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Hepatitis C

31.10.2018

„Wir bedauern die Ereignisse“

Patienten haben sich in der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth mit dem Heptitis-C-Virus angesteckt. Das Bild zeigt das Tablett mit Narkose- und Schmerzmitteln, die vor der Operation an den Patienten verabreicht werden.
Bild: Szilvia Izsó

Die Zahl der positiv getesteten Patienten steigt weiter auf 29. Unterdessen arbeiten die Mitglieder des Verwaltungsrats die Affäre auf.

Während der Verwaltungsrat des gKU (gemeinsames Kommunalunternehmen) bis in den Dienstagnachmittag tagt, kommen aus dem Landratsamt die neuesten Zahlen: 29 Patienten sind nach schriftlicher Aufforderung durch das Gesundheitsamt positiv auf Hepatitis C getestet worden. Insgesamt 1287 Briefe waren bis Dienstag abgeschickt worden, 468 haben sich bereits zurückgemeldet.

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Wie berichtet, geht man davon aus, dass sich die Infizierten im Krankenhaus Donauwörth bei einem unter Verdacht stehenden Narkosearzt angesteckt haben. Er hatte das Virus im Blut und war medikamentenabhängig. Seine Sucht stillte er mit Schmerzmitteln, die er aus dem Bestand des Krankenhauses nahm. Kollegen erwischten ihn während einer Operation mit einer Spritze im Arm. Wie der Mediziner die Patienten angesteckt haben soll, ist nicht geklärt.

„Auch der Verwaltungsrat bedauert die Ereignisse und, dass nun viele Patienten in Sorge sind“, erklärt Landrat Stefan Rößle nach der Sitzung. Das Gremium habe sich bei den Vorständen Jürgen Busse und Dr. Roland Buchheit und dem Chef der Anästhesie, Dr. Ludwig Düthorn, über die Vorkommnisse informiert und sei nach über zwei Stunden Gespräch zur Überzeugung gekommen, dass alles getan werde, um aufzuklären.

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Verschiedene Aspekte seien angesprochen worden. Von möglichen Regressforderungen der Krankenkassen bis zur Zusammenarbeit mit den ermittelnden Behörden. Auch die Formulierungen im Arbeitszeugnis des unter Verdacht stehenden Arztes seien thematisiert worden, so Landrat Rößle. „Wir haben das Zeugnis von einem Personalfachanwalt prüfen lassen, der uns bestätigt hat, dass alles gestimmt hat, wie es ausgeführt wurde.“ Das Zeugnis habe „wahr und wohlwollend“ formuliert sein müssen und der Hinweis auf eine Expertise im Umgang mit Opioiden sei ungewöhnlich gewesen.

Versicherung zahlt eventuelle Regressforderungen

Finanziellen Schaden wird das Krankenhaus wohl nicht erleiden, denn die Versicherung hat zugesichert, im Fall von Regressforderungen der Krankenkassen, die Zahlungen zu übernehmen, erklärt Rößle. Ob man dann wiederum Forderungen an den unter Verdacht stehenden Mediziner stellt, hänge vom Ermittlungsergebnis ab.

Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzender des gKU, berichtet, dass in der Notaufnahme täglich Patienten erscheinen, die sich – obwohl sie keinen Brief vom Gesundheitsamt erhalten haben – auf Hepatitis C testen lassen wollen. „Wir übernehmen das bei jedem und zahlen die Kosten aus unserer eigenen Tasche“, sagt Busse. Auch Patienten, die vor dem ermittelten Zeitraum operiert worden sind und besorgt sind, werden kostenfrei getestet. „Wir wollen sämtliche Zweifel ausräumen.“

Für Betroffene soll es demnächst über die Vhs Informationsveranstaltungen geben. Hier sollen sich Interessierte von Experten erklären lassen, was es zu Hepatitis C zu wissen gibt und wie es zu behandeln ist. Genauere Termine werden in dieser Zeitung veröffentlicht.

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