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23.12.2014

Warum Kräuterfirma das Geld ausging

Die Firma ESG Kräuter ist in finanziellen Schwierigkeiten.
Bild: Manuel Wenzel

Insolvenzverwalter äußert sich zur Lage des Unternehmens.

Böse Überraschung für die Mitarbeiter der Firma ESG Kräuter in Hamlar am letzten Tag vor dem Weihnachtsurlaub. Das Unternehmen steckt in akuten finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb sah sich Eigentümer Erhard Schiele am Freitag gezwungen, beim Amtsgericht Nördlingen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Das Gericht bestellte den Augsburger Rechtsanwalt Christian Plail zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Der Antrag von Schiele ging laut Plail am Freitagnachmittag in Nördlingen ein. Schon zwei Stunden später sei er vor Ort gewesen: „Wir haben die Mitarbeiter schnell informiert.“ Zusammen mit Schiele teilte Plail den Bereichsleitern die nächsten Schritte in dem Verfahren mit. Der Insolvenzverwalter verschaffte sich zudem einen ersten Überblick über die Lage.

Die stellt sich Plail zufolge so dar: Weil mehrere Kunden, an die getrocknete Kräuter geliefert wurden, nicht bezahlten, ging der Firma das Geld aus. Die säumigen Abnehmer kämen aus dem In- und Ausland, berichtet Plail.

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Der zeigt sich nach derzeitigem Stand „sehr zuversichtlich, dass wir das Unternehmen stabilisieren können“. Der Lohn für die aktuell 40 Beschäftigten sei durch das Insolvenzausfallgeld die kommenden drei Monate sichergestellt. Die Zahlungen erfolgen über die Agentur für Arbeit.

2013 noch zu „alter Stärke“ zurückgefunden

Plail rechnet damit, dass nach dem Urlaub der Geschäftsbetrieb in der zweiten Januarwoche „praktisch unverändert fortgesetzt werden kann“. Erhard Schiele sei weiter als Geschäftsführer tätig, müsse sich aber mit dem Insolvenzverwalter abstimmen. „Es gibt Kunden, die darauf warten, Ware zu bekommen“, schildert Christian Plail. Die in der Erzeugergemeinschaft Donautalkräuter organisierten Landwirte wollten Gewissheit, ob sie wieder aussäen können. All das solle so rasch wie möglich geklärt werden. Die Biogasanlage, die ebenfalls zum Unternehmen gehört, laufe derweil weiter.

Der Verwalter stellt klar, dass der Insolvenzantrag „nicht das Aus sein muss“. Vielmehr könne das Verfahren auch eine Chance bieten.

In den vergangenen Jahren musste die ESG Kräuter GmbH bereits einige schwierige Situationen überstehen. 2009 zerstörte eine Explosion die Biogasanlage. 2012 richtete ein Brand in der Trocknungsanlage einen Millionenschaden an. Dann musste die Firma 16 Mitarbeitern kündigen. Im vorigen Jahr verärgerte der Gestank aus der Biogasanlage viele Bürger in der Umgebung. Durch eine Reihe von baulichen Maßnahmen soll dieses Problem nun gelöst sein.

Geschäftlich schien es seit dem vorigen Jahr wieder bergauf zu gehen. Das Unternehmen, das auch große Lebensmittelkonzerne beliefert, verringerte die Kapazität und setzte auf mehr Flexibilität Man habe „zu alter Stärke zurückgefunden“, sagte Geschäftsführer Erhard Schiele damals. Der Absatz in den USA und in Russland sei stark gewachsen. Die Firma begann damit, Kräuter nicht nur zu trocknen, sondern auch tiefzukühlen.

2013 stieg der Umsatz auf rund zehn Millionen Euro. Neben den 40 Stammkräften sind bei ESG Kräuter auch bis zu 60 Saisonarbeiter tätig. Sobald die weitere Produktion sichergestellt sei, so der Verwalter, werde man in einem nächsten Schritt nach einem Investor suchen, um das Unternehmen fortführen zu können. Plail merkt dazu an: „Die ESG Kräuter GmbH hat eine starke Marktposition, verfügt über moderne Produktionsanlagen und ein hervorragendes Know-how.“

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