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Kreis Donau-Ries

07.06.2019

Wie die Jung-Politiker im Kreis zur Kritik der Jugend stehen

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Franz Ost Jr.

Plus Die jungen Vertreter von CSU und SPD im Landkreis sehen Rezo und Co zwar kritisch, wollen sich aber wappnen.

Für die Politik tickt die Jugend oftmals nicht richtig. Nicht richtig in dem Sinne, weil sich die Mehrheit der jungen Menschen nicht in Parteien organisiert. Die beiden großen Volksparteien CDU/ CSU und SPD müssen sich gerade besonders damit auseinandersetzen, dass ihre Attraktivität für Jungwähler zuletzt nachgelassen hat. Ist das auch auf dem Land so, wo die Uhren – und vielleicht auch die Jugend – ab und zu doch noch ein wenig anders ticken? Die beiden Vertreter der Jugendorganisationen Junge Union (JU) und Jungsozialisten in der SPD (Jusos) zeichnen ein durchaus differenziertes und auch selbstkritisches Bild. Doch sie warnen davor, die politische Debatte nur noch via Internet auf Youtube und Co zu führen.

Wem der Name „Rezo“ vor einem Monat noch nichts sagte, der hat sich nun, spätestens seit den Europawahlen, eine Meinung zu dessen millionenfach im Internet geklickter Generalabrechnung mit den Volksparteien Union und SPD bilden können. Allein der Titel „Zerstörung der CDU“ habe ihn „schockiert“, sagt Franz Ost Jr., Kreisvorsitzender der JU aus Riedlingen: Die geballte Wucht der stakkatoartig vorgetragenen Vorwürfe an die Union, angeblich sehenden Auges die Zukunft der jungen Generation zu verspielen, sie breche mit dem bisherigen Stil einer politischen Debatte. Allein die Art und Weise widerspreche letztlich auch den Geboten der Fairness: Ohne Klarnamen aber mit Pseudonym wird gepostet, zudem werde undifferenziert nur gegen bestimmte Parteien „gehetzt“ – „es wäre Schade, wenn das der neue Stil ist“. Bedenklich sei zudem, so Ost, „wie schnell so etwas rumgeht“ im Netz; und wie unreflektiert.

Reaktion der Union erschien „hilflos“

Er gibt zu, dass die Reaktion der Union zunächst „hilflos“ erschien: Auf Youtube kam keine Antwort, man behalf sich mit einer klassischen Pressemitteilung. Ist das noch die Sprache der Jüngeren? Ja und nein, meint Ost. Einerseits würden viele, die das Video anklickten, die Einseitigkeit der Kritik erkennen. Andererseits sei der Beitrag auch ein Aufruf, sich in den sozialen Medien moderner und effektiver aufzustellen. Die JU im Kreis habe das zum Anlass genommen, einen Beauftragten für Facebook und Co zu ernennen. Auch um im Falle eines plötzlichen „Shitstorms“ im Internet schneller reagieren zu können.

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Der JU-Chef lässt das Argument, die Volksparteien erreichten die Jungen kaum noch, indessen nur bedingt gelten: Freilich müsste man „cooler“ werden – aber man müsse zu seinem Profil und seinen Überzeugungen stehen. Dass scheinbar jedermann in Politik und Medien nun den Schülern von „Fridays for Future“ uneingeschränkt Applaus zolle, müsse man auch differenziert sehen. Eine Volkspartei habe nicht nun einmal die Pflicht, eine sehr breite Themenpalette zu bearbeiten, zudem ein ebenso breites politisches Spektrum zu integrieren und den Ausgleich zu suchen: „Da muss man sich immer mit verschiedenen Seiten auseinandersetzen und faire Kompromisse erarbeiten.“ Es seien dann, etwa beim Klimaschutz, eben nicht immer die radikalen Lösungsansätze, die gegangen werden könnten. Und: „Der Naturschutz ist wichtig – er ist aber nicht das einzige wichtige Thema.“

Ost findet indessen nicht, dass die Volksparteien die Jugend nicht mehr ansprächen. Die JU habe im Kreis über 300 Mitglieder, bei den Kommunalwahlen werde man sich zudem bewusst jünger aufstellen. Die jungen Leute im Landkreis Donau-Ries wüssten durchaus, dass es hier viele Pluspunkte gebe. Man müsse diese aber eben besser herausarbeiten und darstellen.

Juso-Chef Becht: „Die Jungen sind themenorientiert“

Auch Daniel Becht aus Mertingen hat sich Rezos 50-minütige Abrechnung angeschaut. Auch ihn habe das Video schockiert, „weil es die Volksparteien so generell trifft“. Becht ist Juso-Vorsitzender und dieser Tage leidgeprüft angesichts der jüngsten verheerenden Wahlschlappen der SPD. Becht sieht das Themenfeld „Rezo – Wahlniederlage – SPD“ sehr selbstkritisch: Die Jugend habe in der Tat nicht mehr das große Interesse an den Volksparteien. Die Jungen seien nicht unpolitisch, aber eben sehr „themenorientiert“.

Das zeige das Interesse am Klimaschutz: Sobald ein großes Thema aufkomme, das einen Nerv treffe, meist in den sozialen Medien, steige auch das politische Interesse rasant. Dahingehend müssten sich die Parteien aufstellen und hier vor allem selbst Inhalte anbringen – Becht stimmt Ost zu, dass man aber nicht auf einen Zug aufspringen solle. Das wirke nicht authentisch. Die Volksparteien müssten ihr eigenständiges Profil, ihren „Markenkern“ wieder klar herausarbeiten und mit der Sprache der Jugend auf deren Plattformen unterwegs sein, sie direkt ansprechen: „Wir müssen uns da besser aufstellen.“ Vieles laufe hinsichtlich der politischen Mobilisierung bei der Jugend ausschließlich digital im Netz ab. Das sollten die Parteien als Chance sehen. Becht nennt hierzu das große Interesse der Jungen beim Jugendforum in Rain.

Themen der Jugend zu lange zu wenig beachtet

Soziale Medien, die Interessensgebiete der Jungen: Dieses Themenfeld dürfe beileibe nicht mehr „stiefmütterlich“ behandelt werden. Die bei den Europawahlen bei der Jugend zweifellos erfolgreichen Grünen waren vor den Europawahlen sehr umtriebig in den Sozialen Medien, wo sie auch auffallend viel positive Resonanz der User verbuchen konnten. Also: Das Internet als Haupt-Wahlkampffeld der Politik? Auch hier ein „jein“ der beiden Nachwuchspolitiker.

Becht als auch Ost wehren sich dagegen, sich einem hetzenden Stil unterzuordnen. Auch wenn das Frustablassen via Youtube erst einmal gut ankomme – die Entscheidungswege in der Politik seien und blieben meist mühsam, weil sie die Interessen eines ganzen Volkes unter einen Hut bringen sollen. Dieses Ansinnen verliere trotz aller „Hypes“ kaum an Aktualität. Und auch die direkte Begegnung der Menschen könne das Internet am Ende kaum ersetzen.

Lesen Sie hierzu den Kommentar: Von Aufstand und Anstand

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