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Donau-Ries

06.09.2020

Was die Popularität des Kennzeichens "NÖ" mit der Unterhose zu tun hat

Kfz-Kennzeichen mit den Anfangsbuchstaben "NÖ" werden im Donau-Ries-Kreis immer beliebter – nicht nur in Nördlingen oder im Ries, sondern auch an Donau und Lech. Die Beweggründe sind vielfältig.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Was als Zeichen der Stärkung der Identität der Nördlinger begann, ist inzwischen im ganzen Donau-Ries-Kreis verbreitet: Das Autokennzeichen "NÖ". Die Beweggründe sind teilweise kurios.

Als vor sieben Jahren im Donau-Ries-Kreis auf Initiative von Nördlingern wieder das Kfz-Kennzeichen mit der Ortskennung NÖ eingeführt wurde, ahnte wohl niemand, mit welcher Geschwindigkeit sich diese beiden Buchstaben auch außerhalb der Riesmetropole verbreiten. Zeit für eine Bilanz und die Frage, warum dies so ist. Dabei gibt es den ein oder anderen überraschenden und kuriosen Aspekt.

Stand Ende August 2020 haben von den gut 150.000 im Landkreis zugelassenen motorisierten Fahrzeugen fast 22.400 ein NÖ-Kennzeichen. Die Mehrzahl davon ist natürlich im Ries zugelassen. Was die Väter der Wiederkehr des Nördlinger „Nummernschilds“ wohl nicht ahnten: Auch außerhalb der Stadt und des Rieses sagen immer mehr Kfz-Besitzer „Ja zu NÖ“.

825 Autofahrer in Wemding tragen "NÖ" am Wagen

Vor dreieinhalb Jahren noch waren es lediglich 15500 Fahrzeuge mit NÖ-Zulassung. Monatlich werden es mehr. An der Spitze steht die Stadt Nördlingen mit gut 9000 Fahrzeugen im Besitz von patriotisch Gesinnten, die sich offenbar dem ursprünglichen Gedanken verpflichtet fühlen, die Identität der Kommune, die bis in die 1970er Jahre noch Hauptstadt eines eigenen Kreises (Nördlingen) mit eigenem Kennzeichen (NÖ) war, mit einem eigenen Autokennzeichen wieder zu stärken.

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Aber auch den Bewohnern des Marktes Wallerstein (1200 NÖ-Zulassungen) und der Stadt Oettingen (922) gefällt diese Buchstabenkombination, die seit 2013 bei der Zulassungsstelle wieder zu haben ist. Nach der Gemeinde Möttingen auf Platz vier (863) folgt auf Rang fünf mit der Stadt Wemding (825) bereits eine Kommune, die zwar am Riesrand liegt, aber traditionell viele Verbindungen nach Donauwörth hat und einst auch zum Kreis Donauwörth gehörte.

Auch in Donauwörth und in Rain wird "NÖ" ans Auto geschraubt

Wer denkt, dass NÖ außerhalb der historischen „Nördlinger“ Grenzen – also an der Donau oder am Lech – kaum jemanden interessiert, der wird angesichts folgender Zahlen staunen: An sage und schreibe 569 Fahrzeugen, deren Halter ihren Wohnsitz im Donauwörther Stadtgebiet haben, sind NÖ-Kennzeichen montiert. Selbst in den Regionen östlich des Lechs sieht man diese häufiger. In der Stadt Rain fahren 178 Autos oder sonstige Vehikel mit „NÖ“ an Front und Heck. Selbst in Münster, das bis zur Gebietsreform in den 1970ern ebenso wie Rain zum Landkreis Neuburg (mit ND-Kennzeichen) gehörte, sind es 28 Fahrzeuge mit NÖ-Schildern. Zum besseren Verständnis: Münster am Lech liegt immerhin 53 Kilometer von Nördlingen entfernt.

Kultstatus oder Liebe zum Ries? Im gesamten Landkreis wird das aktivierte Kennzeichen "NÖ" gerne genommen.
Bild: Archiv/Milde

Womit wir bei der Frage wären: Warum wählen so viele Menschen außerhalb des Rieses das NÖ-Kennzeichen? Zum einen mögen es ganz profane Beweggründe sein: Der Besitzer eines Wagens mit NÖ-Kennzeichens aus dem Ries zieht in einen anderen Teil des Landkreises. Der Wohnort ändert sich, die Schilder am Auto bleiben. Oder es ist die Sehnsucht nach der alten Heimat. Jemand zieht der Liebe oder des Berufs wegen nach Donauwörth, Monheim oder Mertingen, wählt für sein neues Auto „NÖ“ und hat damit ein Stück „Heimat“ in der Garage stehen.

Autoschild mit "NÖ" bietet Platz für Wortspiele

Es ist aber auch das Verlangen vieler Deutscher und damit auch Nordschwaben nach einem sogenannten Wunschkennzeichen. Soll heißen: Auf den Schildern muss eine bestimmte Buchstabenkombination sein – oder eine bestimmte Zahl. Oder beides. Fans des Fußballvereins TSV 1860 München gehören dazu. Soll heißen: Die Zahl 1860 muss auf den Nummernschildern sein.

Manchen Kfz-Besitzer reizt die Buchstaben- beziehungsweise Wortspielerei, die mit NÖ möglich ist – vergleichbar mit DON in Verbindung mit AU, also DON-AU. In diese Kategorie fallen NÖ-RD, NÖ-DU und NÖ-EJ.

So war die Verteilung der "NÖ"-Kennzeichen im Jahr 2018 registriert.
Bild: Quelle: Landratsamt Donau-Ries

An einen weiteren Grund, sich für NÖ zu entscheiden, dachte im Jahr 2013 wohl keiner der politisch Maßgeblichen. DON, besser „Don“, heißt auf türkisch „Unterhose“. Es gilt als offenes Geheimnis, dass viele Mitbürger mit türkischen Wurzeln im ganzen Donau-Ries-Kreis dankbar für die NÖ-Variante sind – und sich nicht von der Verwandtschaft am Bosporus vorhalten lassen müssen, ob sie neuerdings mit Schlüpfern handeln.

Trend zu "NÖ" statt "DON" hält an

Es bleibt abzuwarten, wann im Landkreis eine NÖ-„Sättigung“ eintritt. Momentan hält der Trend zu „NÖ statt DON“ offenbar unvermindert an.

Übrigens dürften auch andere Kfz-Kennzeichen aus ganz Deutschland in Nordschwaben immer präsenter werden. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2015. Demnach dürfen Bürger, die innerhalb der Bundesrepublik umziehen, die Kennzeichen an ihrem Fahrzeug behalten. Nur der Wohnsitz muss umgeschrieben werden. Freie Bahn also auch für HH (Hansestadt Hamburg), GR (Görlitz), CAS (Castrop-Rauxel) & Co.

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