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Käthe Kruse

25.11.2016

Wie Donauwörth die Heimat der Puppen wurde

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Kleister kommt auf die Perücken.

Am Wochenende feiert die Manufaktur 70-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Die Geschichte der Gründerin ist einzigartig.

Käthe Kruse – uneheliches Kind, Schauspielerin und kreative Puppenmutter. Ihre Vorstellung, wie eine Puppe für Kinder aussehen sollte, prägte ganze Generationen. Und es prägte auch die Stadt Donauwörth, die nicht nur Straßen nach der emanzipierten Geschäftsfrau und mehrfachen Mutter benannte. Nein, Donauwörth nennt sich „Käthe-Kruse-Stadt“ und hat der Frau, die eigentlich Schauspielerin werden wollte, ein eigenes Museum gewidmet.

Seit 70 Jahren gibt es die Manufaktur in Donauwörth. Das wird heute mit einem Tag der offenen Tür von 14 bis 18 Uhr gefeiert. Jedermann kann sich ansehen, wie die Puppen von Hand gefertigt werden und welche Feinarbeit dahinter steckt – und was unter dem Namen Käthe Kruse nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringt.

Wie aber kam es, dass ausgerechnet Donauwörth die Heimat der Puppenmanufaktur wurde? Denn für Puppen konnte sie ursprünglich keine Liebe empfinden. „Nicht einmal für die, die sie zu ihrem achten Geburtstag geschenkt bekam. Sie beschrieb sie nämlich als ‚greulich‘“, sagt Gudrun Reißer, ehemalige Leiterin des Käthe-Kruse-Puppenmuseums in Donauwörth.

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Doch 1902 kam ihre erste Tochter Maria zur Welt - und Katharina Simon, wie damals noch hieß, beschäftigte sich mit der Herstellung von Puppen, weil der Vater Max Kruse den Wunsch der dreijährigen „Mimerle“ (Maria) nach einer Puppe nicht erfüllen wollte. „Nee, ick koof Euch keene Puppen. Macht Euch selber welche“, Max Kruse. Und sie machte es. Doch die Puppe war anders als die anderen: nämlich weich und zum liebhaben.

Über Nacht berühmt

Über Nacht berühmt wurde die junge Puppenkünstlerin, als sie sich 1910 an der Ausstellung ‚Spielzeug aus eigener Hand‘ im Warenhaus Hermann Tietz in Berlin (heute KaDeWe) beteiligte. In einer Pressekritik wurde vom „Ei des Kolumbus“ gesprochen: „Vor diesen Puppen stehen Laien und Künstler bewundernd.“ 1911 nahm Käthe Kruse an einer internationalen Puppenausstellung in Florenz teil – und eine Firma aus den USA bestellte im Spätherbst jenes Jahres 150 ihrer in Handarbeit gefertigten Puppen. Als ein weiterer Auftrag aus Amerika eintraf (500 Puppen) wurde die Atelierwohnung in Berlin zu klein. Mittlerweile war Sohn Michael geboren und das nächste Kind, Jochen, kündigte sich an. Als zudem die inzwischen dreijährige Hanne im Sommer 1912 schlimmen Keuchhusten bekam, wurde der Luftkurort Bad Kösen zur neuen Heimat. In der damaligen Friedrichstraße fand sie zudem eine geeignete Werkstätte. Bis zu ihrem Weggang nach Donauwörth im Jahre 1950 erblickten dort mehrere 100 000 Käthe-Kruse-Puppen das Licht der Welt. Käthe Kruse war nicht nur eine kreative und geschäftstüchtige Frau, sondern zeigte durchaus Herz, wenn Mitarbeiterinnen sie um Hilfe baten. 1937 erhielt die Chefin für eine Schaufensterpuppenszene auf der Weltausstellung in Paris die Goldmedaille. Doch die 1940er Jahre brachten Not und Elend allerorts. Nach der Kapitulation von Nazi-Deutschland wurde Bad Kösen in die sowjetische Besatzungszone eingegliedert. Die Söhne Max (jüngster Spross) und Michael bemühten sich in Bad Pyrmont und Donauwörth um neue Produktionsstätten. Als sich in der nunmehrigen DDR die wirtschaftliche und politische Situation verschärfte und Enteignung drohte, flohen sie in den Westen. 1948 wurde Bad Pyrmont aufgegeben und beide Betriebe in Donauwörth zusammengelegt. Ab 1949 wohnte die Familie Kruse in einer gründerzeitlichen Villa in der Kapellstraße. 1956 erhielt Käthe Kruse das Bundesverdienstkreuz und im gleichen Jahr zog sie mit ihrer ältesten Tochter Maria nach München. 1958 gab Max Kruse die Geschäftsleitung an Hanne Adler-Kruse und ihren Mann Heinz Adler.

Weltweiter Ruhm

Nach einem ereignis- und erfolgreichen Leben - Käthe Kruse erreichte jenen weltweiten Ruhm, der ihrem Mann versagt blieb - starb die Künstlerin und Unternehmerin kurz vor ihrem 85. Geburtstag am 19. Juli 1968 in Murnau.

Heute ist der Firmenstandort Donauwörth immer noch der Hauptsitz der Käthe Kruse GmbH mit Verwaltung, Design und Vertrieb, sowie Produktion der in kunsthandwerklicher Tradition gefertigten klassischen Käthe Kruse Puppen. 1990 übernahmen Andrea-K. und Stephen Christenson die Manufaktur. Sie entwickelten und fertigen das erste Schmusetuch (1997) weltweit und erweiterten das Sortiment um Bekleidung (1997), sowie einer Lizenz für Waldorfspielzeug (1998) und Spielpuppen (2001).

2013 übernahm die internationale Hape Holding mit dem Inhaber Peter Handstein. Er las die Biografie von Käthe Kruse und war „infiziert“, wie er sagt. Mit Übernahme durch ihn die Internationalisierung der Marke erfolgt. 2016 wurde Käthe Kruse als „Marke des Jahrhunderts“ ausgezeichnet. (dz/fene)

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