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Holzheim

05.04.2019

Will Holzheim ein Bürgerhaus?

Das alte Gebäude der Raiffeisenbank in Holzheim soll abgerissen werden. An diesem zentralen Platz soll ein Bürger- und Kulturzentrum gebaut werden. Doch das Projekt ist umstritten. 
Bild: Archivfoto: Manfred Arloth

Plus Seit 2016 basteln Bürgermeister Ruttmann und seine Gemeinderäte an einem Bürger- und Kulturzentrum. Jetzt, wo es konkreter wird, regt sich Widerstand

Wenn es um das geplante Bürger- und Kulturzentrum in Holzheim geht, schlagen die Wellen hoch. Das Dorf scheint angesichts des großen Projektes, das sicher einige Millionen Euro kosten wird, gespalten. Die einen sehen in einem solchen Zentrum die Chance, den Vereinen und Bürgern einen zentralen Treffpunkt zu schaffen und damit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Die anderen bezweifeln, dass so ein Haus angesichts verschiedener Vereinsheime in den Ortsteilen überhaupt notwendig ist und fürchten darüber hinaus, dass es die finanziellen Möglichkeiten der Kommune übersteigt.

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Bei einer kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle kamen an die 300 Bürger, um sich über den Stand des Projektes zu informieren und darüber auszutauschen. Anlass war ein Schreiben von zwölf Holzheimern, die diesen Antrag vergangene Woche Bürgermeister Robert Ruttmann (CSU) übergeben hatten.

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Der Hintergrund: Das Bürgerhaus soll dort gebaut werden, wo aktuell ein altes Gebäude der Raiffeisenbank steht. In diesem waren seit 2015 an die 15 Asylbewerber untergebracht. 130000 Euro hatte die Gemeinde damals investiert, um daraus ein Wohnheim zu machen. Zum 31. März endete der Mietvertrag mit dem Landratsamt nun vorzeitig. Der Umzug einer Asylfamilie nach Marxheim war dramatisch verlaufen, da der Vater aus Protest gedroht hatte, sich und seiner Familie zu töten.

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Nun, da das Heim frei war, sollte der Abriss unmittelbar folgen – für einige Holzheimer sehr fragwürdig, da es ja für das geplante Bürgerzentrum noch keine konkreten Pläne gibt. Aktuell ermittelt eine Machbarkeitsstudie, ob die Gemeinde das Projekt in Sachen Baurecht, Förderung und Finanzen stemmen kann. Deshalb der Tenor: Warum verzichtet man freiwillig auf Mieteinnahmen, wenn nach dem Abriss erst einmal nichts weiter passiert? Wie Bürgermeister Ruttmann erklärte, ist der Abriss ausgeschrieben und soll in den nächsten Wochen passieren. Der Gemeinderat habe das entsprechend beschlossen. Mehr wollte er nicht preisgeben, da das Thema in nichtöffentlicher Sitzung besprochen wurde.

Stimmung im Gemeinderat ist schwierig

Das ignorierte allerdings Gemeinderat Helmut Staber (FW), der die Details ausplauderte: Die Gemeinde verzichte auf etwa 20 000 Euro, um jetzt Zugriff auf das Gebäude zu haben. Bei der entsprechenden Sitzung sei nicht klar aus der Einladung hervorgegangen, dass über einen Abriss entschieden werden soll. Vier Gemeinderäte, die wohl dagegen gestimmt hätten, seien nicht da gewesen. „Das war Taktik“, unterstellte Staber dem Bürgermeister. Und so drohte die Bürgerversammlung über das Bürgerhaus schnell zu einem Schauplatz für sehr grundsätzliche Probleme zu werden: Es wurde deutlich, dass sich auch die Gemeinderäte nicht einig sind und andere Probleme mit rein spielen.

„Wie sind hier mit dem Ziel, zu klären, ob wir das Bürgerhaus wollen oder nicht“, ermahnte Stadtplaner Dr. Andreas Raab die Sprecher. Bedenken bezüglich des Hauses sollten „grad raus“ genannt werden. „Sonst können gut gemeinte Projekte dazu führen, Gemeinden auseinanderzubringen.“

Einige Bedenken

Bedenken gab es dann doch einige: Ob das Haus mit 1400 Quadratmeter nicht zu groß sei, ob alle Vereine wirklich das Gebäude nutzen wollen und welche Standorte man noch geprüft habe. Andere fragten nach den Kosten die der Unterhalt bringen wird und wollten sich bestätigen lassen, dass die Kirche zu ihrem Versprechen steht und sich finanziell beteiligt. Das wurde öffentlich zugesagt. Aber es gab auch klare Fürsprecher. Neben dem zweiten Bürgermeister Manfred Vogl, hielt auch Unternehmerin Rosa Unsinn ein flammendes Plädoyer für das Projekt und warnte davor, sich hinter der Kostenfrage zu verstecken. „In der Gemeinde ist stets gut gewirtschaftet worden und es ist Kapital vorhanden. Warum also nicht etwas wagen?“ Johann Geier von der IG Rainer Winkel ermutigte alle, das Zentrum als Chance zu sehen, einen Platz zu schaffen, der Mittelpunkt des Dorfes werden kann.

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