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Landkreis Donau-Ries

07.07.2020

Was bremst die Hesselbergbahn?

Auf diesen Gleisen sollen nicht nur Güter, sondern auch Fahrgäste befördert werden – die Gleise der Hesselbergbahn.
Bild: Mörzl

Plus Die Politik befürchtet Millionenausgaben für den Personenverkehr Richtung Franken. Bayern-Bahn-Chef Andreas Braun ist anderer Meinung. Es könnte viel schneller gehen.

Wie realistisch ist es, dass die ehemalige Zugverbindung zwischen Nördlingen und Wassertrüdingen 2030 kurzfristig wieder für den Personenverkehr genutzt werden kann? Nachdem eine erste wichtige Hürde genommen wurde - laut einer neuen Studie hat die Strecke das entsprechende Potenzial - steht jetzt die Frage im Raum, mit welchem Aufwand die Gleise für den Personenverkehr nutzbar gemacht werden können.

Kreisräte befürchten hohe Summen

In den politischen Gremien des Landkreises befürchten die Räte, dass hohe Summen in die Infrastruktur fließen müssen. Beträge bis 15 Millionen Euro wurden genannt. Doch geht es nach Andreas Braun, könnten auf der Strecke zwischen Nördlingen und Wassertrüdingen schon relativ schnell Personenzüge fahren. Der Geschäftsführer der Bayern-Bahn, einem privaten Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Nördlingen, kennt die Strecke sehr gut. Denn sein Unternehmen ist Eigentümer der Infrastruktur und betreibt dort jetzt schon den Güterverkehr. Auch die Fahrpläne der historischen Dampfzüge des Bayerischen Eisenbahnmuseums in Nördlingen gehen über seinen Schreibtisch. Braun sagt: „Wenn man aus der Reaktivierung kein Leuchtturmprojekt macht, dann kann das eigentlich relativ schnell funktionieren.“

Denn die Gleise sind laut Braun in ordentlichem Zustand. Die Bayern-Bahn habe regelmäßig investiert, um die Strecke für den Güter- und Personenverkehr nutzbar zu halten. Pro Tag fahren hier ein bis zwei Zugpaare. Auch bei den Brücken sieht er wenig Probleme. „Der Startaufwand für die Strecke ist im niedrigen einstelligen Millionenbereich“, schätzt Braun. 80 Kilometer pro Stunde schnell zu fahren sei kein Problem und werde täglich praktiziert. Die Strecke zwischen Nördlingen und Gunzenhausen ist 39 Kilometer lang und dauerte mit dem Eilzug im Jahr 1982 knapp 33 Minuten. „Eine Zeit, die mit dem Auto heute kaum zu schaffen ist“, betont Braun den Vorteil der Zugstrecke. Auch ökologisch könne man punkten. Eine alte Diesellok brauche pro Kilometer etwa drei bis vier Liter Kraftstoff, neue Maschinen kommen mit 1,5 bis 2 Litern aus. Moderne Dieseltriebwagen benötigen unter 1 Liter pro Kilometer. Hybridlösungen oder Elektrozüge mit Batterien sind bereits auf dem Markt, aber noch nicht in großen Stückzahlen verfügbar.

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Die Bayern-Bahn als Betreiber und Eigentümer der Strecke müsste Braun zufolge allerdings an den insgesamt fünf Haltepunkten Nördlingen-Nord (genaue Lage noch offen), Dürrenzimmern, Oettingen, Hainsfarth (neu) und Auhausen Geld in die Hand nehmen. „Alle Zugänge zum Gleis sind bereits jetzt barrierefrei, aber es fehlt noch an modernisierten Oberflächen mit Blindenleitstreifen, Beleuchtung und Sitzgelegenheiten“, sagt Braun.

Wassertrüdingen als positives Beispiel

Alle Bahnhofsgebäude befinden sich mittlerweile in privatem Besitz, werden aber für den Nahverkehr der Zukunft auch nicht benötigt. „Die Bahnsteige sind kein Privateigentum, allerdings verlaufen die Grenzen manchmal etwas ungünstig, wie beispielsweise in Oettingen.“ Positives Beispiel ist für Braun der Bahnhof von Wassertrüdingen. Die Stadt hat das Bahnhofsgebäude zurückgekauft und hergerichtet, um Gäste der Landesgartenschau einen optisch schönen Empfang zu bereiten. Für rund 100.000 Euro habe die Bayern-Bahn die Bahnsteige auf modernen Stand gebracht: Beleuchtung, Bänke und vieles mehr. „Es muss nicht immer gleich der ganz große Wurf sein. In kleinen Schritten kommt man oft schneller ans Ziel“, berichtet Braun.

Möttingen könnte zum Bremsklotz für die Hesselbergbahn werden

Bremsklotz für die Hesselbergbahn könnte allerdings ein Bahnhof sein, der nicht einmal auf der Strecke liegt: Möttingen. Hier ist die DB Netz zuständig. Auf der Strecke von Donauwörth nach Nördlingen kreuzen sich hier die Züge planmäßig und im Bahnhof gibt es eine Schranke, die den Zugverkehr zusätzlich verlangsamt. Um optimale Anschlüsse und Umsteigezeiten zu erreichen, muss aber die Fahrzeit zwischen Donauwörth und Nördlingen kürzer werden. Diese Verkürzung hatte auch die neue Potenzialanalyse als gegeben betrachtet - sonst geht die ganze Rechnung nicht auf.

Dafür aber müsste das Problem mit der Schranke und der Kreuzung der Züge behoben werden. Ein bekanntes Problem, für das schon viele sehr teure Lösungen diskutiert und wieder verworfen wurden. Ideal wäre laut Braun, wenn ein Teilstück der Gleisstrecke zwischen Nördlingen und Möttingen zweigleisig ausgebaut würde, dann könnten die Züge aneinander vorbeifahren, müssten nicht im Bahnhof Möttingen aufeinander warten und es gäbe genug Zeitpuffer für die Fahrgäste für einen erfolgreichen Umstieg. „Damit wäre der ganze Fahrplan sehr stabil“, so der Experte.

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