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Mertingen

01.10.2018

Wahlkampf auf dem Barhocker

Das ist Wahlkampf: Trotz Krücken kam Kreuzer.
Bild: Bissinger

Trotz Oberschenkelhalsbruchs kommt CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer zu seinen Anhängern nach Mertingen.

Erst vor einigen Tagen ist er in seinem Wohnzimmer ausgerutscht. Deshalb kommt Thomas Kreuzer, auf Krücken gestützt, nach Mertingen. Bei dem Ausrutscher hat er sich den Oberschenkelhals gebrochen. Auf dem politischen Parkett bringt den CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag allerdings so schnell niemand in Schieflage. Der Mertinger CSU-Ortsverband hatte für den Wahlkampfauftritt Kreuzers eigens einen Barhocker besorgt.

Ortsvorsitzender Albert Reiner und Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler begrüßten den prominenten Politiker. Fackler bezeichnete seinen „Chef“ als den „nach dem Ministerpräsidenten zweitwichtigsten Mann in Bayern“. Es gibt Applaus im Saal der Alten Brauerei. Dort ist die Bewunderung groß, wie tapfer Kreuzer nach seiner Operation vor wenigen Tagen den Besuch meistert.

Er selbst bekennt, auf Skifahren und Bergsteigen in diesem Jahr verzichtet zu haben, um kein Verletzungsrisiko einzugehen. Aber dann sei es ausgerechnet beim Aufstehen von der Couch passiert. Vom Barhocker (weil er so lange noch nicht stehen kann) wechselt er später auf einen Stuhl. Dort gruppieren sich alle Landtags- und Bezirkstagskandidaten, Vizelandrat Reinhold Bittner sowie MdB Ulrich Lange um Kreuzer, als ihn Bürgermeister Albert Lohner um einen Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde bittet. Nächste Woche soll sich an gleicher Stelle Sahra Wagenknecht (Linkspartei) präsentieren – so mancher träumt von einem direkten Aufeinandertreffen der beiden.

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Einmal in den Redefluss gekommen, ist bei Kreuzer nichts von Beschwerden zu spüren. Er preist Bayern als das führende Bundesland in nahezu allen Feldern an: bei der Familienförderung, bei der Sorge um die Senioren, bei der Wirtschaftskraft, bei der Bildung und bei der Digitalisierung. Kreuzer wirbt dafür, die eingeschlagenen Wege in der nächsten Legislaturperiode weitergehen zu können. Obwohl überall viel bewegt und viel erreicht worden sei, wolle die CSU weiter die Rahmenbedingungen schaffen, um den Menschen ihr hohes Wohlstandsniveau zu sichern.

„Auch mir gefällt nicht alles, was in Berlin derzeit geschieht“, bekennt Kreuzer, der sich als einer jener Politiker zeigt, der seine Lobpreisungen auf den Freistaat mit Zahlen unterfüttert, mit Vergleichen beispielsweise zum einst so florierenden Nachbarland Baden-Württemberg oder zu Nordrhein-Westfalen. Es gehe bei der Wahl am 14. Oktober aber nicht um Berlin oder Merkel, sondern um die Zukunft Bayerns. Immer wieder ist zu erkennen: Kreuzer ist keiner, der (jedenfalls öffentlich) als Zampano auftritt, sondern er ist ein Parteistratege.

Am Ende des Abends, den der Musikverein Mertingen umrahmt und der mit der Bayern- und der Nationalhymne einen Höhepunkt hat, lobt Kreuzer den Landkreis wegen seiner niedrigen Arbeitslosenzahl und wegen seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Die Flüchtlingsthematik spielt an diesem Abend nur eine Nebenrolle: „Wer nicht anerkannt ist, muss unser Land wieder verlassen.“ Ansonsten verliere man an Glaubwürdigkeit. Gerade die Haltung der Grünen in dieser Frage könne er nicht verstehen.

Kein gutes Haar lässt er an der AfD – und auch SPD und Grüne sieht er kritisch. Mit keinem Wort erwähnt Kreuzer aber die Freien Wähler, die doch sehr damit rechnen, nach der Wahl ein möglicher Koalitionspartner der CSU sein zu können.

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