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Harburg

23.12.2019

Zeitung kehrt nach Harburg zurück

Die Komplettausgabe der Harburger Zeitung befindet sich jetzt im Stadtarchiv. Die 25 Bände spendierte ein Heimatforscher aus Gundelfingen.
Bild: Wolfgang Widemann

Durch glückliche Zufälle gelangt das Stadtarchiv an die Komplettausgabe des örtlichen Blatts, das von 1912 bis 1933 existierte.

Aus heutiger Sicht ist es bemerkenswert, dass Harburg einmal eine eigene Tageszeitung hatte. Von 1912 bis 1933 brachte der Buchdrucker Otto Spielberger die Harburger Zeitung heraus. Ein Teil der Ausgaben ist seit längerer Zeit im Stadtarchiv vorhanden – allerdings in Einzelblättern und einem zunehmend schlechten Zustand. Nun ist die Kommune gleich durch mehrere glückliche Umstände in den Besitz der Komplettausgabe gelangt. Soll heißen: jede einzelne Ausgabe über einen Zeitraum von 21 Jahren, sauber gebunden in 25 gewichtigen Bänden. Damit hätten Stadt und Archiv ein „Weihnachtsgeschenk“ bekommen, stellte Richard Hlawon nun im Stadtrat fest. In der Sitzung zog der pensionierte Lehrer, der sich seit 2017 im Auftrag der Kommune um das Archiv kümmert, eine erste Bilanz seiner Arbeit.

Zunächst aber schilderte Hlawon, wie die Komplettausgabe der Harburger Zeitung in die Burgstadt kam. Demnach entdeckte der in Gundelfingen wohnhafte Hobby-Heimatforscher Felix Vogt-Gruber, der dort das Sudetendeutsche Heimatmuseum betreibt, vor etwa 20 Jahren in Holzheim (Kreis Dillingen) bei einer Sperrmüllsammlung die 25 Bände, nahm sie mit und bewahrte sie bei sich auf. Bei einer Tagung 2019 in Irsee kamen Hlawon und Vogt-Gruber ins Gespräch.

Salami und Bier als Gegenleistung

Der Gundelfinger entschied spontan, die Bände der Stadt Harburg zu überlassen – für die symbolische Gegenleistung von einer Salamistange und einer Flasche Bier, wie Hlawon den Räten schmunzelnd berichtete. Vogt-Gruber sei der Meinung, dass „Geschichte nichts kosten darf“.

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Der Harburger Archivar freut sich nun über Möglichkeit, vieles aus der Zeit von 1912 bis 1933 zu erfahren: „Das ist ein wirklich wertvoller Zugang.“ Die Bände seien in einem sehr guten Zustand und gehörten wohl Herausgeber Otto Spielberger. Wie sie einst nach Holzheim gelangten, darüber könne man nur spekulieren. Tatsache sei, dass Spielberger, dem die Nazis 1933 verboten, die Zeitung weiter herauszugeben, 1955 mit seiner Familie nach Augsburg zog.

Ein erster Bericht des Stadtarchivars

Das Archiv sei „das Langzeitgedächtnis der Stadt“, führte Richard Hlawon weiter aus. Die Stadt habe das Material aus der Kernstadt und den Ortsteilen, die in den 1970er-Jahren eingemeindet wurden, inzwischen in der Alten Schule gegenüber dem Rathaus eingelagert. Es handle sich unter anderem um Urkunden, Ratsprotokolle, Tagebücher von Stiftungen und Vereinschroniken, aber auch Fahnen, Fotos, Dias und Gemälde. Die älteste Urkunde stamme aus dem Jahr 1483 und stammt von der Bruderschaft von St. Barbara. Die pflegte Hlawon zufolge damals die Stadtpfarrkirche.

Der Archivar ist wöchentlich fünf Stunden in der Alten Schule tätig. Dort katalogisiert und sortiert er die Unterlagen, befreit diese von Metall und lagert sie in Kartons ein. Davon seien bereits 250 gefüllt. Hinzu kämen 90 Regalmeter Akten, die noch verpackt werden müssten. Aus der Stadtverwaltung bekommt Hlawon Unterstützung von Anita Schülein. Man habe mit den beiden Kräften ein „gutes Team“, merkte Bürgermeister Wolfgang Kilian an.

Archiv ist montags für die Allgemeinheit geöffnet

Hlawon berichtete, dass man in den vergangenen beiden Jahren auch Bestände von „auswärts“ aufgenommen habe. Dazu gehörten Gemeindeakten aus Großsorheim, die offenbar ein Lehrer nach dem Krieg mitnahm. Sie tauchten in Nördlingen wieder auf. Das Archiv bekam auch Dia- und Fotosammlungen. Auf der anderen Seite habe man der Stadt Nördlingen mit Bildern bei der Gestaltung einer Ausstellung helfen können, so Hlawon. Diverse Schüler hätten für Seminararbeiten im Archiv geforscht. In diesem hätten auch heimatgeschichtliche Forscher nach Informationen gesucht und diese gefunden.

Hlawon bat die Räte und die Öffentlichkeit um Unterstützung. Wenn „historischen Stücken“, wie zum Beispiel Feldpostbriefen oder Sterbebildern die Entsorgung drohe, könne er gerne kontaktiert werden: „Im Archiv sind sie willkommen.“ Hlawon machte darauf aufmerksam, dass das Stadtarchiv am Montagvormittag prinzipiell für jedermann offen sie. Eine vorherige Anmeldung empfehle sich.

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