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Ausstellung

07.05.2014

Von Ufos, Wald und Prada-Schuhen

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„Objekt und Farbe“ im Kaisheimer Torturm bietet ungewöhnliche Eindrücke

Wir alle arbeiten im Alltag – beim Basteln und Renovieren – mit einem Material, in dem viel mehr steckt, als die meisten ahnen, weiß Monika Gebhardt. Richtig angewandt kommt es mal so zart daher wie feinste Spitze, mal so robust wie Massivholz. Gebhardt kann Taschen daraus zaubern und Pumps, Miniaturtorten, Schiffsmodelle und sogar kleine Ufos. Es heißt Krepp-Klebeband und zeigt jetzt im Torturm Kaisheim, was es alles kann – oder genauer gesagt, was in Gebhardts Händen daraus wird.

„Die Stunden zähle ich nicht, in denen ich das Band reiße, zupfe, rolle und etwas daraus fertige“, betont Gebhardt, früher in der Modebranche tätig und seit 20 Jahren vorwiegend Objektkünstlerin und Malerin. Auch entstehen viele ihrer Werke aus einer Stimmung, einer Eingebung heraus. Oft staunt Gebhardt selbst über das, was sie am Ende in Händen halten, auf einen Sockel stellen, aufhängen oder hinter Glas bannen kann.

Sie ist niemand, der gerne über die Bedeutung eines Werkes schwadroniert – „ich mag es lieber, wenn ich jeden Betrachter zu eigenen Ideen anregen kann“, sagt sie. Bei mancher Pflanzenskulptur, manchem Hinterglasbild mit vielen winzigen Kreppbandröllchen hört sie die Frage: „Ist das aus Nudeln?“ Sie lacht: „Das wäre mir zu anstrengend, Nudeln sind ja nicht selbstklebend!“

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Und ließe sich aus Nudeln ein Prada-Schuh ebenso formen wie ein Lampenschirm, der geheimnisvolle Lichtspiele schafft, eine Blume oder ein Fahrzeug? Eben. Organisiert hat die Ausstellung der Kulturförderkreis Kaisheim, dessen Vorsitzender Hartmut Süß Monika Gebhardt vor zwei Jahren auf einer Gemeinschaftsausstellung kennenlernte. „Ich habe ihre Objekte aus Klebeband gesehen, dazu ihre Bilder in Acryl-Pigment-Technik“, berichtet Süß, „und ich dachte mir: Das muss als Ausstellung der Gegensätze und Harmonien in den Kaisheimer Torturm.“

Die Augsburgerin Gebhardt war einverstanden. Sie schwärmt: „Diesen Turm kann man nicht einfach behängen, den muss man bespielen.“ So schmiegen ihre kleineren Objekte sich in die Fensternischen hinein oder schweben als Ufos unterm Turm, während größere ihre Wirkung im freien Raum entfalten und mit dem wechselnden Licht kommunizieren.

An den Wänden findet sich auch Platz für Gebhardts Gemälde, deren Farbigkeit aufs Schönste mit den Naturtönen ihrer Objektkunst kontrastiert. Die Intensität der Farben, und dass manch eine Oberfläche wie Samt anmutet, liegt daran, „dass ich pure Pigmente auf feuchtem Untergrund verwende“, verrät sie. Pinsel setzt sie schon lange keine mehr ein, stattdessen Rollen, Spraydosen und ihre Hände. Die Ergebnisse erinnern an Abendstunden am Meer, an Spaziergänge auf saftigen Wiesen – eines heißt nicht nur „Mistral“, es vermittelt auch eindrucksvoll, wie es sich anfühlt, von einem geborgenen Ort aus in eine Sturmlandschaft hinauszublicken.

Gebhardts Ausstellung „Objekt und Farbe“ wird noch zwei Wochenenden lang im Torturm zu sehen sein. Viele Werke sind noch käuflich zu erwerben. Die Künstlerin selbst ist jeden Sonntag anwesend, beantwortet Fragen der Gäste und Besucher und freut sich auf deren Ideen zu ihrem Schaffen.

Torturm Kaisheim, Abteistraße 1. Öffnungszeiten: 10. und 11. Mai, 17. und 18. Mai, jeweils von 14:00 bis 18:00 Uhr.

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