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Mertingen

23.10.2017

Wahre Augen- und Ohrenweide in Mertingen

Wunderbares Spiel: Das Notos-Quartett ließ sein Publikum in Konpositionen von Schubert, Brahms und anderen schwelgen.
Bild: Lorenz Fitzel

Das hoch dotierte Notos-Quartett – erst jüngst mit dem „Echo Klassik“ prämiert – brachte Romantik pur ins Donauwörther Zeughaus – und Begeisterung

Selbstverständlich ist es nicht, dass ein junges Musikerensemble mit dem hochkarätigen Medien-Preis Echo-Klassik, der zu den wichtigsten und renommiertesten Auszeichnungen der Musikwelt zählt, geehrt wird. Doch wer im Donauwörther Zeughaus den Musikern des Notos-Quartetts – dem Geiger Sindri Lederer, der Violaspielerin Andrea Burger, dem Cellisten Philip Graham und der Pianistin Antonia Köster – lauschte, ist sich in einem sicher: Dieses seit 2007 bestehende Ensemble ist würdiger Gewinner dieses besonderen Preises.

Nicht nur, dass das Ensemble eine Augenweide ist – die vielfachen Preise, die es bereits eingeheimst hat, die Auftritte bei großen Festivals und in renommierten Konzertsälen der Welt sprechen für sich; sein Spiel ist von wunderbarer Farbigkeit und Intensität. Und wer unter der ansehnlichen Zuhörerschar gar noch das Glück eines „déjà écouté“ hatte: das Ensemble hat in diesem Sommer, damals als reines Streichquartett, bereits seine Aufwartung auf Schloss Leitheim gemacht, durfte sich ob des wunderbar musizierten Konzertes im Rahmen der Donauwörther Herbstkulturtage von Neuem aufs herzlichste freuen.

Das Programm war durch und durch romantisch geprägt. Vom bezaubernden Adagio e Rondo concertante D 487 von Franz Schubert, 19-jährig 1816 für Klavierquartett komponiert, eine Ausnahme in Schuberts Kompositionen, erst im Nachlass aufgefunden. Ein zauberhaft sängerisches, romantisches kammermusikalisches Klavierkonzert, dessen fast pathetische, langsame Einleitung eine träumerisch romantische Stimmung zeichnet, während das Rondo im Stile eines Mozartschen Klavierkonzertes veritables Virtuosentum erfordert. Das Ensemble fesselte vom ersten Bogenstrich, der ersten Klaviernote an, seine Zuhörer durch sein sensibles, jede Nuance auslotendes Spiel und unterhielt es auf das Beste.

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Hochromantik folgte – stürmisch im Ausdruck, in teilweise expressiven und rasanten Tempi: Johannes Brahms Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 in der Bearbeitung von Andreas Tarkmann, im Auftrag des Notos-Quartetts geschrieben. Über das Ursprungswerk äußerte niemand geringerer als Antonín Dvorák „Es ist lauter Liebe. Das Herz geht einem dabei auf“.

Brahms hat die Sinfonie 1883 in Wiesbaden fertiggestellt, er war verliebt in eine sehr viel jüngere Frau. Darin liegt möglicherweise der Grund für das Changieren zwischen den Tonarten, zwischen Dur und Moll, das Sich-nicht-Festlegen-Wollen zwischen Glück und Traurigkeit, das die ganze Sinfonie durchzieht, und den großen Melodienreichtum. Das Ensemble vermochte in seinem immer wieder orchestral klingenden Spiel die ganze Bandbreite der Emotionen grandios zu übermitteln.

Noch einmal Brahms – sein Klavierquartett Nr. 1 op 25 in g-Moll mit den Sätzen Allegro, Intermezzo. Allegro (ma non troppo), andante con moto und Rondo alla Zingarese. Presto, ist eines seiner beliebtesten und bekanntesten Werke, zurückzuführen sowohl auf den außerordentlichen Reichtum an musikalischen Motiven wie auch das finale Rondo alla Zingarese. Im Hauptthema des ersten Satzes (von dem Arnold Schönberg bedauert, dass es nicht von ihm sei) klingen „Zigeunermelodien“ an – das Klavier gibt das erste Thema vor, das zweite Thema führt das wunderbar klingende Cello ein, das dritte die Viola. Dem Intermezzo in c-moll folgt das liedhafte Andante in Es-dur, aus dessen Sanftheit heraus das Klavier, von den Streichern umspielt, fast verstörend einen stampfenden Marschrhythmus intoniert. Der letzte Satz, der stilisierte ungarische Tanz, durch starke rhythmische Kontraste gekennzeichnet und klar gegliedert, schließt im zweiten Teil in sukzessiver Steigerung von Presto in molto Presto und fortissimo, den rasend schnellen Schluss eines Csárdás nachahmend – dramatisch und musikantisch zugleich.

Das kraftvoll, intelligent und gleichzeitig höchst sensibel aufeinander hörend spielende Ensemble überzeugte mit diesem Quartett und seinem einzigartigen Spiel vollends – das begeisterte und beifallsfreudige Publikum bekam dann auch seine Belohnung – Fritz Kreislers Alt Wiener Charakterstück „Liebesleid“.

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