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Kleinkunst

07.02.2015

Vom Glück, ein Bayer zu sein

Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle: Erst vor Kurzem begeisterte er als Stoiber-Imitator wieder die Menschen in Günzburg, wo auch das Foto entstand. Nun kommt er mit seinem neuen Programm nach Donauwörth.

Der Kabarettist Wolfgang Krebs ist vor allem mit seinen Stoiber-Parodien bekannt geworden. Nun kommt er mit seinem neuen Programm nach Donauwörth. Ein Gespräch über Kunstfiguren – und ihre realen Vorbilder

Das Programm, mit dem Sie in Donauwörth auftreten, heißt „Können Sie Bayern? Auf geht’s zum Bayern-TÜV!“ Was muss ein „richtiger“ Bayer denn können, um den Bayern-TÜV zu bestehen?

Er sollte alle Regierungsbezirke kennen und mit Edmund Stoiber verbinden, dass er mal Ministerpräsident war. Das reicht schon.

Sie treten auch außerhalb Bayerns auf. Funktioniert ihr bayerisches Kabarett dort überhaupt?

Ich trete dann meistens als Edmund Stoiber mit einer Festrede auf, die individuell auf den Anlass zugeschnitten ist. Dann spricht Stoiber zum Beispiel bei einer Firmenfeier. Das funktioniert. Das ist dann eben nicht mein volles Programm, das ich da spiele. Es reicht mir aus, mein Bühnenprogramm nur in Bayern zu spielen. Denn Bayern ist ja schon so vielfältig, dass man selbst da auf die unterschiedlichsten Themen eingehen darf.

Was unterscheidet denn die Menschen in Bayern voneinander?

Der Schwabe ist von seinem Humor her kräftiger und deutlicher als der Franke, der ja immer so von hinten kommt. Und der Schwabe ist eher stiller und fordert selten seine Rechte ein.

Merken Sie diese Unterschiede auch im Publikum?

Ja. Während der Franke im Publikum schon plärrt und schreit, wartet der Schwabe erst einmal ab. Dafür ist der Applaus in Schwaben am Schluss lang und heftig. Wohingegen in Franken die Energie während des Auftritts verschossen worden ist. Das ist eine andere Aufmerksamkeit, die man wahrnehmen kann. Ich spiele sehr gerne in Schwaben, ich komme ja auch aus Schwaben.

Stoiber, Beckstein, Seehofer – Sie sind bekannt für Ihre Politiker-Parodien. Wie trainieren Sie sich die an?

Ich höre mich sehr genau rein. Ich muss die Stimme des Parodierten immer erst in meinem Kopf hören, mich also im internen Dialog mit ihr austauschen können. Das klingt jetzt seltsam. Aber ich versuche, das so zu sagen, wie ich es im Kopf höre. Und dafür muss ich immer sehr viel hören. Als ich damals den Ude gemacht habe, habe ich fast drei Wochen lang im Auto während meiner Fahrten nichts anderes gehört als eine CD von ihm.

Welcher Politiker war denn bisher am schwersten auf die Bühne zu bringen?

Der Markus Söder war wirklich schwer. Bei ihm ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, dass er fast dieselbe Stimmlage hat wie ich. Ich muss nämlich nur ein wenig Fränkisch reden, dann bin ich schon der Söder. Und dabei hatte ich mich lange gefragt, was los ist, dass das überhaupt nicht so klingt wie er. Bis ich irgendwann festgestellt habe: Da muss ich gar nicht viel machen. Sondern viel weniger. Aber Christian Ude war am schwierigsten für mich. Ich stand sogar mal in der Sendung „Asyl für alle“ direkt neben ihm. Da hatten die Leute den unmittelbaren Abgleich.

Im neuen Programm imitieren Sie auch Angela Merkel. Ist das besonders schwierig, weil sie eine Frau ist?

Das ist einfach anders. Ich habe schon mehrere Frauenrollen gespielt. Zum Beispiel Waldemarie Wammerl, so eine Dirndl-Trägerin, eine Kunstfigur von mir. Frauen zu imitieren finde ich überhaupt nicht schlimm. Mein nächstes Ziel ist es, Ilse Aigner für die Starkbierfeste vorzubereiten. Ich schrecke da vor nichts zurück. Und die Leute finden das gerade gut, weil sie wissen, dass es kein Eins-zu-eins-Double ist, sondern eine Parodie, eine Überzeichnung.

Warum imitieren Sie hauptsächlich Politiker?

Weil ich den Politikern einfach Dinge in den Mund legen darf, die sie so nie sagen würden – und manchmal ist das näher dran an der Wahrheit als das, was man von den Originalpolitikern hört. Aber ich habe auch sehr hoffnungsvolle Kandidaten als Kunstfigur für die Zukunft. Zum Beispiel den Ortsvorsitzenden Schorsch Scheberl. Der ist Vorsitzender in allen 30 Vereinen in seinem Ort.

Woher kam die Inspiration dafür?

Aus einer Vereinssitzung, in der ich tatsächlich selber saß. Da hatte ein großer Vereinsvorsitzender von mehreren Vereinen etwas in der Zeitung gefunden und dann in der Sitzung gesagt: „Also, liebe Freunde, das, was da so gesagt worden ist, das habe ich selber nicht so gesagt und wenn ich es so gesagt hätte, dann hätte ich es noch viel schärfer gesagt, verstehste. Zu diesen Sturschädeln, den gräuslichen.“ Damit hat er die Presse gemeint. Ich habe mir den Satz heimlich aufgeschrieben. Und dann bin ich nach Hause gefahren und habe eine komplette Nummer dazu geschrieben.

Bedeutet das, man muss in Ihrer Gegenwart aufpassen, dass man nicht zu einer Ihrer Kunstfiguren wird?

Ich verfälsche das so lange, bis niemand mehr merkt, dass er in meinem Programm vorkommt. Aber es gibt in manchen Bereichen ähnliche Verhaltensmuster, zum Beispiel in bestimmten Berufsgruppen. Dass der Hape Kerkeling zum Beispiel den Lokaljournalisten Horst Schlämmer erfunden hat, ist das Resultat daraus, dass er viel mit Lokaljournalisten zu tun hatte. So wie ich ja auch. Und manchmal ist es tatsächlich so, dass man solche Menschen wie Horst Schlämmer findet.

Warum glauben Sie, dass Ihre Parodie von Edmund Stoiber immer noch so gut ankommt, obwohl er selbst längst nicht mehr so präsent in den Medien ist?

Dass es immer noch ankommt, wundert mich selbst. Ich glaube, ich habe mich mittlerweile abgespalten von Edmund Stoiber. Ich bin ja ein sehr juveniler Stoiber, ganz agil auf der Bühne. Das stört niemanden, dass der echte Stoiber wesentlich langsamer und sonorer spricht. Und ich mache auch Dinge als Stoiber, die er selber gar nicht mehr macht. Ich „verstoibere“ mich natürlich noch, also verspreche mich. Aber mir ist bewusst, dass die Parodie endlich ist. Und so versuche ich auch immer, neue Persönlichkeiten einzuüben. Wenn ich ein Programm spiele, entwickle ich es ständig weiter.

Und manchmal muss auch eine Figur aus Ihrem Programm für eine andere weichen. So wie jetzt zum Beispiel die Kunstfigur Waldemarie Wammerl …

Ja, ich muss ja meine Spielzeit einhalten. Frau Wammerl ist momentan nicht dabei. Aber ich arbeite daran, dass sie vielleicht Münchner Immobilienmaklerin wird oder so. Denn meine beiden Jungs brauchten vor Kurzem ein Zimmer in München, weil sie zu studieren angefangen haben. Und ich habe den Eindruck, dass der Münchner Immobilienmakler generell einen Zollstock hat, bei dem zwei Meter bei uns in Schwaben nur ein Meter wären. Da werden Quadratmeter verkauft und angeboten, das kann man nicht nachvollziehen.

Sie machen sehr viel – haben Sie nicht manchmal Angst, dass Sie irgendwann ausbrennen?

Da achte ich schon drauf und schaue, dass ich auch Zeit für mich habe. Ich werde auch von meiner Familie immer wieder auf den Boden zurückgeholt. Ich habe früher mehr gearbeitet als heute. Da war ich schon ein paar Mal sehr nah am Ausbrennen dran. Ich habe meinen Auftritt beim Nockherberg vergangenes Jahr auch aus dem Grund abgesagt, dass ich gemerkt habe, dass es für mich schwierig wird, wenn ich jeden Abend ein Starkbierfest mache und tagsüber noch auftrete. Meine Arbeit ist eine sehr anstrengende Aufgabe, bei der man viel gibt. Das wird oft unterschätzt.

Was machen Sie denn zum Ausgleich?

Ich arbeite im Garten. Mein Ausgleich ist die Ruhe und ganz etwas anderes machen – zum Beispiel singen, weil es die Stimme schön kräftig hält an den Tagen, wo man nicht auftritt. Und auch Sport. Und zwar Kraftsport, ganz altmodisch Gewichte stemmen.

Glauben Sie, dass Sie heute auch Kabarettist wären, wenn Sie in einem anderen Bundesland aufgewachsen wären?

Nein, das glaube ich nicht. Denn der Humor in den anderen Bundesländern zum Thema Parodie ist ganz anders. Ich glaube nicht, dass es einen Kollegen gibt, der irgendwo den Stanislav Tillich imitiert oder so. Wir Bayern haben sehr lustige und fröhliche Kabarettisten, die auch einfach immer sehr bayerisch sind. Und die die Unterschiede Bayerns in den Vordergrund stellen. Kabarett hier ist einfach anders als im Rest der Welt. Das ist ja auch der Grund, warum es für mich vorgesehen war, in Bayern auf die Welt zu kommen. Da bin ich dem Schicksal sehr dankbar.

Interview: Claudia Hamburger

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