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Donauwörth

17.05.2019

Wenn aus Außenseitern Aufsteiger werden

Gesichter, die für eine erfolgreiche Bildungsarbeit bei Kolping in Donauwörth stehen: Amajad Alkhabbaz aus Syrien, Bahram Kamran, Ausbilder Carina schwarz, Tobias Ulrich, Kirsten Neuhaus, Kolping-Leiter Peter Goldammer, Candy Mielke-Malchow, Ausbilder Josef Werner und Johannes Meule.
Bild: Barbara Wild

Seit 50 Jahren hilft die Kolping Akademie Jugendlichen und Erwachsenen beim Einstieg in die Arbeitswelt. Nicht nur bei der Integration von jungen Flüchtlingen ist der Bildungsträger sehr erfolgreich.

Es sind Lebensläufe, wie der von Candy Mielke-Malchow, den es ohne die Kolping Akademie wohl nie so geben würde. Als er 2001 seinem Ausbilder Ulrich Werner das erste Mal bei Kolping seinen künftigen Ausbildungsplatz begutachtete, sei der Jugendliche „äußerlich zum Fürchten“ gewesen. Schwarzer Mantel, Lippenstift, weiße Kontaktlinsen, Tätowierungen und dazu knapp zwei Meter groß – so beschreibt ihn sein damaliger Ausbilder Josef Werner. „Hätten wir uns von der Optik und seinem Auftreten leiten lassen, wären seine verborgenen Talente nie so zum Vorschein gekommen“, sagt der Ausbilder. An diesem Freitag, an dem der Donauwörther Standort der Kolping Akademie den 50. Geburtstag der schwäbischen Einrichtung feiert, steht Candy Mielke-Malchow im schwarzen Anzug samt Krawatte, schickem Haarschnitt und gepflegtem Äußerem neben seinem ehemaligen Chef. Und über seinen Start bei Kolping sagt er: „Ich bin froh, dass ich damals eine Chance bekommen habe. Das war damals eine schwierige Zeit für mich.“ Heute ist er Führungskraft bei Airbus Helicopters in der militärischen Wartung und Chef von fünf Mitarbeitern.

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Erfolgsgeschichten geschrieben

Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, auf die die Kolping Akademie zurückblicken kann. Menschen, die nicht ins Korsett der starren Bildungsstrukturen passen und drohen durchs Raster zu fallen oder einfach jemanden brauchen, der sie noch mal an die Hand nimmt – um diese Menschen kümmert sich die Kolping Akademie. Im Jahr 2019 umfasst die Aufgabe des Bildungsträgers viel mehr als den wohl bekanntesten Kolpingkurs: die Berufsvorbereitung. Hier wird Schülern, die den direkten Weg in die Ausbildung nicht schaffen, in den Job geholfen. Kolping bietet begleitete Berufsausbildung direkt in den Kolping-Werkstätten oder mit einem Partnerbetrieb, arbeitet mit Langzeitarbeitlosen an einem Wiedereinstieg in die Arbeitswelt und ist vor allem beim Thema Asyl und Integration ein wichtiger Partner der Schulen und Arbeitsagenturen.

Neue Herausforderungen in der Arbeitswelt

Dank Kolping hat es beispielsweise auch Bahram Kamran aus Afghanistan geschafft, einen Ausbildungsplatz als Bauzeichner zu finden. Wie der junge Mann in gut verständlichem Deutsch offen erzählt, konnte er in seiner Heimat sein Abitur nicht fertigmachen, weil die Familie 2015 nach Europa geflohen war. Bei Kolping in Donauwörth lernte er schließlich Deutsch, machte an der Berufsschule seinen Quali und konnte mit verschiedenen Praktika in die Arbeitswelt schnuppern. „Bahram war motiviert und wissbegierig. Ihm fehlte nur die Sprache und die Kenntnis, wie Ausbildung und Arbeit in Deutschland funktioniert. Das hat er bei uns gelernt. Der Rest hat von alleine funktioniert“, sagt seine Ausbilderin Karin Neuhaus.

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Für Gebhard Kaiser, Vorsitzender der Kolping Akademie und extra für den Festakt mit geladenen Gästen nach Donauwörth ins neue Kolping-Zentrum ins Ried gekommen, zeigen diese Erfolgsgeschichten, warum die Vision des Schusters und Geistlichen Adolph Kolping bis heute wirken. Benachteiligten Jugendlichen und arbeitslosen Erwachsenen zu helfen, Anschluss an die Gesellschaft zu finden, sei damals wie heute relevant und notwendig. Es gehe nur darum, die Motivation zu wecken und Perspektiven aufzuzeigen.

Das werde auch in Zukunft so sein, denn Integration und die Veränderungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung werde die Gesellschaft mehr denn je prägen. „Bildung, lebenslanges Lernen und Weiterbildung ist die Grundlage zum Erfolg“, sagte Kaiser. Kolping wolle sich da weiter einbringen.

Zuvor hatte der seit Februar 2019 aktive Geschäftsführer der Kolpingakademie Donauwörth, Peter Goldammer, anstehende Projekte vorgestellt. 120 Mitarbeiter sind in Donauwörth bei Kolping tätig und bilden am Hauptstandort Donauwörth aus. Zum Standort gehört aber auch ein Tagungshaus in Reimlingen.

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