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12.08.2019

Wohin geht unser Plastikmüll?

Der Gelbe Sack wird alle vier Wochen abgeholt– hier in der Donauwörther Reichsstraße. Der AWV sammelt ihn ein, doch wo wird er entsorgt, recycelt, verbrannt? Was am Ende mit dem Plastik passiert, bleibt in einem gewissen Maß ein Geheimnis.

Plus Pro Jahr produzieren die Bürger in Nordschwaben pro Person etwa 25 Kilogramm Abfall, der über den Gelben Sack entsorgt wird. Das ist mehr als doppelt so viel als noch vor 20 Jahren. Woran das liegt und was mit dem Plastik passiert.

Im Jahr 2018 hat der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben (AWV) in der Region exakt 5574 Tonnen Plastikmüll mit dem Gelben Sack gesammelt. 1998 waren es noch etwa 2600 Tonnen. Die Menge der zu entsorgenden Verpackungen hat sich also in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt.

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Eine alarmierende Zahl angesichts der Diskussion um Plastikmüll in der Natur und Mikroplastik in Gewässern und Meeren? Nein, sagt Gerhard Wiedemann, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Nordschwaben (AWV). „Das bedeutet nicht, dass die Bürger in Nordschwaben immer mehr Plastik konsumieren. Es bedeutet vor allem, dass immer mehr Plastik durch den AWV gesammelt wird.“ 24,5 Kilogramm Verpackungsmüll produziert ein Bürger in Nordschwaben pro Jahr im Schnitt – mehr als der Durchschnittsbayer mit 20,3 Kilogramm pro Jahr.

"Das System ist völlig intrasparent"

Seit 1991 gibt es in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen den Gelben Sack, in dem die Bürger Leichtverpackungen getrennt vom Restmüll zum Abholen alle vier Wochen an die Straße stellen. Dass die dort entsorgten Milchpackungen und Folien am Ende im Meer in Malaysia schwimmen, kann Wiedemann nicht ausschließen. „Was am Ende mit dem Plastikmüll passiert, können selbst wir nur bis zu einem gewissen Schritt nachvollziehen“, so der Geschäftsführer. „Das System ist völlig intransparent.“

Wohin geht unser Plastikmüll?

Je nach Marktanteilen teilen sich acht verschiedene Duale Systeme in Deutschland den Markt an Plastikmüll in den Landkreisen. Für Nordschwaben zuständig ist der Grüne Punkt, der sich um die Verwertung der Verpackungen kümmert. Was er aus der Region abnimmt, wird bei der Firma Wurzer in Etting sortiert, etwa in Folien, Pet-Flaschen (Getränke), Hohlkörper (Shampoo-Flaschen) und weitere Gruppen. Wie es damit weitergeht, kann laut Unternehmen „aus wettbewerblichen Gründen“ nicht genannt werden.

Ebenfalls für die Entsorgung zuständig ist in Nordschwaben die Firma Landbell aus Mainz. Diese beauftragt wieder Subunternehmer für die Sortierung. Für den Landkreis Donau-Ries ist dies die Firma Böhm in Möttingen. Sortenrein geht der Plastikmüll dann zu Firmen in Deutschland, Österreich und in die Niederlande. Etwa 30 Prozent landen in einem der 68 Müllkraftwerke in Deutschland, 39 Prozent werden recycelt und beispielsweise als Schutzhüllen für Telefonkabel genutzt. „Plastik kann maximal zwei Mal wiederverwertet werden“, erklärt der Experte Wiedemann. „Glas kann hingegen 50 Mal und Papier 30 Mal in den Konsumkreislauf zurückkehren.“ Jeder Kunde solle das bei seinem Einkauf stets bedenken.

31 Prozent sind Sortierreste

Der Rest des Plastikmülls, also 31 Prozent, sind sogenannte Sortierreste – die Kategorie Müll, die keiner haben will und theoretisch ins Ausland verfrachtet wird. „Der Export von Plastikmüll sollte schlicht verboten werden“, sagt Wiedemann dazu. Er plädiert dafür, Mischkunststoffe als gefährliche Abfälle zu deklarieren, denn dann dürften sie nicht ins Ausland gebracht werden. Doch nach wie vor sei es einfach der billigste Weg, die Plastik-reste zu verschiffen. Und am Ende gehe es bei der Müllentsorgung schlicht ums Geld. Die Kosten für die Entsorgung von Plastik zahle übrigens der Konsument: beim Einkauf an der Supermarktkasse.

Deshalb sei der beste Weg, Plastikmüll so gut es geht zu vermeiden. Mit Ideen- und Fotowettbewerben in Schulen will der AWV die Jüngsten für das Thema sensibilisieren: Ketchup im Glas kaufen statt in der Plastikflasche, Trinkflaschen aus Edelstahl zum Wiederauffüllen mitnehmen statt immer wieder eine neue Einwegsafttüte auszutrinken – kleine Schritte können für große Wirkung sorgen. Die Regens-Wagner-Schule aus Dillingen hat sogar ein Geschäftsmodell daraus gemacht. Aus dem Innennetz-Futter von Sportjacken nähen die Schüler Beutel für den Einkauf von Obst und Gemüse und verkaufen diese.

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