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Kaisheim

23.01.2021

Wie sich das Strauß-Haus in Kaisheim verwandelt

Weitgehend abgeschlossen sind die Arbeiten im Erdgeschoss des Strauß-Hauses in Kaisheim. Der Gewölbesaal in dem historischen Gebäude kann für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden.
Foto: Wolfgang Widemann

Plus Bei der Sanierung des Strauß-Hauses in Kaisheim ist ein Etappenziel erreicht. Welche Probleme an dem historischen Gebäude noch zu lösen sind.

Es war ein langer und beschwerlicher Weg, bis die Marktgemeinde Kaisheim das Projekt Strauß-Haus anpackte. Der Kauf des historischen Gebäudes, das direkt an das Rathaus anschließt, war politisch umstritten. Ein Bürgerentscheid brachte Klarheit. Dennoch gab es viele weitere Diskussionen und Planungen, bis die Sanierung des Bauwerks losgehen konnte, mit dem die Kommune mehr Platz für ihre Verwaltung und einen repräsentativen Saal für die Öffentlichkeit bekommt. Nun ist bei dem Vorhaben ein Etappenziel erreicht: Die Arbeiten im Erdgeschoss des Strauß-Hauses sind weitgehend abgeschlossen – für unsere Redaktion ein Zeitpunkt, sich auf der Baustelle umzusehen.

Strauß-Haus: Erst Stall, dann Wohnhaus und jetzt ein Gewölbesaal

Vier moderne Glastüren mit grauem Metallrahmen führen in das fast 300 Jahre alte Gebäude, das ursprünglich als Stall und als Lager für die Ökonomie des Zisterzienserklosters diente, nach dessen Auflösung irgendwann in ein Wohnhaus umgewandelt wurde und zuletzt jahrelang leer stand. In dem rund 130 Meter großen Saal im Erdgeschoss, dessen Kreuzgewölbe von sechs Suevitsäulen getragen wird, ist es wohlig warm. Bürgermeister Martin Scharr und Bauleiter Markus Hemmeter berichten, was sich dort alles verändert hat. Mauern und Zwischendecken wurden abgetragen, ein Teil des Gewölbes wurde rekonstruiert, ein anderer Teil für das Treppenhaus entfernt, das den so dringend benötigten zweiten Rettungsweg für das Rathaus sicherstellt.

Dieser alte Eisenring wurde an einer Säule im Erdgeschoss belassen.
Foto: Wolfgang Widemann

Der Boden aus Jurakalkplatten liegt um etwa einen halben Meter höher als im ursprünglichen Bauwerk. An die Zeit als Stall erinnern Einkerbungen in den Steinsäulen. Einst trennten Holzstangen die Boxen für die Pferde voneinander ab. Auch ein angerosteter Eisenring an einer der Säulen blieb erhalten. Heizungsverteiler und Elektroverteilkasten sind in Einbauschränken versteckt. Der Saal verfügt über eine Projektionswand. Der allein schon mit über 400000 Euro vom Staat geförderte Raum soll dem Bürgermeister zufolge Kaisheimer Vereinen dienen, die kein eigenes Heim haben. Er könne auch für Veranstaltungen sowie die Jugend- und Seniorenarbeit genutzt werden. Auch ein WC wurde eingerichtet.

Im ersten Stock entstehen neue Räume für die Gemeindeverwaltung

Während die Arbeiten im Erdgeschoss planmäßig vorangeschritten seien, ist man laut Scharr in den Stockwerken darüber noch nicht so weit wie gewünscht. Im ersten Stock läuft der Innenausbau samt Installationen. Kasse, Kämmerei und Einwohnermeldeamt sollen in den Räumen untergebracht werden. Aus dem jetzigen Rathaus ist ein direkter Durchgang vorgesehen. Noch versperrt diesen eine Holzplatte. Der Bürgermeister und der Bauleiter gehen davon aus, dass die Räume im Sommer fertig sind.

Blick in den ersten Stock: Hier entstehen neue Räume für die Verwaltung.
Foto: Wolfgang Widemann

Im Dachgeschoss des Strauß-Hauses ist das alte Gebälk ausgebessert worden. Eindeckung und Gauben sind erneuert. Auf dieser Ebene sind ein Sozialraum und eine Küche für die Belegschaft sowie ein Büro vorgesehen. Dieses werde man sicher benötigen, wenn einmal Einzelarbeitsplätze vorgeschrieben seien, erläutert Scharr.

Der Sitzungssaal im Kaisheimer Rathaus wird vergrößert

Das anschließende Dachgeschoss des Rathauses ist ebenfalls eine Baustelle. Dort muss der marode Dachstuhl erst noch repariert werden. Auch die offenbar gut 30 Jahre alte Dämmung wird erneuert. Im Sitzungssaal ist ein alter Kamin inzwischen abgetragen. Gleiches wird mit der Wand zum Vorraum passieren. Dadurch wird der Saal vergrößert. Der bekommt auch eine Lüftungsanlage. Fußboden und Installationen werden erneuert. Der Dachstuhl solle zum Großteil sichtbar bleiben, so Markus Hemmeter: „Das ist ein schönes Bauwerk.“

Der Sitzungssaal im Dachgeschoss des Rathauses wird erneuert und vergrößert.
Foto: Wolfgang Widemann

Die Kosten für das Vorhaben liegen den Verantwortlichen zufolge im kalkulierten Rahmen. Sollte nichts Unvorhergesehenes mehr passieren, würden die veranschlagten 3,3 Millionen Euro ausreichen.

Welches Gesicht bekommt der Münsterplatz in Kaisheim?

Die im alten Bauhof installierte neue (Gas-)Heizung soll einmal den ganzen Komplex aus Rathaus, Strauß-Haus und Alter Turnhalle mit Wärme versorgen. Noch offen ist, wie die Außenanlagen auf dem Münsterplatz gestaltet werden. Pläne dafür gibt es nach Auskunft des Bürgermeisters schon seit 2011. Die müssten nun mit den Vorstellungen des Gemeinderats abgeglichen werden. Es gehe um Parkplätze und um den Brunnen. In diesem Jahr werde der Schmutzwasserkanal saniert, der unter dem Platz verlaufe.

Ein weiterer Punkt, der noch zu klären sei, ist die Barrierefreiheit des Rathauses. Ein Aufzug würde mindestens 150000 Euro kosten, zuzüglich 6000 bis 7000 Euro pro Jahr allein für die Wartung. Eine Alternative wäre laut Scharr ein stufenloser Zugang von der Turnhalle her. Über Rampen könnten die einzelnen Stockwerke der Verwaltung erreicht werden.

Zwischenfall bei den Bauarbeiten: Am Nachbarhaus löst sich das Gesims

Bei den Bauarbeiten am Strauß-Haus kam es im vergangenen Jahr zu einem Zwischenfall. An dem angebauten, ebenfalls denkmalgeschützten Wohnhaus zur Kirche hin löste sich auf einer Länge von sechs Metern das Gesims und fiel zu Boden. Die Gemeinde befinde sich in Gesprächen mit den Eigentümern und der Regierung von Schwaben, „um eine gute Lösung zu finden“, berichtet der Bürgermeister. Soll heißen: Es wird darüber verhandelt, in welchem Umfang sich der Staat an der Wiederherstellung beteiligt.

Weiße Fassade: Das Strauß-Haus hebt sich farblich von der Umgebung ab.
Foto: Wolfgang Widemann

Von außen betrachtet hebt sich das Strauß-Haus, an dem inzwischen das Gerüst entfernt ist, farblich von den restlichen Gebäuden am Münsterplatz ab. Während deren Fassaden gelb getüncht sind, strahlt es in Weiß.

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