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Wild

14.01.2020

Welcher Räuber macht in Wolferstadt Jagd auf Rehe?

Die Landschaft nördlich des Wolferstädter Ortsteils Zwerchstraß – hier an der Straße in Richtung Möhren – ist idyllisch. In diesem Bereich wurden im vorigen Jahr innerhalb von neun Monaten acht Rehe entdeckt, die gerissen und teilweise aufgefressen worden waren.

Plus In einem Revier bei Zwerchstraß werden fast schon regelmäßig Tiere gerissen. Wer ist dafür verantwortlich: wildernde Hunde, ein Luchs oder gar ein Wolf?

Zuletzt machte ein Spaziergänger in der Flur nördlich von Zwerchstraß kurz vor Weihnachten einen grausigen Fund. In der Landschaft lag ein Reh, besser gesagt nur noch ein Teil des Tiers. Dies war vom Kopf her bis zur Hälfte abgefressen. Der Mann, der dort regelmäßig mit seinem Hund unterwegs ist, entdeckte 2019 schon zum zweiten Mal einen solchen Kadaver – und informierte sogleich erneut den zuständigen Jagdpächter Thomas Dürr. Für ihn ist eine solche Nachricht schon beinahe Routine. Seit April vorigen Jahres stießen er oder Passanten schon achtmal auf Rehe, die offenbar von einem oder mehreren anderen Tieren gerissen und dann teilweise aufgefressen wurden. Dies ist in der Region äußerst ungewöhnlich, sind hier doch keine natürlichen Feinde der Rehe bekannt.

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"Fraßbild" ist immer das gleiche

Die Serie gibt Dürr, der seit 19 Jahren auf die Jagd geht, Rätsel auf. „Das Fraßbild ist immer das gleiche“, hat er festgestellt. Der Kopf fehle stets und sei auch im Umkreis von mehreren Hundert Metern nicht zu finden. Gerissen worden seien Rehe in jeder Größe – vom Kitz bis zur ausgewachsenen Geiß. Die Kadaver lagen Dürr zufolge in allen Fällen auf freiem Feld nördlich von Zwerchstraß.

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Welcher Räuber macht in Wolferstadt Jagd auf Rehe?

Die Gegend dort ist ziemlich abgelegen. Direkt an Dürrs Revier grenzt der Uhlberg mit seinem ausgedehnten Waldgebiet an. Ebenfalls auffällig: In umliegenden Revieren sind keine vergleichbaren Fälle bekannt, erklärt Hegeringleiter Ralf Richter. Dessen Zuständigkeitsbereich umfasst das Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Wemding, also die Stadt Wemding und die Gemeinden Fünfstetten, Huisheim, Otting und Wolferstadt. Aber auch im weiteren Umkreis habe er in den vergangenen Monaten nichts gehört. Die spannende Frage lautet nun: Welches Tier hat die Rehe gerissen? Eine Möglichkeit sind wildernde Hunde. Solche Fälle gibt es Experten zufolge immer wieder. Es müsse ein recht stattliches Raubtier sein, so Dürr, „mindestens von der Größe eines Schäferhunds“. Auch ein Wolf wäre in der Lage, ein Reh zu töten. Allerdings ist in dem Gebiet keine standorttreue Population bekannt. Solche gibt es in Bayern bislang nur im Bayerischen Wald, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, im Veldensteiner Forst und in der Rhön. Einzelne Wölfe können nach Auskunft des Landesamts für Umwelt (LfU) im ganzen Freistaat vorkommen, seien dann aber in aller Regel auf Wanderschaft – und können in einer Nacht locker 50 bis 70 Kilometer zurücklegen.

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Lieblingsbeute der Großkatze

Ein Luchs ist ebenfalls in der Lage, ein Reh zu erlegen. Das Rotwild ist sogar die Lieblingsbeute der Großkatze. Allerdings sind nach Informationen der LfU Luchsbestände aktuell nur im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet nachgewiesen. Luchse sind grundsätzlich Einzelgänger und sehr scheu.

Klarheit könnte nach Ansicht von Hegeringleiter Richter nur eine genetische Analyse einer Speichel- oder Haarprobe geben, die an einem Kadaver genommen wird. Davor schreckt Thomas Dürr aber bisher zurück. Er müsste die Analyse selbst bezahlen. Dieser Betrag käme zu dem Schaden von 70 bis 80 Euro pro gerissenem Reh noch hinzu. Der Jäger geht davon aus, dass im Laufe des Jahres noch deutlich mehr Tiere gerissen wurden. Es sei anzunehmen, dass nur ein Teil entdeckt wurde. Dürr hofft darauf, früher oder später den oder die Hunde oder das Wildtier zu sichten, das dem Rotwild nachstellt.

Das LfU rät wie der Hegeringleiter zu einer DNA-Analyse: „Ansonsten ist es schwierig, dazu etwas zu sagen. Wir bräuchten mehr handfeste Informationen.“

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