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Landkreis

04.06.2018

Wann dürfen Schüler das Handy nutzen?

Bayerns Kultusminister hat eine Lockerung der Regeln zur Handynutzung an Schulen in Aussicht gestellt. Das Echo darauf ist geteilt.

Bildung Bayerns Kultusminister will Bildungseinrichtungen in Zukunft mitentscheiden lassen. Manchmal ist der Griff zum Smartphone bereits erwünscht.

Wer als Schüler auf dem Pausenhof schnell mal das Smartphone aus der Hosentasche zieht, um die neuesten Facebook-Meldungen oder Twitter-Nachrichten abzurufen, kann sich schnell Ärger einhandeln. Denn der private Gebrauch wird an den Schulen im Landkreis nur in Ausnahmefällen zugelassen. Immer häufiger greifen die Schüler allerdings auf Anweisung des Lehrers im Unterricht zum Smartphone.

Von einer Lockerung des Handynutzungsgesetzes, wie es kürzlich im Bayerischen Landtag diskutiert wurde, halten die Rektoren an einigen weiterführenden Schulen in der Region aber wenig. Zuallererst gelte das „Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen“, teilt Renate Heinrich, Leiterin des Schulamtes, mit. Danach sind alle digitalen Speichermedien im Schulgebäude und auf dem ganzen Gelände auszuschalten. „Das bezieht sich aber ausschließlich auf eine Nutzung zu privaten Zwecken“, betont Heinrich. Will heißen, dass es, auch im Sinne der in den Lehrplänen verankerten Medienbildung, durchaus im Unterricht eingesetzt werden darf.

So sagt Karl Auinger, Schulleiter am Gymnasium Donauwörth, dass Schüler beispielsweise im Sozialkundeunterricht zum Handy greifen dürfen. „Wenn sie die Zusammensetzung des Bundestags recherchieren sollen, müssen sie so nicht extra in den Computerraum gehen.“ Ansonsten sei der Umgang an der Schule aber klar geregelt: „Eine Arbeitsgruppe hat beschlossen, dass die Geräte während der Schulzeit ausgeschaltet sein sollen, das wird zu Schuljahresbeginn klar kommuniziert“, sagt Auinger. Wird ein Schüler erwischt, wird das Handy konfisziert und kann nach dem Unterricht im Sekretariat abgeholt werden. „Wenn aber jemand kurz zu Hause anrufen will, weil die letzte Unterrichtsstunde kurzfristig ausfällt, erlauben wir das“, erklärt Auinger.

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Bei persönlichen Anliegen zugelassen

Ähnlich wird es auch an anderen Schulen gehandhabt. Gerhard Härpfer, Leiter der Realschule in Rain, sagt, dass das Handy bei persönlichen Anliegen auch mal auf der Schulbank liegen darf, beispielsweise wenn ein Angehöriger im Krankenhaus liegt. „Das akzeptieren die Mitschüler auch ohne Murren“, sagt er. Warum jetzt über die Nutzung diskutiert wird, kann der Rektor nicht nachvollziehen: „Wir haben doch bereits Möglichkeiten, es zu Recherchezwecken zu nutzen. Wir setzen bei uns auch Tablets ein. Da jetzt was zu verändern braucht es nicht.“

Peter Müller, Leiter der Mädchenrealschule St. Ursula in Donauwörth, ist zufrieden mit der aktuellen Situation. Eine weitere Lockerung, beispielsweise für die Mittagszeit oder in Freistunden, hält er nicht für förderlich. „Ich würde es da lieber weglassen. Das ist für mich auch eine Frage des Anstands“, sagt Müller. Sollte dennoch eine Änderung kommen, wäre der Direktor offen für eine Diskussion und eine Konsensentscheidung: „Die muss dann aber verbindlich gelten“, betont er.

Auch Heinz Sommerer, Rektor der Realschule Wemding, steht einer Änderung des Gesetzes eher skeptisch gegenüber. „Aber ich bin für Vorschläge aus den schulischen Gremien offen“, sagt er. Doch auch dort werde das Mobiltelefon bereits zu Unterrichtszwecken eingesetzt, bestätigt Sommerer. „Anlassbezogen machen unsere Lehrkräfte Ausnahmen“, erklärt der Schulleiter. Beispielsweise wurden im Musikunterricht damit verschiedene Lieder aufgenommen und anschließend bearbeitet.

An der Hans-Leipelt-Fachoberschule ist die Situation entspannt. Das Handy wird regelmäßig im Rahmen des konzeptorientierten Lehrplans in den verschiedenen Fächern eingesetzt, sei es in Englisch, um das richtige Wort zu finden, oder in Mathematik, wie der kommisarische Schulleiter Helmut Straßer berichtet. „Wir haben in der Bibliothek nur acht Computer. Auf dem Handy bekommen die Schüler die gleichen Informationen, nur halt auf einem kleineren Bildschirm“, meint der Schulleiter. Ansonsten habe das Gerät aber ausgeschaltet zu sein, an diese Regelung halten sich die Schüler auch, sagt er. „Klar probieren es immer wieder Schüler, aber im Großen und Ganzen sind wir zufrieden.“

Auch sein Kollege von der Ludwig-Bölkow-Berufsschule, Winfried Schiffelholz, sieht in digitalen Medien eine Bereicherung für den Unterricht. Und gerade an der Technikerschule sei es unabdingbar, dass die Schüler mit ihren Telefonen arbeiten. Das geschieht dann aber über eine kabellose Internetverbindung der Schule, denn: „Wir haben die glückliche Situation, dass wir seit der energetischen Sanierung eine Art Metallhaut um das Gebäude haben. Damit haben die Schüler nur wenig Empfang auf ihren Handys“, sagt Schiffelholz und schmunzelt. Dass sie das Handy nicht privat nutzen dürfen, unterschreiben die Schüler mit der Hausordnung. Wenn doch mal einer erwischt wird, wird das Handy abgenommen. „Um 16 Uhr kann er es dann wieder abholen“, berichtet der Rektor. Der Unterricht hingegen endet bereits eine Viertelstunde früher.

Sogar bis zum Mittag des Folgetages wird ein Gerät an der Heilig-Kreuz-Realschule eingezogen, es sei denn, die Eltern holen das Handy ab. Rechtlich sei das noch in Ordnung, teilt Schulleiter Joachim Düsing mit. Doch auch bei ihm an der Schule kommt es im Unterricht zum Einsatz. „Mit unserer Band haben wir uns schon mal Lieder angehört, da holen die Schüler das Handy dann auch raus“, erklärt er.

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