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Donauwörth

10.04.2015

Wie Georg Karmann ins Leben zurückgeholt werden musste

Georg Karmann (links) dankt Thierhauptens Kommandanten Thomas Hauser. Die Feuerwehrleute haben geholfen, ihm nach dem schweren Unfall das Leben zu retten.
Bild: Braun

Georg Karmann aus Lechsend überlebt nur knapp einen Verkehrsunfall. Seitdem hat sich für ihn alles geändert.

Georg Karmann aus Lechsend überlebte einen schweren Verkehrsunfall. Er ist den Menschen tief dankbar, die ihm das Leben gerettet haben, das zweite Leben sozusagen.

Donnerstag, 4. Juli 2013, war der Tag, der das Leben von Georg Karmann von einer Sekunde auf die andere verändern sollte. Er macht sich mit seinem gelben Auto von seinem Wohnort in Lechsend über Rain in Richtung Thierhaupten auf, um im Klinikum Augsburg einen Onkel zu besuchen. Dort wird er auch ankommen, jedoch schwerst verletzt, Tage um sein Leben ringend. Auf kerzenebener Straße, kurz vor dem Kreisverkehr nördlich von Thierhaupten, kollidiert er auf Höhe des Festplatzes mit dem Wagen einer jungen Frau, die aus bislang ungeklärten Gründen auf die Seite fährt, wo Karmann mit den vorgeschriebenen 80 Stundenkilometern unterwegs ist.

Derselbe Tag, um 9.10 Uhr: Die Leitstelle alarmiert die Freiwillige Feuerwehr Thierhaupten per Fax, dass sich ein Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen ereignet hat. Kommandant Thomas Hauser, der an diesem Tag zufällig Urlaub hat, und weitere Feuerwehrler lassen nach dem Sirenenalarm alles liegen und stehen und machen sich blitzschnell auf den Weg ins Feuerwehrhaus. Zusammen mit 18 Mann und zwei Einsatzfahrzeugen erreicht Hauser nur sieben Minuten später den Unfallort. Auch die Feuerwehrkameraden aus dem benachbarten Baar treffen wenig später ein.

Fast automatisch, in Hunderten Übungseinheiten erprobt, sichern die Feuerwehrleute, die meist von ihrem Arbeitsplatz weggerufen wurden, die Unfallstelle, richten schweres Bergungsgerät her und sind auch darauf eingestellt, Unfallopfer mit Spreizer und Schere aus ihren demolierten Autos zu befreien. Der 50-jährige Karmann ist bewusstlos und kann aus seinem auf der Fahrerseite schwer eingedrückten Auto relativ problemlos befreit werden. Die Feuerwehrler prüfen die Vitalfunktionen und legen Karmann auf die Krankentrage. Wenig später übernimmt der herbeigeeilte Notarzt die Versorgung der Unfallopfer.

Für Georg Karmann begann die schwerste Zeit des Lebens

Nachdem der Gutachter da war, dessen Arbeit und den letzten Tätigkeiten am Unfallort, ging es für die Feuerwehrleute zurück ins Feuerwehrhaus, wo nach dem Reinigen des Fahrzeugs und der benötigten Einsatzgeräte auch ein Zusammensein im Gruppenraum angesagt war. Thomas Hauser: „Dies ist unabdingbar, da die gemeinsamen Gespräche dabei helfen, Erlebtes besser zu verarbeiten.

Für Georg Karmann beginnt nach dem Unfall die schwerste Zeit seines Lebens. Nach sechs Tagen im Koma müssen ihn die Ärzte im Klinikum Augsburg „zurückholen“, um weitere Funktionen überprüfen zu können. Insgesamt liegt er drei Wochen auf der Intensivstation, ringt um sein Leben. Nach weiteren fünf Wochen im Klinikum Augsburg darf er für 14 Tage nach Hause und kommt danach für sechs Wochen in die Fachklinik nach Ichenhausen und durchlebt dort eine intensive Reha. Hier wird auch klar, dass Georg Karmann aufgrund bleibender Dauerschäden, die seine linke Körperhälfte vom Fuß bis zum Auge betreffen, niemals mehr wird arbeiten können. „In meinem Körper ist so viel Metall, dass ich bei einem Gewitter in den Keller gehen muss“, sagt Karmann, der beim Gespräch immer wieder von tiefem Schmerz gezeichnet ist und in Tränen ausbricht.

Das unbeschwerte Familienleben ist vorbei

Für Karmann hat sich seit dem Unfall alles geändert: Vorbei ist die Zeit, wo er als Hausmeister gerne im Landratsamt und am St. Elisabeth Geriatrie-Zentrum in Neuburg arbeiten hat können. Vorbei ist auch das unbeschwerte Familienleben mit Ehefrau Claudia und den zwei Kindern Julia und Markus. Vorbei auch sein selbstloser Einsatz seit seinem 16. Lebensjahr als aktiver Feuerwehrler in Lechsend, wo er Ende der 90er-Jahre als gelernter Maurer beim Bau des Feuerwehrhauses ein gern gesehener Helfer war oder bei der Kollision eines Privatflugzeugs mit einem Segelflugzeug im August 2003 über Marxheim mit sechs Toten mit ausgerückt ist.

Georg Karmann weiß, dass er trotz seines Unglücks auch noch Glück gehabt hat. Nach den Worten des Notarztes Dr. Wintersfeld hatte er Glück, so schnell aus dem Unfallauto geborgen zu werden, eine so schnelle Erstversorgung gehabt zu haben und so schnell auf dem OP-Tisch gelegen zu haben. „Die Feuerwehrler in Thierhaupten haben mir mein Leben gerettet und die Ärzte das Beste für mich getan“, sagt Karmann. Seine Frau Claudia ergänzt: „Viele haben Großes geleistet!“ Deshalb hat sich Karmann bereits beim Kommandanten Thomas Hauser bedankt, der dies auch auf der Jahreshauptversammlung so an seine Feuerwehrkameraden weitergeleitet hat. In ein paar Monaten will Georg Karmann zum Sommerfest der Feuerwehr wieder nach Thierhaupten kommen: „Ich habe den inneren Antrieb allen beteiligten Feuerwehrkameraden persönlich die Hand zu schütteln und Danke zu sagen!“

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