Newsticker

Länder wollen an Weihnachten und Silvester Treffen von bis zu zehn Menschen erlauben
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Wenn ein Auto die Haustür blockiert

Wemding

31.12.2017

Wenn ein Auto die Haustür blockiert

Dieses Anwesen in der Spitalgasse würde die Stadt gerne abreißen, um mehr Parkplätze zu schaffen. Doch die Behörden haben etwas dagegen.
2 Bilder
Dieses Anwesen in der Spitalgasse würde die Stadt gerne abreißen, um mehr Parkplätze zu schaffen. Doch die Behörden haben etwas dagegen.
Bild: Widemann

Im Wemdinger Zentrum sind Falschparker ein Problem. Was ein Anwohner, Geschäftsleute und Stadtverwaltung dazu sagen.

Markus Fackler lebt schon immer in der Wemdinger Altstadt – und das eigentlich gerne. Doch seit etwa zwei Jahren ärgert er sich zunehmend über Falschparker. „Man hat ein gewisses Maß an Verständnis, aber wenn einem die Haustür oder die Hofeinfahrt zugestellt wird – das geht nicht“, sagt der 42-Jährige. Der wohnt in der Straße Am Büchel im Spitalviertel. Dort werde beispielsweise die Hauptzufahrt über die Straße Fischkasten trotz absoluten Halteverbots immer wieder von Lieferanten zugeparkt. Welche drastischen Folgen das haben kann, musste Fackler im Sommer am eigenen Leib erfahren. Nach einem häuslichen Unfall lag er schwer verletzt im Rettungswagen. Dessen Fahrer musste erst einmal mühsam rund 100 Meter rückwärts rangieren, um den Verletzten ins Krankenhaus bringen zu können.

In der Wemdinger Stadtverwaltung kennt man laut Geschäftsleiterin Rosalinde Meyer die Beschwerden der Anwohner. Man wisse aber auch um die Bedürfnisse der Geschäftsleute und der Menschen, die im historischen Zentrum mit einem Fahrzeug unterwegs sind: „Die Parküberwachung ist ein sensibles Thema.“ Dies werde vor allem in den engen Gassen deutlich: „Die Zahl der Autos nimmt zu, aber die Altstadt ist leider nicht dehnbar.“

Farbmarkierungen an einigen Stellen

An vielen Stellen seien dort Gehwege und Seitenstreifen nicht klar definierbar. In Kurvenbereichen habe man an einigen Stellen deshalb Farbmarkierungen angebracht. Gerne würde man dies auch woanders tun, doch mancher Anwohner lehne so eine Maßnahme ab. Die Beschwerden aus der Bevölkerung werden in der Verwaltung genau protokolliert. „Wir versuchen auch sofort zu reagieren“, versichert Rosalinde Meyer. Es würden Strafzettel verteilt und man versuche, in dringenden Fällen die Besitzer von Fahrzeugen, die im Weg stehen, ausfindig zu machen.

Der ruhende Verkehr werde regelmäßig überwacht, rund um die Uhr sei das aber nicht möglich – und vonseiten der Geschäftsleute auch nicht erwünscht, wie Klaus Fischer, Vorsitzender des Gewerbeverbands, betont: „Das sollte mit Maß und Ziel geschehen.“ Die Kunden wollten möglichst nahe am jeweiligen Geschäft parken. Rund um den Marktplatz ist dies mit Parkscheibe bis zu zwei Stunden möglich. Dauert der Einkauf, Arzt- oder Friseurbesuch etwas länger, sollte laut Fischer nicht gleich ein Knöllchen drohen, sonst könnte der Betroffene verärgert sein – und die Altstadt künftig meiden. Ein Problem seien bisweilen Dauerparker, welche die durchaus vorhandenen Kurzzeitparkplätze blockierten. In solchen Fällen empfiehlt der Gewerbeverband seinen Mitgliedsbetrieben, ein „freundliches Anschreiben“ unter den Scheibenwischer zu klemmen.

„Man muss die Sache von Viertel zu Viertel differenziert sehen“, merkt Bürgermeister Martin Drexler an. Der sieht die Situation gerade im Spitalviertel als „ganz schwierig“. Neben den Anwohnern seien dort auch die Beschäftigten und die Besucher des Kreis-Seniorenheims auf Parkplatzsuche. 70 Personen arbeiten in dem Heim mit seinen 84 Bewohnern. Auf dem Grundstück stehen gerade mal zwölf Stellplätze zur Verfügung. Ganz eng wird es, wenn in der Spitalkirche samstagnachmittags Gottesdienst gefeiert wird. Dann kommen dem Rathauschef zufolge Gläubige mit dem Auto und parken die Gassen rund um das Gotteshaus zu.

Die Stadt hat eine Idee

Die Kommune hat Drexler zufolge eine Idee, wie die Parkplatznot im Umfeld gelindert werden könnte: den Abriss des Anwesens Spitalgasse 3. Bereits sein Amtsvorgänger Jürgen von Streit habe sich kurz nach der Jahrtausendwende darum bemüht, doch damals wie heute stellen sich übergeordnete Behörden quer. Grund: Der Dachstuhl in dem mittlerweile schon lange Zeit unbewohnten Haus steht unter Denkmalschutz. Dabei ließe sich mit dem Abriss auch die Feuerwehrzufahrt zum Seniorenheim deutlich verbessern, so Drexler.

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren mit einigen Maßnahmen versucht, den Parkdruck in der Altstadt zu verringern. Dazu gehören der neu angelegte Parkplatz im Fuchsgraben und ein Garagenhof für Anwohner in der besonders engen Borkengasse. Ein Parkleitsystem mit großen Schildern rund um die Altstadt soll die Verkehrsteilnehmer auf Flächen außerhalb des Zentrums locken. Der Erfolg ist mäßig: Eine Untersuchung ergab, dass der große Parkplatz am Johannisweiher im Durchschnitt gerade mal zu acht Prozent ausgelastet ist.

Momentan hat sich nach Kenntnissen von Drexler die Lage in Teilbereichen etwas entspannt, da auf einer Freifläche an der Wallfahrtsstraße nach dem Abriss eines Anwesens Fahrzeuge abgestellt werden können. Dieser Zustand ist nach Angaben von Drexler aber nur vorübergehend genehmigt. Sprich: Dort muss wieder ein Gebäude errichtet werden.

Weitere Parkplätze sollen auf dem ehemaligen Grundschulgelände am Ludwigsgraben/Gartenweg geschaffen werden. Mit einem damit verbundenen neuen Übergang in die Altstadt könnten Personal und Gäste praktisch direkt zum Seniorenheim gelangen. Abgesehen von allen baulichen Bemühungen ist es nach Ansicht von Altstadt-Bewohner Markus Fackler aber auch wichtig, auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen – „damit die Leute ein Bewusstsein dafür kriegen“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren