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Kulturtage

23.10.2019

Worte – Töne – Emotionen

Komponist und Musiker Tom Lier (links) mit (von links) Stephane Bölingen, Jürgen Lechner, Tom Amir, Ylva Stenberg und Lea Hänsel.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Der hiesige Komponist und Musiker Tom Lier gestaltet einen ganzen Konzertabend mit eigenen Gedicht-Vertonungen und hat dabei grandiose Künstler – zum Teil aus der Region – an seiner Seite

„Ein wunderbarer Abend, für den wir danken möchten.“ Unisono geäußerte Anerkennung der vielen Besucher, nach langem stehendem Applaus für Interpreten und Komponisten. Ausschließlich begeisterte Mienen, Bewunderung für das Gehörte, „das wir nicht mehr missen möchten“.

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Ein tonal komponierender Komponist, eine Klarinettistin, ein Moderator aus der Region, dazu eingeladen Sänger, ein Pianist: Das waren die Ingredienzien für einen Liederabend des Mertinger Kulturkreises im Rahmen der Donauwörther Kulturtage. Und ein Bariton, von einer Erkältung geschlagen. Hätte schiefgehen können – doch das Resultat war ein sängerisch wie musikalisch äußerst beglückender Konzertabend. Dank aller: des Komponisten wie der Interpreten.

Ein Abend nur mit Liedern des Komponisten Tom Lier – „Der Pilger“ und der „Tangerding-Zyklus“ und dazwischengestreuten Impromptus und Intermezzi. Ansprechende, musikantische Miniaturen, von der hochbegabten Klarinettistin Lea Hänsel aus Oberndorf, begleitet von dem großartigen, kongenialen Pianisten Stéphane Bölingen, zauberhaft vorgetragen.

Worte – Töne – Emotionen

Doch zunächst zu einem „Urgestein“ der hiesigen Theaterszene: Jürgen Lechner aus Schweinspoint. Der mit seinen nachdenklich-philosophisch-ironischen Betrachtungen zum Leben und seinen Daseinsformen in den Bann schlug, auch immer wieder ein Schmunzeln beim Publikum erzeugte. Wenn er den Menschen mit all seinen Schwächen liebevoll und ohne hochgereckten Zeigefinger vorstellte. Er kannte seinen Komponisten und dessen Werk – seine pointierten Anmerkungen unterstrichen das Vorgetragene sehr wirkungsvoll.

Tom Lier, der Komponist, ist nun wahrlich kein Unbekannter – immer wieder werden seine Oratorien (wie der „Sonnengesang“) und geistlichen Kompositionen vor riesengroßer Zuhörerzahl aufgeführt, werden seine eingängigen Werke von den unterschiedlichen Ensembles ins Repertoire genommen.

Nicht zuletzt war er mit seinem sinfonischen Tongemälde „Die Seereise“ 1918 im Donauwörther Zeughaus triumphal zu Gast. Aber ein „ganzer“ Liederabend war auch für ihn ein Novum: Es wurde eine anspruchsvolle, mit stehendem Beifall gefeierte Premiere.

Er hatte Gedichte vertont: Von Charlotte Tangerding (die mit ihrem früh verstorbenen Mann die Mertinger Firma Südstahl gegründet hat), Hermann Hesse („Irgendwo“, das titelgebende „Der Pilger“: Immer war ich auf der Fahrt, immer Pilgersmann, und „Nebel“), Friedrich Rückerts „Kehr ein bei mir“, Joseph von Eichendorffs „Morgengebet“ oder Achim von Arnims „Der Mensch ist bald vergessen“ und andere mehr.

Seine eindrucksvolle musikalische Umsetzung verdeutlichte gerade bei Tangerding, wie reizvoll die ausgewählten Gedichte („Für dich“, „Worte, Worte …“, „Immer ist ein Glück“, „Manchmal“ und andere mehr) waren, er spürte den dort freigesetzten Gefühlen intensiv nach und setzte sie einfühlsam in Töne um: die Entschiedenheit, die Zuneigung, aber auch die Trauer und den Verlust. Beeindruckend auch seine Hesse-Vertonungen, das Sich-verloren-Fühlen in „Nebel“, oder die „Letzte Erkenntnis“ von Anton Wildgans: Freilegen des Menschseins in Wort und Musik, Aufwerfen existenzieller Fragen.

Die schwedische Sopranistin Ylva Stenberg, Ensemblemitglied der Oper Weimar, ARD-Preisträgerin 2017 und im Donau-Ries bestens eingeführt, meisterte die Riesenpartie der Tangerding-Lieder grandios. Gleich, ob volksliedhafte Anmutung oder schlichte Klarheit, der musikalischen Klassik oft zu eigen, elegische, gar melancholische Farbe, wie sie die Romantik liebt, oder große, opernhafte Attitüde – sie sang in strahlender Schönheit, opulenter Höhe und farbiger Dynamik. Dazu nun der „Einspringer“ Tom Amir – ein Glücksfall, der sich seinen anspruchsvollen Part in den ihm zur Verfügung stehenden drei Tagen zu eigen machte und höchst überzeugend wiedergab. Sein bronzemetallen-tenoral gefärbter Bariton war eine höchst ansprechende Ergänzung, in Wiedergabe, Deklamation und Färbung begeisternd. Dank an den erkrankten Manuel Kundinger für diese Hilfe!

Zwei Zugaben – Emily Dickinsons „I Shall Not Live in Vain“ und Hesses „Welkes Blatt“: großartiger Abschluss eines denkwürdigen, musikalisch höchst überzeugenden Abends!

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