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Autorenbegegnung

26.04.2016

Vom Lehren und Lesen, von Liebe und Hass

Kontraste mit Arne Ulbricht. Warum der Schriftsteller für Vorlese-Party wirbt

Ein Lehrer dreht durch. Von den Schülern gemobbt, vom Rektor kleingehalten, von den eigenen Eltern belächelt, sinnt er auf Rache. – Ein Vater meistert das Chaos: Zwischen Kindertaxidienst, Einkauf und Zubettbringen liest er Harry Potter vor und zaubert gute Laune im Kinderzimmer.

Die beiden so unterschiedlichen Ich-Erzähler hat der Autor Arne Ulbricht geschaffen und aus seiner Wahlheimat Wuppertal nach Donauwörth mitgebracht. „Lesen ist cool! Vom Vorlesen zum Selbstlesen“ und „Nicht von dieser Welt“ heißen die beiden Bücher, die er im Buchhaus Greno vorstellte. „Der Lehrer aus meinem Roman bin nicht ich, der Vater aus meinem Sachbuch bin ich“, stellte Ulbricht frühzeitig klar.

Horrortrip im Traumberuf

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Ein wichtiger Hinweis, denn: Romanheld Heinz Gödel hat zwar denselben Beruf gelernt wie sein Schöpfer, findet aber keinen Zugang zu den Teenagern in einer Klasse. Der literaturbegeisterte, technikfeindliche Einzelgänger verzweifelt an seinem Traumberuf. Für Arne Ulbricht war Lehrer eigentlich gar kein Traumberuf, stellt er klar: „Dieses Buch habe ich angefangen, als ich mein Referendariat machte, aber schon wusste, dass ich Schriftsteller werden will.“ Die Verlage zeigten ihm jahrelang die kalte Schulter, die Schüler und Kollegen zum Glück nicht. Ulbricht blieb Pädagoge. „Die Frage bewegte mich aber weiterhin: Wie ist es für einen Menschen, wenn er einen Traum hat und dann alles zerbricht?“, so Ulbricht. Sein Heinz Gödel findet darauf eine drastische Antwort. Ulbricht setzte mit Familiengründung, Teilzeitstelle als Lehrer, Weiterschreiben und erneuter Verlagssuche in seinem Leben andere Akzente und erlebte ein Happy End: „Nicht von dieser Welt“ erschien 2016.

Zusätzlich sind inzwischen vier Sachbücher des Autors auf dem Markt, „Lesen ist cool!“ ist das neueste. „Väter, lest vor!“, empfahl Ulbricht im Buchhaus Greno. „Schon aus rein egoistischen Gründen!“ Viel Spaß habe er beim Vorlesen mit dem heute zwölfjährigen Sohn und der achtjährigen Tochter schon gehabt, schwärmte er, 2000 Vorlesestunden mit Madita, Harry Potter, dem kleinen Gespenst, Winnetou und vielen mehr verbracht. Mit blitzenden Augen und unterschiedlichen Stimmlagen zeigte er zudem, was den guten Vorleser auszeichnet: Leidenschaft.

Ulbricht warb für regelrechte „Vorlese-Partys“, für Abenteuerreisen im Geiste, für die man keinen Cent braucht, nur Zeit. Auch steige die Chance, dass Söhne vorlesender Männer ein Leben lang gern zum Buch greifen, nicht nur zum Joystick oder Smartphone. Vorlese-Empfehlungen für verschiedene Altersstufen und Tipps zur Selbstlesen runden das Buch ab.

Bei seinem kleinen, aber umso aufmerksameren Donauwörther Publikum rannte Ulbricht offene Türen ein und erntete viel Applaus. Gut möglich, dass der Autor bald wieder in die Region kommt - dann zu einer Veranstaltung, die nicht parallel zu einer Fußballübertragung läuft und dann hoffentlich mehr Väter, Großväter, Pädagogen und ehrenamtliche Vorleser anzieht.

Buchtipps von Arne Ulbricht Lesen ist cool! Vom Vorlesen zum Selbstlesen. Vandenhoeck& Ruprecht Verlag 2016, 15 Euro. Nicht von dieser Welt, Roman. KLAK-Verlag 2016, 14,90 Euro.

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