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Donauwörth

15.11.2018

Wie Betroffene mit der Diagnose Hepatitis C leben

Dieses Computerbild der Pharma-Firma Novartis zeigt die schematische Darstellung eines Hepatitis-C-Virus.
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Dieses Computerbild der Pharma-Firma Novartis zeigt die schematische Darstellung eines Hepatitis-C-Virus.
Bild: Novartis, dpa (Archiv)

Plus Ein Arzt soll am Donauwörther Krankenhaus Patienten infiziert haben. Wie Betroffene damit umgehen und warum sie mit ihrem Befund nicht alleine sein wollen.

Nach gut eineinhalb Stunden Fragerunde gibt es noch immer viel Gesprächsbedarf. Es sind nicht nur die harten Fakten zu Hepatitis C, die Mittwochabend bei der ersten Informationsveranstaltung zu der Virusinfektion Thema sind. Es geht für die gut 50 Zuhörer im Donauwörther Zeughaus auch darum, mit der Diagnose nicht alleine zu sein.

Hepatitis C: Im Oktober kam der Brief und der Schock folgte

So geht es Maria K aus dem südlichen Landkreis. Nicht sie ist betroffen, sondern ihr Sohn. Er ist 20 Jahre alt, steht am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. Im Oktober dann kommt der Brief vom Gesundheitsamt Donau-Ries, dass auch bei ihm ein Narkosearzt Dienst hatte, der verdächtigt wird, Patienten mit Hepatitis C angesteckt zu haben. Er solle sich testen lassen. Er ist positiv. „Das Ergebnis war dann schon erst einmal ein Schock“, sagt K. Sie habe daraufhin sehr viel recherchiert und gelesen, was Hepatitis C eigentlich bedeutet und was die Gefahren sind. „Und ich wollte vor allem wissen, wie wir im Alltag zusammenleben können.“

Heute weiß sie, dass die Übertragung ausschließlich von Blut zu Blut passiert. Dass auch eine offene Schnittwunde im Grunde nur geringe Ansteckungsgefahr bedeutet. Andere Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Sperma übertragen das Virus nicht. Maria K. wird ganz anders, wenn sie daran denkt, dass der Virus bei ihrem Sohn unentdeckt geblieben wäre. Die Folgen will sie sich lieber nicht ausmalen. Stattdessen hofft sie, dass nach Ende der Therapie die Sache erledigt ist. Seit gestern nimmt ihr Sohn die Tabletten, die so hohe Heilungschancen versprechen.

Betroffene aus dem Landkreis und der Region Augsburg

Trotzdem sucht Maria K. den Kontakt zu anderen Betroffenen, die an diesem Abend auf Einladung der Hepatitishilfe Mittelfranken ins Zeughaus gekommen sind. „Es hilft, wenn man sich gegenseitig stützen kann“, sagt sie. Telefonnummern wurden schon ausgetauscht. Die Betroffenen sind nicht nur aus dem Landkreis sondern auch aus der Region Augsburg gekommen. „Mich ärgert einfach so maßlos, dass das Krankenhaus nicht härter gegen den Arzt vorgegangen ist, als klar war, dass er ein Problem hat“, sagt eine Dame aus Friedberg, deren Mann mit Hepatitis C infiziert wurde.

Doch das Verhalten der Verantwortlichen des Krankenhauses oder rechtliche Ansprüche der Betroffenen stehen an diesem Abend nicht auf der Agenda. Professor Hans Jörg Steinhardt beantwortet rein medizinische Fragen zu einer Infektion mit Hepatitis C. Der Gastroenterologe aus Fürstenfeldbruck erläuterte ausführlich, wie gut Hepatitis C heilbar ist und, dass die Gefahr dabei ist, dass das Virus jahrzehntelang unentdeckt im Körper arbeiten kann. „Wichtig ist, dass mit einer Behandlung die Fahrt Richtung lebensbedrohlicher Erkrankung gestoppt wird.“ Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die zwischen acht und zehn Wochen dauernde Therapie. „Wer drei Monate nach Ende der Behandlung virusfrei ist, gilt als geheilt.

Und er stellt die Zahlen aus Donauwörth in Relation. Pro Jahr stecken sich etwa 4000 bis 5000 Menschen in Deutschland im Hepatitis C an. Insgesamt gibt es etwa 270.000 Erkrankte. Seit gestern meldet das Landratsamt 51 Infizierte.

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