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Marxheim

24.06.2017

Von der mittelalterlichen Taverne zum modernen Land-Steakhaus

Diese undatierte Aufnahme zeigt Leonhard Stöckl mit seinen Kindern Xaver und Walburga. Auf Leonhard Stöckl geht die Familientradition des heutigen Land-Steakhauses zurück, das auf diesem historischen Foto noch ein kleines Wirtshaus mit angegliederter Landwirtschaft war.
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Diese undatierte Aufnahme zeigt Leonhard Stöckl mit seinen Kindern Xaver und Walburga. Auf Leonhard Stöckl geht die Familientradition des heutigen Land-Steakhauses zurück, das auf diesem historischen Foto noch ein kleines Wirtshaus mit angegliederter Landwirtschaft war.
Bild: Bürger

Als die Marxheimer Donaubrücke einst Zollstation einer alten Handelsstraße war, wurden bereits Reisende im Ort verköstigt. Die Familie Bürger betreibt dort noch immer einen Landgasthof.

Es war 1988, als Hermann Bürger nach seiner Ausbildung und beginnenden Koch-Karriere beschloss, sein berufliches Glück nicht in den großen Gourmet-Tempeln dieser Welt zu suchen, sondern in die heimatliche Provinz zurückzukehren. Damals erklärten ihn seine Kollegen schlichtweg für verrückt ob der Idee, sich auf dem Land niederzulassen. Immerhin hatte der damals 28-Jährige in den Sieben-Schwaben-Stuben in Augsburg gelernt, hatte in Grainau im Eibsee-Hotel gearbeitet, im Schweizer Grandhotel Kronenhof (Pontresina) und war Sous-Chef im Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern gewesen. Und nun also Marxheim?

„Sie haben nicht verstanden, dass das hier mein Zuhause ist, mein Erbe, meine Lebensaufgabe“, erzählt der Wirt des heutigen Land-Steakhauses und muss rückblickend schmunzeln, denn seine Entscheidung hat sich für ihn als die richtige erwiesen. Aus der einstigen Dorf-Gaststätte hat sich mittlerweile ein gastronomisches Anwesen entwickelt, das mit seinen diversen Schauplätzen für vielerlei Anlässe gerüstet ist.

Doch das Jetzt und Heute ist meilenweit davon entfernt, womit die Begründer der Wirtschaft einstmals begonnen haben. Wer es war und wann an jener Stelle in Marxheim erstmals ausgeschenkt wurde, ist nicht verbrieft. Aber es muss sich um eine jahrhundertelange Tradition handeln. Denn in diesem innersten bayerischen Lech-Donau-Winkel haben sich seit dem Mittelalter zwei Handelsstraßen gekreuzt. Bereits 1255 ist eine Donaubrücke samt Zollstätte zwischen Niederschönenfeld und Marxheim urkundlich bekannt. Daher kann man davon ausgehen, dass an der Stelle des heutigen Bürgerschen Landgasthofes schon sehr früh eine Tafernwirtschaft stand. Noch heute liegt auf dem ganzen Grundstück mit rund eineinhalb Hektar Fläche das Schankrecht, die so genannte Taferngerechtsame.

Wie der Schreiber der Familienchronik festgehalten hat, übernahm anno 1798 der Bierbrauer und Tafernwirt Joseph Bäck den Hubhof samt Wirtschafts-, Brauereieinrichtung und Vieh. Der namentlich nicht bekannte Chronist schreibt: „Die Wirtsbehausung bestand aus einem zweistöckigen Steinbau, dazu gehörten Pferde- und Viehställe, Backhaus, Hopfen- und Baumgärten, ein Wurzgärtl und ein Krautbeet. Hier bestand also seit langem das Recht, Gäste nicht nur zu bewirten, sondern auch nächtigen zu lassen.“

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hat es mehrere Besitzerwechsel gegeben, ehe schließlich Michael Samer 1873 das Anwesen erwarb und 1882 an seinen Sohn Jakob übergab. Noch heute sprechen alteingesessene Marxheimer davon, auf ein Bier zum „Samerwirt“ zu gehen – obwohl die Eigentümer dort längst Bürger heißen.

Mit dem Jahr 1896 beginnt die Familiengeschichte dieser Bürgers, die heute in fünfter Generation das Gastronomie-Gewerbe dort ausüben. Im Dezember dieses Jahres erwarben Leonhard Stöckl und dessen Braut Therese Bauch – eine Tochter aus dem Haus des nahegelegenen Marxheimer „Bruckwirts“ – den ganzen Besitz. Ab 1927 – so ist in der Chronik zu lesen – führte dann deren Sohn Xaver Stöckl mit seiner Frau Hedwig Stöckl, (geborene Neubauer) den stattlichen Betrieb weiter. Wie bereits seine Vorfahren, so war auch Xaver Stöckl Landwirt und Gastwirt zugleich.

Nach dieser Generation trat die Mutter des heutigen Besitzers, Walburga Bürger, geborene Stöckl, in die Fußstapfen ihrer Ahnen. Sie hatte im Hotel „Terofal“ am Tegernsee Köchin gelernt und fand nun im elterlichen Betrieb ihren Platz. Es war Mitte der 50er Jahre, als eines Tages der Viehhändler Ernst Bürger aus Unterthürheim (Landkreis Dillingen) hungrig in der Gaststube Platz nahm. Nicht nur das Essen muss ihm hervorragend geschmeckt haben. Auch beim Anblick der bildhübschen Wirtstochter hat er wohl Appetit bekommen. Denn die beiden heirateten und übernahmen 1961 den Gasthof. Während sich Walburga Bürger mit ihrer guten Küche einen Namen machte, verstand es Ernst Bürger, die Aufgaben des Gastwirts mit denen des Viehkaufmanns zu verbinden. Die Landwirtschaft freilich wurde aufgegeben. Lediglich ein paar Spargelbeete kultivierte Ernst Bürger, um das Edelgemüse zur Saison seinen Gästen frisch servieren zu können.

Zwei Söhne hatte das Paar, von denen der eine – Hermann – den Gasthof mitsamt den Liegenschaften 1988 übernommen hat. Die vermeintliche Fehlentscheidung, die ihm mancher Zeitgenosse damals prophezeit hat, hat sich nicht bewahrheitet. Denn Hermann Bürger hat es sich in der ländlichen Idylle wahrlich nicht bequem gemacht. „Er war von jeher voller Tatendrang“, sagt seine Mutter Walburga mit Blick auf den Ausbau des Erbes. Hermann Bürger restaurierte erst die alte Wirtsstube, die der Urgroßvater zur Gründerzeit eingerichtet hatte, stellte den Stuck an den Decken wieder her und holte die alten Petroleum-Lampen vom Dachboden, um sie zu elektrifizieren. Die einstige Wohnung der Wirtsleute baute er zum eleganten Restaurant um, erneuerte Küche und Toiletten. Den Saal im ersten Stock gab er zugunsten von Gästezimmern auf.

Um den Betrieb zu spezialisieren, änderte er das kulinarische Konzept ab: Zur gehobenen bürgerlichen Küche gibt es jetzt das Steakhaus. 2012 war dann die Remise-Koppelbar an der Reihe. „Wo früher ein Weideunterstand für Pferde war, haben wir eine Event-Location aufgebaut“, erzählt Hermann Bürger. Fahrzeuge, die einstmals dort untergestellt waren, hängen jetzt als beeindruckende Schmuckstücke von der Decke. Hochzeiten und Tagungen finden dort vor allem statt. Rustikal-zünftig gehts in der Stadl-Bar zu und unter der 120 Jahre alten Kastanie im Innenhof herrscht beste Biergarten-Atmosphäre. Der stattliche Baum ist die große Konstante in der Familiengeschichte der Stöckls und Bürgers. Gepflanzt von Urgroßvater Leonhard Stöckl, hat er all den Wandel und die Veränderungen bis hin zur heutigen Gastronomie erlebt. Und wird auch weiter dort stehen, wenn die nächste Generation eines Tages übernimmt. Denn Bernhard und Sebastian sind im Familienbetrieb als Koch und Techniker längst angekommen ...

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