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Marxheim-Schweinspoint

23.03.2019

Wie Tiere Menschen helfen können

Psychologin und Therapeutin Christiane Schuler (links) und Erlebnispädagogin Vera Lachenmaier von der Stiftung St. Johannes mit einem der Therapiepferde (nicht „Mücke“) auf dem Schweinspointer Johanneshof.
Bild: Barbara Würmseher

Die Stiftung St. Johannes bietet eine Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie. Was das Konzept so einzigartig macht

Ihr Name ist „Mücke“ – und das ist die Untertreibung schlechthin. Denn die sandfarbene Stute mit dem freundlichen Gesicht und dem sanften Wesen ist wahrlich alles andere als ein winziges, womöglich auch noch lästiges Insekt. Sie misst locker 1,80 Meter Schulterhöhe, ist auch sonst von stattlichen Ausmaßen und überragt Therapeutin Christiane Schuler und Erlebnispädagogin Vera Lachenmaier um Haupteslänge.

Doch nicht nur dieser – scheinbare – Widerspruch ist bemerkenswert. Außergewöhnlich ist vor allem eines: Mückes „Arbeitsplatz“, der Johanneshof der Schweinspointer Stiftung St. Johannes. Dort befindet sie sich in guter Gesellschaft ihrer Kollegen: Ziegen, Esel, Ponys, Hunde und andere Vierbeinern. Sie alle sind Co-Therapeuten. Ihre Aufgabe ist es, zusammen mit den zweibeinigen Therapeuten Menschen mit Behinderung – psychisch oder physisch – ein Stück weit Linderung oder Genesung zu verschaffen.

Tiergestützte Therapie

Auf dem Johanneshof gibt es beste Voraussetzung für diese Form heilpädagogischen Arbeitens – für diese tiergestützte Therapie. „Und die bedeutet weit mehr als lediglich Streicheln“, informiert Diplom-Pädagogin Vera Lachenmaier, die das Zentrum für tiergestützte Therapie in Schweinspoint leitet. „Therapeuten müssen wissen, welche Arbeit mit Tieren bei welchen Klienten wann, wie und warum wirkt.“

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Die Stiftung St. Johannes betreut seit über 150 Jahren Menschen mit Behinderung und hat sich über die Jahrzehnte zum modernen Träger mit einem breiten Spektrum fortentwickelt. Ein Teilbereich ist eben der Erlebnis- und Therapiebauernhof, der Johanneshof, der 2015 aufgebaut wurde. Seine Stallungen bieten Platz für die Haltung von 40 Rindern, 200 Schweinen und 600 Hühnern nach EG-Bio-Richtlinien, außerdem für Pferde, Ziegen, Schafe, Esel, Kaninchen, Meerschweinchen und mehr.

Auch die Seele erfährt Entspannung

2016 wurde dort mit tiergestützter Therapie begonnen. Körperlich (schwerst) behinderte Menschen lernen etwa beim Reiten, ihre Muskulatur zu stärken und ihren Gleichgewichtssinn zu schulen. Gelähmte können auf dem Rücken eines Pferds im wiegenden Schritttempo ein Gefühl für ihre Körpermitte erspüren.

Tiere werden auf diese Weise zu Krankengymnasten auf vier Beinen. Und nicht nur der Körper profitiert davon. Auch die Seele erfährt erwiesenermaßen Entspannung: Therapeutisches Reiten gilt für Kinder mit Entwicklungsstörungen und allgemein für Menschen mit ADHS, Depressionen, Autismus, Multipler Sklerose oder posttraumatischen Belastungsstörungen als empfehlenswert. Selbst gesunde Menschen erfahren ja durch ihr Haustier schon so viele beglückende Momente!

All diese Erkenntnisse sind nicht neu auf dem Johanneshof. Neu hingegen ist der Aufbau einer Fortbildungseinrichtung, deren Kursangebot sich an (Heil-)Pädagogen, Sozialarbeiter, Therapeuten, Pfleger, Erzieher und andere aus diesen Berufsspektren richtet. Sie haben die Möglichkeit, sich dort zur Fachkraft für tiergestützte Therapie weiterzubilden. Eine in ganz Süddeutschland einzigartiges Modell macht den Johanneshof für diese Ausbildung so attraktiv: Denn dort gibt es die Möglichkeit, Theorie sofort mit der Praxis zu verbinden.

In der Altenpflege oder Sozialpsychiatrie können Tiere viel erreichen

Nicht nur steht das dortige Mitarbeiter-Team – Hundetrainer, Ergotherapeuten, Lerntrainer, Reittherapeuten, Heilerziehungspfleger – zur Verfügung. Nicht nur ist die Psychologin, Psychotherapeutin und Fachkraft für tiergestützte Therapie, Christiane Schuler, die fachliche Leiterin der Weiterbildungseinrichtung. Nicht nur gibt es großzügige, modern ausgestattete Akademie-Räume direkt vor Ort. Es stoßen vielmehr weitere externe Dozenten dazu, die aus Wissenschaft und Praxis kommen. „Spezialisten, die mit ihrem Wissen ganz am Puls der Zeit sind“, wie es Vera Lachenmaier formuliert.

Und nicht zuletzt sind es eben auch Mücke und ihre Kollegen, die den Akademie-Schülern helfen, ihre Ausbildung perfekt und praxisnah zu absolvieren. „Immer mehr Institutionen kommen auf dieses Trendthema tiergestützte Therapie“, weiß Vera Lachenmaier. Nicht nur in der Arbeit mit Behinderten ist die segensreiche Wirkung bekannt, die Tiere auf Menschen haben können. Auch beispielsweise in der Altenpflege und in der Sozialpsychiatrie können Vierbeiner mitunter mehr erreichen, als der Arzt mit Spritzen und Tabletten.

Info Die Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie dauert 18 Monate und ist in elf Module unterteilt. Der erste Kurs beginnt im April. Interessierte wenden sich an die Stiftung St. Johannes, 09070/809135, www.sanktjohannes.com, johanneshof@santjohannes.com.

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