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Landkreis Donau-Ries

18.01.2021

Warum manche Ärzte im Landkreis Donau-Ries von "Impfbetrug" sprechen

Begehrter Stoff: Einige niedergelassene Ärzte im Landkreis kritisieren die Verteilung des raren Impfstoffes im Landkreis.
Foto: Ralf Lienert

Plus Niedergelassene Ärzte kritisieren, dass auch nicht medizinisches Personal in den Kliniken schon geimpft wird. Sie sprechen sogar von „Impfbetrug“.

1670 Personen sind im Landkreis bisher gegen eine folgenschwere Infektion mit dem Coronavirus geimpft. Der Impfstoff ist ein hohes Gut, denn derzeit ist es noch sehr knapp. Umso genauer wird hingesehen, wer das begehrte Serum überhaupt bekommt. Deshalb gibt es jetzt Ärger um die Verteilung des Impfstoffes im Landkreis.

Dr. Mathias Hübner, Frauenarzt aus Nördlingen, ist ziemlich erbost. Denn eher durch Zufall hat er erfahren, wie in den Krankenhäusern des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU) im Landkreis die Impfung der Mitarbeiter organisiert wird. Dort werde nicht nur das Pflegepersonal oder andere medizinische Fachkräfte, sondern auch der Verwaltungsmitarbeiter an der Pforte, die Putzfrau und das Personal in der Krankenhaus-Großküche geimpft.

„Klarer Verstoß gegen die Impfstrategie“

„Das ist meiner Meinung nach ein klarer Verstoß gegen die derzeitige Impfstrategie“, sagt Hübner. „Es sollte jede verfügbare Dosis an Menschen über 80 Jahre oder an medizinisches Fachpersonal gehen. Ich habe kein Verständnis dafür, dass innerhalb der Krankenhäuser die Priorisierung unterwandert wird“, sagt der Frauenarzt, der täglich auch in seiner Praxis Patientinnen behandelt, dich sich eine schnelle Impfung wünschen. „Das ist in meinen Augen ein klarer Impfbetrug“, sagt Dr. Hübner und verlangt Aufklärung über die Verteilung des Impfstoffs.

Ähnlich aufgebracht reagiert Hausarzt Sebastian Völkl, Vertreter der niedergelassenen Mediziner im Landkreis gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung und Koordinator der Impfteams für die Seniorenheime. „Wir Hausärzte stehen in vorderster Front, versorgen Verdachtsfälle und gehen unter Vollschutz in die Heime zum Impfen. Dennoch gehören wir nicht zur ersten Gruppe, die geimpft wird“, stellt er in den Raum. Er fragt sich schon, ob hier die richtige Reihenfolge eingehalten wurde.

Landratsamt Donau-Ries kontert die Vorwürfe

Wie Landrat Stefan Rößle auf Nachfrage klarstellt, halte sich die Kreisverwaltungsbehörde klar an die Vorgaben des Freistaates. Derzeit erhalten nur die Personengruppen und Einrichtungen die Möglichkeit einer Impfung, die auf der ausgegebenen Liste stehen (siehe Infokasten). „Ich habe schon Verständnis für die Hausärzte, die viel leisten und sich oftmals der Infektionsgefahr aussetzen“, sagt der Landkreischef. Doch das gelte auch für andere. Bei ihm würden sich auch andere Personen melden und eine zügige Impfung verlangen. Beispielsweise Taxifahrer, die regelmäßig Krankentransporte unternehmen. „Aber es gibt aktuell einfach noch nicht so viel Impfstoff. Ich muss weiter um Geduld bitten“, sagt Rößle.

Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzender des gKU, hat „null Verständnis“ für die Kritik der Hausärzte. Es stimme, dass mittlerweile 40 Prozent der Mitarbeiter in den Krankenhäusern geimpft seien. „Alle Mitarbeiter des Krankenhauses sind gelistet als Bürger der Priorität 1“, betont Busse.

gKU-Chef: „Sonst wären die Impfdosen verfallen“

Deshalb habe er die Möglichkeit für alle eingeräumt, sich impfen zu lassen. Wer wollte, konnte sich in eine Liste eintragen und wurde am 4. Januar geimpft. Damals konnten viele versorgt werden, denn an diesem Tag wäre der am 31. Dezember gelieferte Impfstoff sonst verfallen. Busse bestätigt, dass unter den Geimpften auch die Putzfrauen, Personal aus der Kantine und auch die Mitarbeiter am Empfang sind. „Alle sind in unmittelbarem Kontakt mit Patienten und vielen anderen Menschen. Und sie sind elementar für den Betrieb der Krankenhäuser“, erklärt Busse. Die Putzfrau beispielsweise gehe täglich von Zimmer zu Zimmer. Die Großküche des Krankenhauses koche nicht nur für Patienten und Personal, sondern auch für alle vier Seniorenheime des gKU.

„Ich bin froh um jeden Einzelnen, der sich impfen lässt“, sagt Busse. In Nördlingen und Donauwörth werden derzeit über 30 Corona-Infizierte versorgt, die Infektionsgefahr sei deutlich höher als anderswo. „Wenn das Krankenhaus nicht mehr funktioniert, sind die Konsequenzen enorm. Ich weiß nicht, ob sich jemand, der hier Kritik übt, darüber im Klaren ist“, schießt Busse zurück.

Nach seinen Angaben steht für 200 Krankenhausmitarbeiter die erste Impfung noch aus. Bei den Pflegekräften in den Heimen sei die Bereitschaft, sich überhaupt impfen zu lassen, etwa bei 30 Prozent. „Wo das Virus bereits war, ist aber der Wille zur Impfung bei den Mitarbeitern deutlich höher“, sagt Busse. Er stehe zu seiner Strategie, alle Mitarbeiter, so schnell es geht, impfen zu lassen.

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