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Gesundheit

22.11.2019

Wie sicher ist die Klinik-Versorgung im Kreis Donau-Ries?

Um die Donau-Ries-Klinik in Donauwörth muss man sich laut Jürgen Busse ebenso wie um die Kliniken in Oettingen und Nördlingen keine Sorgen machen.
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Um die Donau-Ries-Klinik in Donauwörth muss man sich laut Jürgen Busse ebenso wie um die Kliniken in Oettingen und Nördlingen keine Sorgen machen.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Kleine Krankenhäuser auf dem Land stehen bayernweit auf dem Prüfstand oder schließen. Bürger kämpfen mit einer Petition für den Erhalt. Doch wie sieht es im Landkreis aus? gKU–Vorstand Jürgen Busse mit klarer Ansage.

Fast 53000 Bürger haben sich der Online-Petition „Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum“ angeschlossen. Diese kämpft für den Erhalt kleiner Kliniken und begründet das damit, das vor allem auch Haus- und Fachärzte auf dem Land wegbrechen. Gestartet wurde die Petition, mit der sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschäftigen muss, von einem Arzt aus Rothenburg ob der Tauber.

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Mit seiner Forderung steht er damit im krassen Gegensatz zu den Ergebnissen einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Die kommt zu dem Schluss, eine bessere medizinische Versorgung sei nur mit halb so vielen Kliniken in Deutschland möglich. Viele Krankenhäuser seien zu klein, um medizinisch und technisch auf dem neuesten Stand zu sein.

Jürgen Busse hält Pauschalaussagen für „sehr gefährlich“

Für Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzenden des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU) und damit Chef der drei Krankenhäuser im Landkreis, betrachtet diese Diskussion sehr kritisch. „Pauschale Aussagen dieser Art halte ich für sehr gefährlich“, sagt der 55-Jährige in Hinblick auf die Studie. Zwar sei es richtig, dass Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland zu viele Betten in Krankenhäusern habe. Doch die Dichte der Häuser – in Deutschland und auch in Bayern – sei sehr unterschiedlich.

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„Natürlich kann man diskutieren, ob München 60 verschiedene Krankenhäuser braucht“, so Busse. Doch viele Häuser seien extrem spezialisiert auf für sie Gewinn bringende Bereiche. Für das Patienten bedeute das aber auch in den verschiedenen medizinische Feldern sehr hohes Fachwissen und Erfahrung. Im Landkreis sieht Busse überhaupt keinen Grund, um das Bestehen der drei Krankenhäuser zu bangen. „Wir stehen gut da und haben uns mit der Ausrichtung der verschiedenen Häuser gut aufgestellt“, sagt der Vorstandsvorsitzende, der davon überzeugt ist, dass dies heute anders wäre, hätte man 2008 das gKU nicht gegründet.

Zwar wird das gKU 2019 vermutlich mit einem Defizit von 800000 Euro abschließen, doch zwei Drittel der Summe liege bei den Seniorenwohnheimen. Das Defizit der drei Krankenhäuser betrage etwa 260000 Euro. „Sollten wir dieses Jahr noch die zugesagte Fördermittel des Freistaates für die Geburtshilfe erhalten, können wir das Jahr sogar mit einer schwarzen Null abschließen“, so Busse, der seit 2013 die Geschicke des gKU lenkt.

Das Gesamtpaket muss stimmen

Doch nicht nur die Zahlen passen, sondern auch die Ausrichtung, so Busse. In Nördlingen liege der Schwerpunkt klar bei der Kardiologie, während in Donauwörth das Wirbelsäulenzentrum der Leuchtturm sei. „Auch einen Donauwörther Patient mit Herzproblemen schicken wir nach Nördlingen“, sagt Busse. Die Häuser hatten sich über die Landkreisgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf erarbeitet und würden Patienten von dort anziehen. Gleiches gelte für die Donau-Ries-Klinik in Oettingen, die mit 95 Betten zwar sehr klein sei, doch die Spezialisierung auf pflegeintensive Liegendkranke und auf die Entwöhnung von Beatmung sei mehr als rentabel. „Wenn wir beispielsweise dieses Haus schließen würden, könnten die anderen Krankenhäuser im Landkreis das gar nicht auffangen“, nimmt Busse die letzten Ängste.

Vielmehr ist er überzeugt, dass Kliniken sehr wirtschaftlich arbeiten können, wenn das Gesamtpaket stimme. „Als erste braucht der Patient die medizinische Versorgung, aber wenn er ein paar Tage da ist und es ihm besser geht, ist auch die Sauberkeit der Zimmer oder die Qualität des Essens relevant. Nur, wenn das Gesamtpaket stimmt, ist man mit der Klinik an sich zufrieden“, so seine Einschätzung.

Die Suche nach Pflegekräften geht weiter

Doch längst ist nicht alles rosarot in der Donau-Rieser-Klinikwelt. Das Thema Pflegekräfte wird auch die gKU-Krankenhäuser weiter beschäftigen. „Wir haben zwar Personal um gut elf Vollzeitkräfte zusätzlich aufgebaut, suchen aber weiter“, so Busse. Zudem sei schon erkennbar, dass in Zukunft viel mehr Operationen in Krankenhäusern ambulant durchgeführt werden. „Heute sind es nur die Augen-OPs, aber bei HNO, Geburten oder auch immer mehr orthopädischen Methoden geht der Trend zu kürzeren Aufenthalten“, sagt Busse. Das erfordere von den Häusern Anpassung, um den schnell wechselnden Patienten gerecht zu werden. Eine weitere Entwicklung sei die steigende Zahl der Krebspatienten. „Die Diagnose wird heute früher gestellt und angesichts der steigenden Lebenserwartung die Behandlungen umfangreicher“, sagt Busse.

Auch bei anderen Volkskrankheiten wie Rheuma oder Diabetes müsse man sich darauf vorbereiten, in Zukunft mehr Betten bereit zu halten. Schließlich gelte es weiter gute Ärzte in den Kreis zu holen. Aktuell laufe dies in Sachen Geburtshilfe in Nördlingen. Ein weitere Anästhesist wird nach Donauwörth kommen und auch der Chefarzt-Posten der Geburtshilfe wieder besetzt. Noch im Dezember soll „der Neue“ präsentiert werden.

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