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Landkreis Donau-Ries

06.01.2021

Wenn die Gemeinde plötzlich Geld erbt

Gedenkstein für einen Gönner: Robert Grässel hat 2005 der Stadt Harburg und der evangelischen Kirchengemeinde Mauren insgesamt fast eine Million Euro vermacht. Daran erinnert dieses Ehrengrab auf dem Friedhof in Mauren.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Ab und zu kommt es auch in der Region vor, dass Menschen ihr Hab und Gut einer Kommune vermachen. Wo das im Kreis Donau-Ries schon geschehen ist.

Diese Schlagzeile lässt einen aufmerken. „Ein Dorf wird reich“, lautete die Überschrift zu einem Bericht über die Erbschaft der Gemeinde Waldsolms in Hessen. Ein reiches Ehepaar ließ der Kommune sein gesamtes Vermögen zukommen: mehr als 6,2 Millionen Euro. Dass eine Stadt oder Gemeinde auf diese Weise unverhofft an viel Geld gelangt, passiert nicht jeden Tag, ist aber auch nicht einmalig. Das zeigt ein Blick in die Region. Wiederholt vermachten in den vergangenen 20 Jahren Menschen ihr Hab und Gut der Öffentlichkeit. Davon profitierten unter anderem Donauwörth, Harburg, Tapfheim und Wemding. Die Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nicht immer war es gleich eine Millionensumme.

Eine Villa für Donauwörth

Im Jahr 2000 starb in München eine wohlhabende Frau. Sie fühlte sich zu Lebzeiten der Stadt Donauwörth und ihren Bewohnern offenbar sehr verbunden. Die 87-Jährige verfügte zum einen, dass ihr Name anonym bleiben sollte – und zum anderen, dass ihre Villa im Münchner Nobelstadtteil Bogenhausen der von der Stadt Donauwörth verwalteten Stiftung „Bürger in Not“ zugesprochen wird. Wert: rund 1,3 Millionen Euro. Da staunte auch der damalige Oberbürgermeister Alfred Böswald: „Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es so etwas gibt.“ Die Villa wurde verkauft und der Erlös vervielfachte das Stiftungsvermögen, das bis dahin „nur“ knapp 180.000 Euro umfasst hatte. Der Stadtrat erweiterte sogleich den Stiftungszweck, um nicht nur in Not geratene Bürgern, sondern auch Behindertenfürsorge, Jugendhilfe und Seniorenarbeit unterstützen zu können.

Immer wieder in den Genuss von großen Spenden und von Erbschaften kam in den vergangenen Jahrzehnten das Bürgerspital in Donauwörth. 2013/14 füllte ein Erbe, das aus einem Einfamilienhaus und aus Bargeld bestand, mit etwa 250.000 Euro das Konto des Pflegeheims. Die Finanzspritze war höchst willkommen, ließ sich damit doch das Defizit ausgleichen.

Mit Erbschaften gleich doppelt bedacht wurde seit der Jahrtausendwende die Stadt Harburg. 2005 starb Robert Grässel, dessen Mutter von der Oberen Reismühle bei Mauren stammte. Grässel hielt sich in seiner Jugend- und Studienzeit gerne in dem heutigen Stadtteil auf. Die Erinnerungen waren anscheinend so positiv, dass er in seinem Testament verfügte, dass die Stadt Harburg und die evangelische Kirchengemeinde Mauren jeweils die Hälfte seines Vermögens bekommen sollten. Dazu gehörte eine Wohnung am Stachus in München. Gesamtwert der Erbschaft: fast eine Million Euro.

Die Kommune ließ ihren Anteil in den städtischen Haushalt einfließen – zur Generalsanierung der Schule und der Kindertagesstätte. Der Betrag, den die Kirchengemeinde erhielt, wird ähnlich einer Stiftung verwaltet. 2009 erhielt der einstige Gymnasiallehrer Grässel auf dem Friedhof in Mauren ein Ehrengrab mit Gedenkstein, das auf seinen Wunsch hin vorrangig mit Rosen bepflanzt ist.

Das ganze Vermögen für Harburg

In Hoppingen legte eine Frau fest, dass ihr gesamtes Vermögen an die Stadt Harburg gehen soll. Die Bürgerin starb 2014. Eine Auflage im Testament: Der Tierschutzverein Nördlingen sollte aus dem Erbe 50.000 Euro erhalten. Die Kommune verkaufte das Anwesen, der restliche, sechsstellige Betrag floss im Sinne der Gestorbenen in den Etat der Kommune ein.

Ebenfalls über zwei stolze Beträge durfte sich die Gemeinde Tapfheim 2002 beziehungsweise 2006 freuen. In einem Fall überwies Georg Stadlmayr 140.000 Euro für eine Kinderstiftung. Diese trägt inzwischen seinen Namen und unterstützt jährlich fünf Familien, die drei oder mehr Kinder haben. Eine andere Stiftung in Kaisheim ist nach Karolina und Herbert Sprenger benannt. Das Ehepaar wollte Bürgermeister Karl Malz zufolge etwas Nachhaltiges für Kinder und Jugendliche schaffen. Es stiftete 100.000 Euro für eine Gemeindebücherei. Die Hälfte des Betrags sollte für die Einrichtung verwendet werden, die andere Hälfte für den Unterhalt. So geschah es. Die Investition habe sich absolut rentiert, so Malz. Die Bücherei werde sehr gut angenommen.

Eine schöne Überraschung erlebte die Stadt Wemding. Edith Galsche ließ nach ihrem Tod 2009 per Testament der Kommune und einer karitativen Organisation außerhalb von Wemding jeweils 300.000 Euro zukommen. Der Frau habe es in der Stadt gut gefallen, weiß Bürgermeister Martin Drexler.

Die Summe für die Kommune ging in einen Fonds. Aus diesem werden – dem Wunsch von Edith Galsche entsprechend – jedes Jahr Aktionen für die Altstadt (mit-)finanziert, so zum Beispiel die Digitalisierung des Leonhart-Fuchs-Kräuterbuchs, die Ertüchtigung der Türmerstube von St. Emmeram, Sitzbänke für den Marktplatz und eine Ladestation für Elektrofahrräder.

Bislang sind nach Auskunft von Drexler etwa 100.000 Euro des Erbes ausgegeben.

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