1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Zustimmung „mit Bauchschmerzen“

Donauwörth

27.05.2015

Zustimmung „mit Bauchschmerzen“

Im vorderen Abschnitt wird bereits fleißig gebaut – weiter westlich wurden zumindest schon die leer stehenden, maroden Wohnblöcke weggerissen. An der Dillinger Straße in Donauwörth wird es weiterhin viel zu tun geben: In der Diskussion stehen Radwege, Verkehrskonzept und eine Parkhaus-Erweiterung am Bahnhof.
Bild: Hilgendorf

Das geplante Einkaufszentrum am Donauwörther Bahnhof sorgt auch für Kritik im Stadtrat. Umstritten sind mitunter Größe, Sortiment – und die Verkehrsprognose.

Von Thomas Hilgendorf

Im Rahmen der Planungen zum neuen Großeinkaufszentrum am Donauwörther Bahnhof keimt mittlerweile auch Kritik aus den Reihen des Stadtrates auf. Das scheint alles andere selbstverständlich zu sein – zumal es um ein Gebiet geht, das den meisten jahrelang ein Dorn im Auge war.

Die an sich schön anzuschauende Stadt hat eine ganze Reihe pittoresker Inseln – dazwischen die hässliche Brachfläche an der Dillinger Straße. Leerstand, Verfall, alter Müll und verwachsene Sträucher. Seit den 1980er Jahren hat die Stadt Donauwörth um jenes Gebiet westlich des Bahnhofs gerungen. Jetzt hat sie es erworben und an einen Investor veräußert. Und just zu dieser Zeit mehren sich nun die zweifelnden Stimmen. Die Hauptfragen der Kritiker sind hierbei: Ist das, was da gebaut werden soll, nicht doch am Ende überdimensioniert? Sollte hier noch umgeplant werden?

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Im Stadtrat hörte sich das brisante Thema erst einmal recht nüchtern an, als Stadtbaumeister Kay Wannick die Stellungnahmen verschiedener Behörden, Firmen, Verbände und Einzelpersonen verlas. Wannick muss das tun, denn schließlich will man hierzulande geordnete Verhältnisse im Baubereich. Zu Beginn der Sitzung klang also alles noch recht nett, kaum Kritik und Anregungen vonseiten der Deutschen Bahn und den anderen Nachbarn. Aufsehen erregte aber das Gutachten des Handelverband Bayern, das unserer Zeitung bereits im Vorfeld vorlag (wir berichteten): Dieses besagt, dass womöglich die Geschäfte an der Reichsstraße gefährdet sind. Das geplante Sortiment am Bahnhof, etwa durch Textil- und Schuhläden, könnte demnach ein Überangebot entstehen lassen. Man spricht auch vom „Müllermarkt-Effekt“, weil jene Drogerie-Kette neben der bestehenden Filiale in der Reichsstraße auch eine Dependance am Bahnhof planen soll.

Stadtrat Wolfgang Fackler (CSU) widersprach den Einwänden entschieden: Das Gesamtprojekt werde eine durchweg positive Entwicklung nach sich ziehen und auch der Müllermarkt werde hier wie dort seine Kundschaft haben. Kurzum: Überschneidungen seien kaum denkbar, vielmehr entstünden dagegen „Ergänzungen“. Hauptargument war für ihn wie auch für Heinrich Kopriwa (SPD/ BfD) das von der Stadt in Auftrag gegebene CIMA-Gutachten, welches dem neuen Shoppingzentrum viel Potenzial bescheinigt, ohne dass dieses anderen Bereichen zu viel Kundschaft wegnähme. Allerdings ist beim CIMA-Gutachten die folgende Prämisse herauszulesen: Es sollte eben keine Dopplungen geben – dafür grundlegend neue Konzepte.

In diese Richtung stießen die Einwände im kommunalen Gremium. Dr. Stefanie Musaeus (PWG/ FW) meinte: „Ich unterstütze das Projekt, allerdings mit Bauchschmerzen. Es ist eventuell doch zu groß geworden.“ In Verbindung mit dem vom Investor in direktem Zusammenhang anberaumten, parallelen Bau des Supermarktes in der Parkstadt sei das Ganze jedoch „okay“. Wie auch Albert Riedelsheimer (Grüne) mahnte Musaeus die derzeit für viele unbefriedigende Radwege-Situation in der Bahnhofsgegend an: Hier gebe es bei den Planungen noch Nachbesserungsbedarf. Auch Riedelsheimer monierte die Größenentwicklung des Vorhabens: „Es wächst und wächst.“

Josef Reichensberger (AL/JB) sagte: „Die Reichsstraße wird es merken, die Bedenken haben ihre Berechtigung.“ Vor allem aber gebe die zu befürchtende weitere Anspannung der Verkehrssituation an der Dillinger Straße zu Stoßzeiten Anlass zu Kritik. Man müsse über eine Verbreiterung der Straße in der Nähe der BayWa nachdenken.

Manfred Hofer (EBD) argumentierte dagegen mit dem Verweis darauf, dass die Stadt mit dem Einkaufszentrum „Türen geöffnet“ habe: „Es entsteht dort ein ganz neuer Stadtteil“, auch durch die Apartmentwohnungen. Dies sei grundsätzlich als Chance zu werten.

Gustav Dinger (ÖDP) hatte indes eigens schriftlich Stellung zu dem Großvorhaben genommen. Er wiederholte seine Kritik im Stadtrat: „Zum Teil wurden uns Märchen und Halbwahrheiten erzählt.“ Strittig sei die aktuell in den Planungen verzeichnete Dimension des Einkaufszentrums – bis zu 7200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Man sei als Stadt nicht an diesen Entwurf gebunden, hätte vielmehr die Möglichkeit, diesen „zurechtzustutzen“.

Doch gerade das lange Ringen um den Erwerb der Brachflächen und die Aussicht auf baldige Entwicklung ließen nun auch bei der dritten Auslegung des Bauvorhabens die Ratsmehrheit mit „Ja“ stimmen. Fünf Stadträte votierten dagegen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren