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Tour

07.09.2018

Volles Haus beim Museumstag in Mertingen

Bezirksheimatpfleger Hans Frei kannte Martha Sailer gut und erzählte beim Museumstag in Mertingen aus ihrem Leben und von ihrer Kunst. <b>Foto: Hampp-Weigand</b>
Bild: Hampp-Weigand

Höhepunkt ist die Ausstellung der Klosterarbeiten von Martha Sailer. Was es sonst noch alles zu bestaunen gibt

Mertingen Es ist richtig was los gewesen am Museumstag in Mertingen – drei Museumsgebäude gibt es ja dort, die vom Verein der Museumsfreunde betrieben werden. Und wenn dann so ein Herbsttag mit passendem Wetter kommt, herrscht in allen Häusern pralles Leben.

Im Museumsgarten vor dem Stadel mit bäuerlichen Gerätschaften gab es das „Kartoffelfest“ – eine Erinnerung an ärmere Zeiten, als die Kartoffel das Nahrungsmittel war, das die Bevölkerung in Stadt und Land vor Hunger und Not bewahrte.

Bei der Museumstour konnte man auch noch in der Manes-Sölde, dem Einfirsthof mit kleinem Kramerladen, beim Weben bunter Schals oder kleiner Teppiche zusehen, und sich für Weihnachten eindecken – und nebenbei die Sölde erkunden, schauen, ob neue Ausstellungsstücke dazu gekommen sind, wie die Trachten aus Pöttmes aus dem Besitz einer Mertinger Familie.

Und dann gab es noch, als Höhepunkt des Museumstages, in der Alten Schule die Ausstellung über Klosterarbeiten der 2008 gestorbenen Lauterbacher Bäuerin und Künstlerin Martha Sailer zu bewundern. Diese Ausstellung wurde mit einem einfühlsamen und kenntnisreichen Vortrag des langjährigen früheren Leiters des Museums Oberschönenfeld und Bezirksheimatpflegers Hans Frei eröffnet, der lange mit Sailer befreundet war und sie sehr geschätzt hat. Anrührend wusste er ein wenig aus ihrem Leben zu erzählen, und von ihrer autodidaktisch erlernten Kunst der „Schönen Arbeiten“, wie Klosterarbeiten auch genannt werden. „Beten mit den Händen“ sei ihre Kunst gewesen, in mühevoller, die Stunden nicht zählender Arbeit, in der die schönsten gefatschten Kinder, Wettersegen, oder Reliquien entstanden seien. Alois Sailer, Witwer und Bewahrer des Erbes seiner Frau, Kreisheimatpfleger des Landkreises Dillingen und seit Sommer dieses Jahres einer der Träger des Bayerischen Dialektpreises, erzählte liebevoll und launig vom gemeinsamen Leben und Wirken, mit mindestens 30 Spickzetteln bewaffnet. Fast nicht zu bremsen war er, wie er von den gemeinsamen entbehrungsreichen Jahren erzählte, der armen Kindheit, und der langen Krankheit seiner Frau, ihrem Streben nach absoluter Perfektion in der Restauration und Herstellung der „schönen Dinge“. Die Besucher drängten sich im Ausstellungsraum, so viele wollten den Zauber jener aus Golddraht, Bouillondraht, Flussperlen, Krepp, Glassteinen, Goldperlen, Korallen, Granaten, Bernstein, Pergament und Papier (für die Cedulae = Namensschildchen der Heiligen) gewirkten Pretiosen auf sich wirken lassen – und den Geist der Martha Sailer, jener bescheidenen, liebenswürdigen Frau und großen Künstlerin. (uhw)

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