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Monheim

26.04.2019

Wenn Kleidung in den Laden statt in den Müll wandert

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Keiner Ladenhüter, sondern brauchbare Textilien – die „Fundgrube“ in Monheim hat an jedem ersten Freitagnachmittag im Monat geöffnet. In der Einrichtung gibt es günstige Kleidung und Haushaltswaren.

Plus Eine Gruppe Frauen verkauft in Monheim in der „Fundgrube“ günstige Kleidung und Haushaltswaren. Was dahinter steckt und wie ihr zweites Projekt funktioniert.

Der Raum in dem recht unscheinbaren, orangefarbenen Gebäude in der Donauwörther Straße in Monheim überrascht drinnen mit einer großen Auswahl: Von Damen- und Herrenmode, über Kinderkleidung und Spielsachen, bis hin zu Schuhen und Haushaltswaren kann hier alles Mögliche gekauft werden. Aber es handelt sich hierbei nicht etwa um ein neues Kaufhaus. Die Rede ist von der Monheimer „Fundgrube“, die es zwar schon seit einigen Jahren gibt, bisher aber nur wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Carmen Meusel, Angelika Böswald, Sonja Nowey, Regina Schiffelholz, Lucia Mihatsch und Lydia Pfefferer haben dort mit viel Freude ein Projekt verwirklicht, von dem sowohl die Stadt, als auch die Umwelt profitieren soll.

Die „Fundgrube“ ist offen für jedermann

Was unter dem Titel „Kleiderkammer“ begann und ursprünglich als Unterstützung für Asylbewerber gedacht war, die hier günstig Kleidung und Haushaltswaren kaufen konnten, heißt inzwischen „Fundgrube“ und ist offen für jedermann.

Der alte Name trifft auch den Kern der Sache schon lange nicht mehr, denn hier hängen sicherlich keine Ladenhüter und abgetragene Stofffetzen in einem düsteren Kämmerchen. Stattdessen kann man in fünf lichtdurchfluteten Räumen in selbst gebauten Regalen und Kleiderständern Haushaltswaren und Kleidungsstücke finden, die teilweise so gut wie neu sind. Immer wieder hängen sogar noch die originalen Preisschilder dran.

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„Nur die schönen Teile haben hier Platz“, stellt Meusel klar, „den Rest sortieren wir aus, das kommt dann nach Treuchtlingen zu einem ähnlichen Projekt, oder wir schicken die Teile nach Albanien“. Die zahlreichen Kleiderspenden stammen aus Monheim und Umgebung, denn zu den Öffnungszeiten kann jeder Kleidungsstücke vorbeibringen. So bleiben die Sachen im Ort und „die Spender sind froh, dass sie die oft noch sehr gut erhaltenen Teile nicht in den Müll werfen müssen“, sagt Carmen Meusel.

Initiatorinnen spenden die Einnahmen komplett

Mit dem Kauf in der Fundgrube trägt man dazu bei, dass weniger Kleidung weggeworfen wird, und fördert das soziale Engagement der Monheimerinnen, welche die Einnahmen komplett spenden. Für so gut wie jedes Teil verlangen sie nur einen Euro, der eher symbolisch zu verstehen ist. Trotzdem kam bisher schon einiges zusammen, 600 Euro konnten der Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, überwiesen werden. Vorteilhaft wirkt sich dabei aus, dass die Räume der Fundgrube von der Stadt Monheim kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Offiziell gehört die Fundgrube zum Verein „SoMit“, der das soziale Miteinander fördert.

Trotzdem trauen sich wohl viele nicht, vorbeizuschauen. „Die Scham der Deutschen, etwas gebraucht zu kaufen, ist sehr groß“, erklärt Angelika Böswald. Doch auch wenn kein allzu großer Andrang herrscht, sind die Kunden zufrieden. So wollte eine Monheimerin eigentlich nur ein paar Kleidungsstücke spenden, entdeckt dann aber beim Stöbern hübsche T-Shirts für ihre Söhne.

Durch die Werbung in der Monheimer „Stadtzeitung“, Aushänge an öffentlichen Einrichtungen und auch einen Aufruf bei Ebay-Kleinanzeigen finden immer öfter neue Kunden ihren Weg in die „Fundgrube“. Viele kommen gerne wieder, einige haben sich zu richtigen „Stammkunden“ entwickelt, wie eine andere junge Mutter aus Monheim, die viel für sich und ihre Kinder kauft. „Ich bin richtig froh, dass es solche Projekte gibt“, sagt sie.

Projekt „Zamsei“ als Bürgertreff

Das Engagement der Frauen um Carmen Meusel und Angelika Böswald beschränkt sich jedoch nicht mehr nur auf die „Fundgrube“, inzwischen verwirklichen sie noch ein zweites Projekt. Jeden zweiten Samstag im Monat ermöglichen sie unter dem Titel „Zamsei“ – kurz für „zusammen sein“, wie Böswald erklärt – Leuten aus Monheim und Umgebung, sich zu einem gemütlichen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen zu treffen. Für diesen Bürgertreff backt das Team der „Fundgrube“ auf eigene Kosten Kuchen und freut sich über jeden, der im Haus der Kultur in Monheim vorbeischaut. Dort wird dann geredet, gesungen und gelacht.

„Zamsei kommt sehr gut an. Trotzdem herrscht oft noch immer der Irrglauben, man müsse einem Verein angehören, um zu uns kommen zu können. Dabei ist bei uns wirklich jeder willkommen“, stellt Böswald klar. Es seien auch schon zufällig amerikanische Touristen bei ihnen gewesen, erinnert sie sich. Der jüngste Gast sei erst neun Monate alt gewesen, die Älteste sei über 90 Jahre alt. Er komme noch immer gerne.

Für Carmen Meusel ist „Zamsei“ ein wahrgewordener Traum, denn sie wollte schon lange, dass „jeder, der Samstagnachmittag allein ist, weiß, dass es etwas gibt, wo man hin kann.“

Durch freiwillige Spenden für die Kuchen finanzieren die Initiatorinnen die Getränke und Ausflüge, die sie ebenfalls organisieren. Am 13. April findet wieder das „Zamsei“ statt. Die „Fundgrube“ öffnet wieder am 3. Mai.

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