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Donauwörth

01.08.2020

Wenn Schüler zu Autoren von bewegenden Texten werden

„Perspektivwechsel“ hieß das Motto der Lesung des kreativen Autorenteams „KreaTouren“ der Realschule Heilig Kreuz. Studienrätin Nadine Quis (hinten) und (von oben links nach unten rechts) Johannes Späth, Stephan Koock, Lucia Seefried, Lennart Meyer und Marcel Lauer präsentierten Texte aus eigener Feder.

Inspiriert von Tieren, Lehrern und 5000 Jahren Geschichte haben sich Heilig-Kreuz-Schüler Kurzgeschichten einfallen lassen. Projekt nennt sich „KreaTouren“.

Stell dir vor, du bereitest deine Mittlere Reife vor, und dann kommt ein Lockdown. Man könnte den Kopf in den Sand stecken, doch die Zehntklässler Stephan Koock, Johannes Späth und Lennart Meyer aus der Realschule Heilig Kreuz haben lieber Kurzgeschichten verfasst. Auch Marcel Lauer, der 2019 seine Mittlere Reife bestand und jetzt das Gymnasium Donauwörth besucht, machte als Gastleser mit. Als Jüngste im Team steuerte Lucia Seefried, die gerade die sechste Klasse hinter sich brachte, Ideen und Texte bei. Nun luden die fünf und ihre Lehrerin Nadine Quis zur gemeinsamen Lesung in die Schulaula ein.

„KreaTouren“ nennt sich das kreative Autorenteam der Realschule Heilig Kreuz, das sich seit 2018 in den Schulwochen einmal pro Woche trifft. Nun zeigte sich: Die Zwangspause schadete der Freude am Formulieren nicht. Und das Publikum war dankbar für diese Möglichkeit, ein Dutzend ganz unterschiedlicher, bewegender Texte live präsentiert zu bekommen.

Voller Zeitreisen und Anliehen aus der Mythologie

„Diese Lesung hat eine Vorgeschichte … 3000, 4000, 5000 Jahre“, versprach Nadine Quis bei der Begrüßung. Tatsächlich steckten die Texte voller Zeitreisen und Anleihen aus der Mythologie. Motto der Lesung war „Perspektivwechsel“, was den Autoren Freiheit schenkte: In die Rolle eines kleinen Buben oder alten Mannes schlüpfen, mal einen Krieg überleben, mal eine Abenteuerreise wagen …

Wenn Schüler zu Autoren von bewegenden Texten werden

Lucia Seefried erkor Katze und Hasen zu den Helden ihrer Geschichten und begeisterte mit den Bildern, die sie mit ihren Worten zeichnete. Im Autorenteam trägt die Jüngste im Autorenteam aus gutem Grunde den Künstlernamen „Adjective“.

Ein geheimnisvolles Wesen im Blutrausch

Ein passionierter Dichter, genannt „Lyric“, gehört ebenfalls zum Team, Stephan Koock. Der Zehntklässler zog sein Publikum unter anderem mit seiner Fantasy-Story um ein geheimnisvolles Wesen im Blutrausch in seinen Bann. Friedlicher mutete sein Gedicht „Neige“ an, das in jeder Strophe neue Fragen aufwarf – zur Befindlichkeit des lyrischen Ichs ebenso wie zur Vielschichtigkeit der deutschen Sprache.

Was mag Pädagogen umtreiben, wenn sie ihr Berufsleben hinter sich gelassen haben? Dieser Frage spürte Johannes Späth, Künstlername „Atmosphere“, in einem Text nach. Er bot sie unter dem Titel „Lehrlauf“, multimedial dar: Der selbstgezeichnete Comic auf großer Leinwand zeigte die Hauptfiguren, die eigentliche Geschichte gab es vom Autor und Nadine Quis im Dialog. Was anfangs zum Lachen reizte, stimmte am Ende nachdenklich.

Publikum wird mitgenommen in Kriegszeiten

Ebenfalls ergreifend waren die Geschichten, die den Abend ausklingen ließen – Lennart Meyer alias „Feeling“ und Marcel Lauer alias „Action“ nahmen das Publikum mit in Kriegszeiten. Sie schufen Gänsehaut-Atmosphäre und gaben Antworten darauf, wie unsere Vorfahren die bitteren Erfahrungen überstehen konnten: „Die Liebe hielt mich am Leben“, ließ Meyer seinen Helden abschließend resümieren.

Ein wenig Raum bekam die aktuelle Situation dann doch, in der Zeilengeschichte „After Corona“. Zeilengeschichten bewähren sich als Übung des kreativen Schreibens in Gruppen: Der erste Satz ist vorgegeben, Autor eins knüpft daran an, ab Autor zwei bekommt jeder nur die letzten Worte des Vorgängers zur Orientierung. Jeder spinnt also eine Geschichte weiter, von der er den Großteil nicht kennt. Je mehr Autoren, desto mehr überraschende Wendungen bekommt das Werk. Bei „After Corona“ sammelten die Jugendlichen Eindrücke ihrer Rückkehr ins Klassenzimmer: Erleichterung, Erstaunen, Dankbarkeit.

Das Projekt wird fortgesetzt

Dankbar war auch Rektor Joachim Düsing – „dafür, dass diese Lesung möglich war, und dafür, dass wir an unserer Realschule solch eine Gruppe haben.“ Er versicherte, dass es im neuen Schuljahr weitergehen soll mit den „KreaTouren“. Dazu ist auch Nadine Quis gerne bereit, die mit zwölf Jahren das kreative Schreiben für sich entdeckt und mit 14 den ersten Roman vollendet hat. Inzwischen ist sie nicht nur Studienrätin geworden, sondern zudem auch Drehbuch- und Musicalautorin. Sie hofft, dass die Freude am Dichten und Geschichtenerzählen allen im Autorenteam erhalten bleibt – und noch in vielen Situationen Lebensfreude und Kraft schenkt.

Schüler, die im kommenden Schuljahr Teil des KreaTouren-Teams werden wollen, können sich in den ersten beiden Schulwochen im September im Sekretariat der Schule melden oder im gleichen Zeitraum eine Mail schicken an: nadine.quis@heiligkreuz-donauwoerth.de.

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