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Daiting

02.08.2019

Wird Daiting zum Solardorf?

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2 Bilder
In Daiting ging es um die Frage, ob zwischen Hochfeld und Natterholz eine ganze Reihe von Flächen mit Photovoltaik-Modulen bebaut werden sollen. 
Bild: Wild

Plus Auf dem Gebiet der Juragemeinde will ein Investor acht Photovoltaik-Parks bauen. Fünf wurden bereits auf den Weg gebracht. Was genau hinter dem Projekt steckt.

Das kleine Juradorf Daiting könnte bald ein großer Lieferant für sauberen Strom werden. Der Investor Greenvest Solar plant auf den sonnenreichen Südhängen zwischen Hochfeld und Natterholz auf acht, bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen Solarparks. Insgesamt hätten diese eine Fläche von 16,5 Hektar, die 16,3 Megawatt Strom für über 5100 Haushalte produzieren würden.

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Am Donnerstagabend stellte Bruce Dünker, geschäftsführender Gesellschafter des Starnberger Unternehmens Greenvest Solar, das umfangreiche und komplexe Projekt im Gemeinderat vor. Um die Parks zu verwirklichen, muss Daiting nämlich auf den betroffenen Flächen den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen. Am Ende eines erfolgreichen Verfahrens darf die Gemeinde dann auf mehr Gewerbesteuer hoffen, denn die Einnahmen aus Stromerzeugung müssen zu 70 Prozent dort versteuert werden, wo die Energie gewonnen wird – also in Daiting.

Acht Parks angedacht

Angedacht waren insgesamt acht verschiedene Parks in unterschiedlichen Größen. Zwei liegen auf der Gemarkung Natterholz, eines in Hochfeld und fünf auf der Gemarkung Daiting. Die Größen reichen von einem Hektar bis 4,9 Hektar. Die größte Einheit wäre die um den Ederhof im Südwesten der Gemeindefläche. Dort würden die zwei Parks, die nur durch einen Feldweg getrennt sind, zusammen etwa 6,2 Hektar umfassen.

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Acht rote Kreise zeigen die geplanten acht Solarparks rund um Daiting. 
Bild: Greenvest Solar

Alle Flächen sind nach einer Bewertung der EU „landwirtschaftlich benachteiligte Gebiete“, in den aufgrund ungünstiger Standorte oder Produktionsbedingungen die Aufgabe der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung droht. Diese Kategorisierung ist wichtig, denn nur auf diesen Flächen fördert der Freistaat Bayern PV-Parks. Am 4. Juni 2019 hat die schwarz-gelbe Koalition die Zahl der förderfähigen Anlagen von ursprünglich 30 auf 70 erhöht. Genau hier setzt Greenvest Solar an. Daitings Solarparks sollten bei den 40 zusätzlichen Förderprojekten dabei sein.

Ausschreibung im Oktober

Da für eine erfolgreiche Umsetzung Fristen einzuhalten müssen, hofft Greenvest auf eine zügige Entscheidung des Rates. Die Ausschreibung für die Förderung, ohne die eine Realisierung unwahrscheinlich wird, läuft im Oktober. Finanziert werden die Parks durch externe Geldgeber, beispielsweise durch regionale Banken oder Stromanbieter wie die LEW. Denkbar ist aber auch die Gründung einer Energiegenossenschaft, so dass sich Bürger mit kleinen Beträgen beteiligen können. „Man kann davon ausgehen, dass die investierte Summe mit vier bis sechs Prozent verzinst wird“, erklärt Dünker. Angesichts der Niedrigzinsphase für Geldanleger wohl eine attraktive Möglichkeit.

Den Gemeinderäten war die Dringlichkeit der Sache zwar bewusst, sie ließen sich für ihre Entscheidungen aber nicht aus der Ruhe bringen. „Wir müssen uns schon überlegen, ob wir das grundsätzlich wollen“, sagte Josef Bernecker junior. „Wollen wir wirklich überall solar?“ Der Landwirt aus Reichertsweis erinnerte daran, dass die Flächen für die Bauern in der Region verloren sind. Die Parks werden mindestens 20 Jahre betrieben, da für diese Zeit die Einspeisevergütung fixiert ist. „Wir sollen jetzt in zwei Stunden darüber entscheiden, was unser Dorf jahrzehntelang prägt“, so Bernecker.

Bedenken im Rat

An sich äußerten die die Räte Bedenken, dass Solarfelder zu nahe am Dorf Daiting Entwicklungsmöglichkeiten nehmen und auch die Optik sahen einige kritisch. Josef Mayinger interessierte, was Greenvest Solar tue, dass niemand von den Modulen geblendet werde. „Wir hatten einen Landwirt im Dorf, der deswegen seine Anlage abbauen musste“, erinnerte er die Kollegen im Gemeinderat.

Geschäftsführer Dünker erklärte, dass ein Blendgutachten dies vorab klären würde und mit Bäumen oder anderen Pflanzen eine solche Belästigung der Bürger vermieden werden soll. An sich wird um die Parks ein drei Meter breiter Grünstreifen angelegt, der – wie der gesamte Park – für Insekten und Kleintiere wertvolle Fläche sein soll. Bürgermeister Roland Wildfeuer schilderte seinen Gemeinderatskollegen, dass er sich einen von Greenvest Solar bereits umgesetzten Solarpark in Lauingen angesehen hätte. „Das ist in Sachen Naturschutz wirklich sehr schön“, so sein Fazit.

Hecke als Sichtschutz

Die Module werden aufgeständert, so dass Hase und Co. hoppeln können. Falls gewünscht, werde eine Hecke als Sichtschutz gepflanzt. Die Parks müssen mit einem zwei Meter hohen Zaun umgeben sein, um Mensch und Tier vor der Hochspannung zu schützen.

Mit Spannung erwarteten die Investoren die Entscheidung der Gemeinderäte. Pachtverträge mit den vier betroffenen Landwirten, die das ganze Projekt selbst angestoßen haben, sind bereits geschlossen. Bei fünf der geplanten Anlagen stimmte das Gremium dafür, wobei die Entscheidung bei der Fläche auf der ehemaligen Baumschule (Flur 244) mit 5:4 Stimmen sehr knapp ausfiel. Die Gemeinderäte Otto Riedelsheimer, Albert Meier und Manuel Gayr durften bei einigen Parks nicht abstimmen, da Familienmitglieder Besitzer der Flächen sind.

Eine Fläche in Natterholz (Flurstück 40), die direkt an bebaute Fläche heranreicht, erteilten die Räte eine klare Absage, gleiches galt für ein Gebiet „Am Kirchweg“ (Flurstück 264). Den Acker mit der Flurnummer 247 nördlich vom Dorf Daiting wollen sich die Gemeinderäte gesondert vor Ort ansehen und Ende August darüber entscheiden.

„Daiting wird dann wohl nicht ganz so sonnig“, scherzte Bürgermeister Wildfeuer am Ende der fast zweistündigen Diskussion. Immerhin wurden insgesamt über elf Hektar Solarfläche auf den Weg gebracht. Über weitere 2,2 Hektar wird noch entschieden.

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