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Landkreis

14.04.2018

Wenn die Kröten durch den Tunnel wandern

Derzeit sind die Kröten unterwegs zu den Laichplätzen.
Bild: Patrick Pleul/dpa

Etliche Amphibien sind wieder auf dem Weg zu ihren Laichplätzen. Wie sie dabei beschützt werden

Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen. Auch nachts hat es mittlerweile einstellige Plusgrade. Jetzt erwachen auch die Kröten aus ihrer Winterstarre und gehen auf Wanderschaft. „Die besten Bedingungen sind nachts bei über fünf Grad. Auch ein milder Frühjahrsregen begünstigt die Aktivität der Tiere“, erklärt Gabriele Hoidn, Sprecherin des Landratsamtes. Die Kröten zieht es zu dem Gewässer, in dem sie selbst aufgewachsen sind und sich von einer Kaulquappe zu einer Kröte oder einem Frosch entwickelt haben. Dort wollen sie die Eier für die nächste Generation ablegen.

Doch bei der Wanderung, die in der Dunkelheit erfolgt, lauern auch Gefahren für die Tiere, wenn sie auf dem Weg zum Laichgewässer Straßen überqueren müssen. „Vor allem in der Nähe von Gewässern und an Waldrändern sind Kröten vermehrt unterwegs“, teilt Hoidn mit. Weil sich die Tiere nachts nur kaum vom grauen Asphalt unterscheiden lassen, müssen Autofahrer besonders auf der Hut sein. „Grundsätzlich sollten Autofahrer speziell an Straßen in der Nähe von Gewässern oder am Waldrand mit angepasster Geschwindigkeit fahren“, so Hoidn. In manchen Fällen weise auch ein Verkehrsschild auf die Amphibienwanderungen hin.

Alexander Helber, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz appelliert an Autofahrer, auf die Tiere zu achten. Zunächst scheine es so, als liege etwas auf der Straße, etwa ein Stein. „Im Scheinwerferlicht leuchten die Kröten aber heller“, sagt Helber. Für die Amphibien ist es nicht nur gefährlich, überfahren zu werden. Selbst wenn der Reifen sie verfehlt, können die Tiere umkommen. „Ab einer Geschwindigkeit von rund 70 Stundenkilometern kann der Sog dazu führen, dass die Lungen platzen. Die Amphibien sind da sehr empfindlich.“

Um die Kröten davor zu schützen, überhaupt auf die Fahrbahn zu wandern, werden sogenannte Krötenschutzzäune errichtet, beispielsweise in Kaisheim oder Amerdingen. „Die sind etwa kniehoch und halten die Kröten von der Überquerung der Straße ab“, erklärt Hoidn. Stattdessen fallen die Amphibien in Eimer, die im Boden eingelassen sind. „Die werden dann täglich kontrolliert und geleert. Das heißt, die Kröten werden im Eimer sicher über die Straße gebracht und dort wieder ausgesetzt“, beschreibt die Sprecherin den Vorgang. Das passiere in den Morgenstunden, berichtet Helber. Die ehrenamtlichen Helfer kontrollieren die Eimer, „teilweise ist auch nur eine Kröte drin“, sagt er. Der „erste Schwung“ sei bereits zu den Laichgebieten gewandert, auf einen zweiten hoffen Helber und seine Kollegen. An einigen Straßen im Landkreis komme es vermehrt zu Wanderungen, Helber kann gar nicht alle aufzählen. Exemplarisch nennt er die Verbindungsstraße zwischen Harburg und Brünsee. Hier werden die Amphibien aber nicht mit Eimern über die Straße gebracht, dort wandern die Tiere durch einen Tunnel unter der Straße auf die andere Seite. „Da müssen wir ehrenamtlichen Helfer kontrollieren, ob sich eine Kröte im Tunnel verfangen hat und die dann wieder befreien.“

Bei Tapfheim-Oppertshofen gibt es sogar eine noch drastischere Maßnahme, um den Kröten eine unfallfreie Wanderung zu ermöglichen. So ist dort laut Helber ab 19 Uhr bis in die Morgenstunden eine Straße gesperrt. „Hoffentlich halten sich die Autofahrer auch daran“, sagt der BN-Vorsitzende. Die größte Wanderung findet aber zwischen Rettingen und Pfaffenhofen (Landkreis Dillingen statt). Da kann es schon vorkommen, dass einige Tausend Kröten die Straße überqueren. „Aber da fahren ja nicht so viele Autos, zumindest noch nicht“, sagt Helber und spielt auf die Pläne an, diese Ortsverbindungsstraße auszubauen.

Der Regenschauer am gestrigen Nachmittag könnte dafür sorgen, dass noch mehr Kröten die Wanderung antreten. „Als es zum ersten Mal richtig geregnet hat, war es noch zu kalt. Jetzt passt die Temperatur, aber es braucht viel Regen, damit die Kröten, die sich weit unten eingegraben haben, ihn spüren können“, erklärt Helber. Bei warmen Regen könne es nun einen erneuten Schwung geben. „Dann geht es richtig los, da können Hunderte kommen“, so der Kreisvorsitzende.

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