstat.

Die Wirklichkeit sieht leider all zu oft etwas anders aus: Verwaltungsaufgaben nehmen auch in diesem wichtigen Beruf so eklatant zu, dass sie die eigentlich vorrangigen Aufgaben manchmal zu ersticken drohen. Nun mag das Administrative durchaus seine Berechtigung haben – doch auch beim Umfang von Verwaltungsaufgaben sollte, frei nach Luther, Maß und Mitte gesucht werden.

Vieles am Mehr der Verwaltungsflut ist indessen auch gesetzgeberisch begründet. Wer in seinem Betrieb den neuen (Zusatz-) Job eines Datenschutzbeauftragten innehat, der kann ein Lied von so manchem Wahnsinn singen. Gegen einige behördliche Anforderungen ist die Steuererklärung wohl mittlerweile ein Witz, so scheint es.

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In vielen Bereichen und Branchen ist die Masse an Vorschriften inzwischen zu einer zähen und demotivierenden, weil kaum noch zu bewältigenden oder zu verantwortenden Suppe ohne Salz geworden. Hauptamtliche in vielen Berufen mutieren derweil schier zu Technokraten, Ehrenamtliche streichen oftmals die Segel.

Wie gesagt, viele Verwaltungsaufgaben, Vorschriften und was es sonst noch alles an Papierbergen gibt, das alles mag irgendeinen Grund haben. Aber: Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Vor allem dann nicht, wenn das Beiwerk, das „Drumrum“ zum Zentrum wird. Es wird Zeit für so manchen Abbau von Papierstapeln, damit sich die Menschen wieder um ihre ureigenen Kernaufgaben kümmern können. Das betrifft beileibe nicht nur Pfarrämter, sondern mittlerweile fast jede Branche.

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