Newsticker
RKI warnt vor Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Wenn jede Sekunde zählt

Landkreis

26.06.2017

Wenn jede Sekunde zählt

Teresa Werner (links) und Constanze Heinrich verknüpfen eine lange Schlauchleitung. Das Koppeln klappt problemlos, obwohl das Ganze einiges wiegt.
3 Bilder
Teresa Werner (links) und Constanze Heinrich verknüpfen eine lange Schlauchleitung. Das Koppeln klappt problemlos, obwohl das Ganze einiges wiegt.
Bild: Foto: Fabian Kluge

54 Nachwuchs-Gruppen nehmen beim Kreis-Jugendfeuerwehrtag am Leistungswettbewerb teil. Dabei geht es um weit mehr als nur Spaß. Einblicke in einen nervenaufreibenden Wettkampf

Er liegt im kurz gemähten Rasen auf dem Sportplatz in Wörnitzstein. Die Sonne scheint auf sein blondes Haar. Er unterhält sich mit seinen Mannschaftskameraden und lacht. Zwölf Minuten später liegt seine Stirn in Falten. Er schweigt. Die Lässigkeit ist verflogen. Er – das ist Maximilian Lösch. Der 17-Jährige ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Eggelstetten. Zusammen mit 215 anderen nimmt er am Schwäbischen Leistungswettbewerb teil. In Viererteams müssen sie einen Parcours mit acht Übungen und einen Theorietest bewältigen. „Ich bin schon nervös“, sagt Maximilian. Und das, obwohl er die Situation kennt. Schließlich hat er schon einmal am Wettbewerb teilgenommen.

Mittlerweile haben er und seine Kollegen ihre Formation am Start eingenommen. Sie sprinten los. Bereits an der ersten Station gibt es Probleme: Die Eggelstettener müssen einzelne Saugleitungsteile aneinander koppeln – es klemmt. Hektisch versuchen sie, den Drehmechanismus mit Zangen festzuschrauben. Die vier Nachwuchsfeuerwehrmänner verlieren wertvolle Sekunden. Bei der nächsten Übung dann der nächste Schock: Zwar schafft es Maximilian, einen Leinenbeutel aus sieben Metern Entfernung in einem Loch mit einem Meter Durchmesser zu versenken, doch sein Kamerad scheitert – zehn Strafpunkte.

Nach rund 90 Sekunden kommt Maximilian laut schnaufend ins Ziel. Er schmeißt seine Handschuhe auf den Boden, lässt seinen Helm fallen. Zufrieden ist er nicht. Es dauert einige Sekunden, bis sich die vier Jugendlichen abklatschen. „Wir haben den Beutel nicht getroffen. Auch die Koppelung war sehr schwierig.“ Bei den Übungen davor habe es deutlich besser geklappt. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt den Eggelstettenern nicht: Der Theorietest wartet bereits. „Das ist eigentlich alles Grundwissen“, sagt Maximilian.

Obwohl die vier Kameraden fertig sind, bleiben sie am Parcours. Denn nun ist ihre Konkurrenz um den Sieg an der Reihe: Münster 1. In den vergangenen Jahren war es oft ein knapper Zweikampf zwischen den zwei Gruppen. Die beiden vergangenen Kreisjugend-Wettbewerbe gingen an Münster. Wenn es nach Maximilian geht, soll diese Serie an diesem Tag enden. Er kneift die Augen zusammen, seine Kollegen falten die Hände. Als Münster an der Station mit den Leinensäcken ist, halten die vier Jungs die Luft an: Dong! Dong! Beide Leinensäcke prallen gegen oberhalb der Öffnung gegen die Wand. Das bedeutet 20 Strafpunkte. Die Eggelstettener schauen sich an, atmen erleichtert aus. „Dann könnte es ja doch noch was werden“, hofft einer der vier. Obwohl die 216 Teilnehmer in erster Linie Kollegen sind, sehen sie sich bei dem Wettbewerb, der Jugendliche spielerisch auf den Ernstfall vorbereiten und zeigen soll, dass jede Sekunde zählt, als Konkurrenten.

Auf dem Rasen, wo Maximilian zu Beginn der Veranstaltung lag, steht jetzt ein Mädchen – lange, glatte Haare, dunkle Jeans, hellblaue Bluse. Es verfolgt aufmerksam das Geschehen, beißt konzentriert auf ihre Unterlippe. Teresa Werner nimmt zum ersten Mal an dem Wettkampf teil. Die 13-Jährige ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Münster und tritt für die Gruppe Münster 2 an. „Am meisten Angst habe ich vor dem Werfen“, sagt sie. Kurz vor dem Start läuft sie auf und ab. Eine Betreuerin nimmt sie in den Arm, spricht ihr Mut zu. Mittlerweile trägt auch Teresa die blau-orangene Uniform mit dem orangenem Helm. „Mir ist schlecht“, murmelt sie. Dann geht es auch für sie auf den tückischen Parcours. Nur mit Mühe kann sie die schwere Saugleitung anheben. Doch anders als bei den erfahrenen Eggelstettenern klappt das Koppeln problemlos. Nach drei Probeschwüngen wirft Teresa auch den Leinensack gekonnt durch das Loch. Ohne größere Fehler kommt ihr Team ins Ziel. Beim Theorietest zittern Teresas Hände, wieder beißt sich die 13-Jährige auf die Lippen. Erst als sie den Test abgegeben hat, huscht ein zaghaftes Lächeln über ihr Gesicht, doch zufrieden ist auch sie nicht: „Wir haben einfach zu lange gebraucht.“ Einer ihrer Mannschaftskameraden, der ebenfalls zum ersten Mal dabei ist, sitzt im Gras, ist den Tränen nahe.

Bei der Siegerehrung kann auch er dann wieder lächeln. Teresa ist mit ihren drei Kameraden ein achtbares Debüt gelungen: Münster 2 hat am Ende den 5. Platz belegt. Für die erfahrenen Eggelstettener hat es für das Podest gereicht. Das Quartett hat den 3. Rang erreicht. Doch an Münster 1 war auch heuer kein Vorbeikommen. Sie gewannen. Was aber am Ende zählt: Wenn der Ernstfall eintritt, sind alle Kollegen – und keine Konkurrenten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren