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Wemding

28.01.2019

Wenn der Pfarrer eine närrische Predigt hält

Narrenmesse in der Wemdinger Stadtpfarrkirche: Nach den Aktiven der Wemdosia zog auch Stadtpfarrer Wolfgang Gebert mit den Ministranten ein.
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Narrenmesse in der Wemdinger Stadtpfarrkirche: Nach den Aktiven der Wemdosia zog auch Stadtpfarrer Wolfgang Gebert mit den Ministranten ein.
Bild: Thomas Unflath

Wolfgang Gebert feiert mit der Wemdosia in Wemding einen Narrengottesdienst - und verpackt christliche Botschaften in Reime.

Nach der viel gelobten Premiere im Vorjahr hat Wemdings Stadtpfarrer Wolfgang Gebert am Sonntag zum zweiten Mal zu einem Gottesdienst mit Faschingspredigt eingeladen. Zelebriert wurde die Narrenmesse gemeinsam mit den Mitgliedern der Faschingsgesellschaft Wemdosia. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Buchdorfer Zweigesang.

Bereits der Einzug der weit über 100 Wemdosia-Aktiven – angeführt vom Fanfarenzug Harthausen – war ein prächtiges Bild. Dazu kamen die Fahnenträger weiterer Wemdinger Ortsvereine. Die Mitglieder der Häs-Gruppe „Huaderle“ legten ihre Masken und Hüte vor dem Altar ab. In vorderster Reihe nahmen die diesjährigen Hoheiten der Wemdosia Platz: das Kinderprinzenpaar Prinzessin Milena (Haller) vom Goldenen Berg und Prinz Tim (Lohmüller) vom Königlichen Fürstentum sowie die große Prinzessin Sarah (Bauer) die Strahlende von den unvergesslichen Ballnächten mit ihrem Prinzen Daniel (Beißer) der Charmante aus dem Frankenland.

Das Vaterunser wird gemeinsam gesungen

Stadtpfarrer Gebert gratulierte der Wemdosia zum 60-jährigen Bestehen, das 2019 gefeiert wird. Die Faschingsgesellschaft sei ein wichtiger Baustein des kulturellen Lebens in Wemding. Bei den musikalischen Einlagen des Buchdorfer Zweigesangs durften sich die Gottesdienstbesucher auch aktiv beteiligen, etwa durch Mitklatschen. Das „Vaterunser“ wurde gemeinsam gesungen.

Zu seiner Faschingspredigt in Reimform begab sich Pfarrer Gebert auf die Kanzel. Dabei kritisierte er in launigen Worten zunächst den in der Gesellschaft herrschenden oberflächlichen Körperkult: „Der Körper, er gehört sehr gepflegt. Auch sich unter das Messer wird gelegt.“ Dies gelte zunehmend auch am siebten Tag der Woche: „Anstatt am Sonntag Gott zu loben, muss man sich beim Sport austoben.“ Dabei zweifelte der Geistliche den Sinn dahinter an: „Ist der Aufwand nicht völlig vergeblich, wenn ich weiß, mein Leib ist sterblich?“

Pfarrer spricht Ehrenamt und Glaube an

Die Probleme habe aber nicht nur die Kirche: „Wenn es geht um das Ehrenamt, ist so manch Verein schon erlahmt.“ Und weiter: „Und in Heimen und im Krankenhaus, sieht die Lage weitaus schlimmer aus.“ Zudem äußerte der Stadtpfarrer noch seine Besorgnis über die politische Stimmung in Deutschland und Europa. Er appellierte: „Ein Staat nur richtig funktioniert, wenn ein jeder sich auch engagiert.“ Die letzte Botschaft Geberts aus der Kanzel lautete: „Haltet fest an eurem Glauben und lasst ihn euch von keinem rauben.“ Für seine Faschingspredigt erntete er anhaltenden Applaus.

Zum Ende des Gottesdienstes sprach Wemdosia-Präsidentin Sandra Eireiner ein Grußwort. Dabei betonte sie, dass der Verein auch in Zukunft nur bestehen könne, wenn sich jedes Mitglied mit seinen Möglichkeiten einbringe: „Es geht nicht um die Interessen des Einzelnen, sondern um Zusammenhalt.“ Darauf gab es ein dreifaches „Helau Hela – Wemdosia“. Nach dem Segen von Stadtpfarrer Gebert zogen die Teilnehmer zur Stadthalle, wo ein Weißwurstfrühstück folgte und später das nordschwabische Gardetreffen stattfand. (Hier gehts zur Bildergalerie:

Wenn der Pfarrer eine närrische Predigt hält
104 Bilder
Nordschwäbisches Gardetreffen in Wemding
Bild: Szilvia Izsó

)

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