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Otting 

23.11.2018

Weihnachtsverkauf mit Kultstatus ist bald Geschichte

Sie sind der harte Kern der Bastelgruppe Otting, der seit 25 Jahren den Weihnachtsverkauf im Ort organisierte und vor allem bestückte. Für Andrea Nowotny, Agnes Ratschke und Walli Walter und die anderen Damen ist es morgen der letzte Markt. 
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Sie sind der harte Kern der Bastelgruppe Otting, der seit 25 Jahren den Weihnachtsverkauf im Ort organisierte und vor allem bestückte. Für Andrea Nowotny, Agnes Ratschke und Walli Walter und die anderen Damen ist es morgen der letzte Markt. 
Bild: Foto: Barbara Wild

25 Jahren galt der Ottinger Weihnachtsverkauf als Geheimtipp.  Doch jetzt machen die Damen der Bastelgruppe Schluss

Bei Agnes Ratschke sieht es gar nicht nach Advent aus. Kein Kranz an der Tür, keine Kerze auf dem Tisch. Man könnte meinen, dass jemand, der seit September in seiner Freizeit schimmernde Kugeln, zarte Sterne, Engelshaar und Kerzen zu den schönsten Advents-Kreationen mit Moos, Holz und Tannenzapfen zusammenfügt, der habe sein eigenes Wohnzimmer bestimmt perfekt dekoriert. „Für mich bleibt meist gar nichts mehr übrig“, sagt Agnes Ratschke und lacht.

Die 62-Jährige ist seit Beginn an bei der Bastelgruppe Otting. Seit 25 Jahren organisiert die weihnachtliche Verkaufsausstellung im Ort – ein äußert beliebter Markt im örtlichen Bauhof. Doch dieses Jahr machen die Damen Schluss. Es ist das letzte Mal, dass sie Adventskränze, Türkränze und Kerzendeko für den guten Zweck verkaufen.

Schon seit Monaten drehen sich die Gedanken von Agnes Ratschke um die Frage, welche Dekorationen sie für den Weihnachtsmarkt basteln könnte. Wie ihre Mitstreiterinnen Andrea Nowotny und Walli Walter und die vielen anderen Damen der Bastelgruppe, schaut sie sich in Ausstellungen, Gartencentern, Blumenläden und in Bastelgeschäften um. „Da findet man schon viel Inspiration“, sagt die 62-Jährige. Die vielen grünen Zweige vor der Haustür sind nach außen hin die einzigen Anzeichen, dass sie in ihrem Keller Stunde und Stunde, um zu basteln. Ihre Heißklebepistole ist ihr wichtigstes Utensil.

Alles begann 1993 mit einer kleinen Ausstellung. „Die Leute im Ort wussten, dass wir uns jeden Montag im Sportheim zum Basteln trafen. Und sie wollten sehen, was wir da eigentlich so machen“, erzählt Andrea Nowotny. Also zeigte man seine Kunstwerke: Seidenmalerei, bemalte Tontöpfe, Collagen, Gehäkeltes, Gesticktes, mit Acryl gemalte Bilder, Tür- und Fensterschmuck. Die Besucher kamen, doch sie waren enttäuscht: „Die Leute wollten uns die Sachen abkaufen, aber wir waren darauf ja gar nicht vorbereitet“, erzählt Walli Walter. Die Idee für eine Verkaufsausstellung war fortan geboren.

Die Gruppe ging erst selbst auf Märkte, verkaufte bei der Hobbyausstellung in Wemding, fuhr nach Harburg. Aber dann wollte man doch im Ort bleiben. Weil der Verkaufstag dann schon immer der letzte Sonntag vor dem ersten Advent war, wurde es irgendwie immer weihnachtlicher. „Wir haben dann gemerkt, dass das die Ware ist, die die Leute einfach am besten abnahmen“, sagt Agnes Ratschke.

Ein Bild der Bastelgruppe bei einer der ersten Verkaufsausstellungen.

Und innerhalb kurzer Zeit war der Verkaufstag in die Terminkalendern der Region rot markiert. Denn dann ist wieder der Tag, an dem die Bastelfrauen um 13 Uhr die Tür zum Bauhof aufsperren und die Damen hereinlassen, die sich bereits seit einer halben Stunde angestellt haben. Die wollen das schönste Stück ergattern, für das sie in einem klassischen Blumengeschäft vermutlich mindestens das Doppelte zahlen müssten.

Und die Auswahl ist enorm. Adventskränze, Türkränze, Baumrinden, die mit Kerzen bestückt werden, Kerzenhalter, bemalte Kugeln, Sterne, Tannenzapfen. Im Grunde gibt es alles, was man braucht, umsein Eigenheim in weihnachtsstimmung zu versetzten: an Haustür, Flur und Wohnzimmer. Der harte Kern der Gruppe – etwa sieben Damen – basteln mittlerweile nicht mehr Montagabend, sondern jeder in seinem Wohnzimmer oder Keller. Jeder fertigt, was ihm gefällt. „Das macht ja die Vielfalt und die verschiedenen Stilrichtungen aus“, sagt Walli Walter.

Bei ihren Kreationen beachten die Bastelfrauen aber auch die aktuellen Trends. „Dieses Jahr ist silber stark angesagt“, sagt Nowotny. Und natürliche Materialen seien wieder sehr beleibt. „Die Leute wollen gar nicht mehr so viel künstlichen Glitzer. Moos, Zweige und Tannenzapfen kommen viel besser an.“

Deshalb ist der ein oder andere Sammelausflug in den Wald für die Bastlerinnen absolut Pflicht. Auch die Familienmitglieder werden dafür eingespannt. Und wenn im Herbst irgendwo eine Tanne gefällt wird, dann sind die Basteldamen gerne Abnehmer der Zweige, Baumrinden oder Zapfen. „Da sind alle sehr heiß drauf“, verrät Agnes Ratschke.

Montags treffen sich die Damen dann mehr zum Ratschen im Sportheim. Und sie tauschen sich aus – wer hat noch kleine Kugeln, wer hat noch grüne Kerzen? „Oder wir schreiben in die Whatts-App-Gruppe, wenn es ganz dringend ist“, erzählt Ratschke. So wie neulich, als sie unbedingt Goldspray brauchte. Walli Walter hatte noch eines übrig.

Materialien die sie nicht aus der näheren Umgebung oder beim täglichen Einkauf bekommen, werden in Aalen bei einem großen Verkauf für Bastelbedarf erworben. „Da machen wir alle zusammen einen Ausflug hin“, sagt Walli Walter. Sie ist mit 72 Jahren die älteste in der Gruppe. Das jüngste Mitglied ist um die 50.

Aber jetzt, wo alles seit Jahren so perfekt durchorganisiert und geplant ist – jetzt hören die Bastelfrauen auf. „Es ist uns einfach zu viel geworden“, sagt Agnes Ratschke. Die Freude am Basteln ist schon noch da, aber gerade die Wochen vor der Ausstellung seien doch immer so voll. „Da hat man für nichts anderes mehr Zeit“, sagt Andrea Nowotny. Sie sorgt neben den Bastelartikeln auch noch für den Plätzchenverkauf. Eine ganze Woche nimmt sie extra Urlaub und backt verschiedene Sorten, die sie in kleinen 250 Gramm-Tüten verkauft. „Ich möchte vor allem selbst mehr Zeit haben, auf Weihnachtsmärkte und Ausstellungen zu gehen“, sagt sie. Denn gerade am Wochenende vor dem ersten Advent sei so viel geboten.

Und auch der Nachwuchs fehle in der Gruppe, junge Damen, die etwas beisteuern und damit die anderen entlasten. Nur die Schwiegertochter von Agnes Ratschke bastelt mit. „Die jungen Leute haben aber andere Interessen als basteln“, sagt die 62-Jährige. In Otting gäbe es jetzt wieder eine Krabbelgruppe. „Das ist halt eine Generationenfrage“, sagt auch Walli Walter.

Auch wenn es jetzt keinen Verkauf mehr gibt. Stolz sind die Damen, dass sie im Laufe der Jahre über 20000 Euro für soziale Zwecke eingesammelt und gespendet haben. Und, dass ihre Kreationen immer so gut ankamen. „Eigentlich war nach drei Stunden immer alles weg“, sagt Nowotny.

Weitergebastelt wird aber noch: Osterschmuck, Palmbuschen und die Kränze für den Maibaum. Und wenn der Sportverein wieder etwas braucht, sagen die Damen der Bastelgruppe Otting nicht Nein. „Es war eine gute Zeit“, sagt Ratschke. „Aber irgendwann ist eben auch mal Schluss.“

Info: Der Verkauf findet am Sonntag ab 13 Uhr im Sportheim Otting statt.

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