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Jugendhilfe

22.11.2019

Zwei Familien kosten Kreis eine Million

Wohnen im Kinderheim. So wichtig die Hilfe für so manche betroffene Kinder im Landkreis auch ist – zum Teil kosten die pädagogischen Maßnahmen, die das Landratsamt bezahlen muss, viel Geld.

Plus Der Etat für das Ressort steigt dieses Jahr im Landkreis Donau-Ries recht kräftig an. Dafür gibt es einige Gründe – einer davon hat das Jugendamt ziemlich überrascht.

Die Sätze standen schwarz auf weiß auf der Leinwand – und trotzdem mussten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch im Landratsamt Donauwörth zweimal hinsehen, ob da nicht doch eine Null zu viel getippt worden war. Das Budget für die Jugendhilfe steigt heuer überdurchschnittlich um gut 1,3 Millionen Euro an. Davon entfallen laut Jugendamtsleiter Adelbert Singer 950000 Euro auf die unterstützenden Ausgaben des Landkreises für zwei zugezogene Familien. Was steckt hinter dieser hohen Summe?

Die Aufgaben des Landkreises in der Jugendarbeit nehmen immer mehr zu

Eines stellte Amtsleiter Singer ebenso rasch fest wie sein Vorgesetzter, Landrat Stefan Rößle: Die Aufgaben des Landkreises in puncto Jugendarbeit steigen und steigen. Das sei ein genereller Fakt, der flächendeckend zutreffe. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unter anderem werden die Veränderungen der familiären Strukturen genannt, mitunter Orientierungslosigkeit. Doch auch der Faktor Migration (Gastarbeiterkinder der zweiten und dritten Generation) schlägt sich bei den Ausgaben für die Jugendhilfe „vermehrt“ nieder, wie Singer erläuterte.

Auch die pädagogische Arbeit mit sogenannten „Systemsprengern“ unter Jugendlichen und generell „auffälligen Kindern“ nehme zu: „Die Jugendämter sind teilweise hilflos, was an Problemen mit teils schon Acht- und Neunjährigen auftritt, ganz zu schweigen von den Vierzehn- und Fünfzehnjährigen“, so der Behördenleiter vor dem Ausschuss. Es sei zudem ein gewichtiger gesellschaftlicher Wandel nicht zu übersehen: „Familiäre Sicherungs- und Helfersysteme greifen nicht mehr oder nur gegen Geld.“

Auch die „Anspruchshaltung“ vieler Eltern gegenüber der Kreisbehörde nehme zu, wie auch die Wohnraumproblematik bei Jüngeren, etwa bei schwangeren jungen Frauen. Doch allein gesetzlich sei man verpflichtet, die (steigenden) Zahlungen zu leisten. Als Beispiel nannte Singer das Bundesteilhabegesetz. Die Folge: Die Ausgaben ließen sich kaum oder zum Teil auch gar nicht steuern vor Ort. Dazu komme ein „finanzielles Planungsrisiko“, da durch „Zuzug von Familien oder durch unvermeidbare Unterbringung von Kindern im stationären Setting hohe, unabsehbare Steigerungen der Ausgaben erfolgen können.“

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Gesellschaft ohne Halt?

Heimkosten wurden über Harburg bei Hamburg abgerechnet

Hierzu stellte Singer das eingangs erwähnte Beispiel vor, das dem Landkreis für das Haushaltsjahr 2020 merklich höhere Ausgaben beschert: Zwei Familien zogen zu, bei beiden waren in der Vergangenheit die Jugendämter zuständig – nun muss das hiesige in Donauwörth die Fälle übernehmen. Dabei geht es auch um besondere Heimunterbringungen mit hohen Tagessätzen. Diese lägen momentan gemeinhin zwischen 200 und 400 Euro. Bei einer Familie war eigentlich auch in den vergangenen Jahren das Landratsamt in Donauwörth zuständig. (Die Mutter kommt aus dem Landkreis Donau-Ries, die Kinder leben jedoch in Norddeutschland in einem Heim). Die Heimkosten wurden allerdings über Hamburg-Harburg abgerechnet, weil man im Norden schlichtweg nicht an Harburg in Schwaben dachte. Nun trudelten die Rechnungen mehrerer Jahre in Donauwörth ein. Sie haben einen erheblichen Anteil an den 950000 Euro Ausgaben für die beiden zugezogenen Familien. Landrat Rößle sprach deswegen von einer „Sondersituation“, für die man in seiner Behörde nichts könne.

Gesamtausgaben für "Eingliederungshilfen" bei 3,5 Millionen Euro

Im zweiten Fall ist eine Familie in den Kreis gezogen, der Familienvater sitzt in der JVA Kaisheim ein. Somit ist der Landkreis Donau-Ries jetzt zuständig. „Das werden Langzeitfälle für uns“, resümierte Rößle – die Gesetze allerdings ließen eben keine Alternativen zu, man sei zuständig.

Einen großen Teil der Ausgaben im Jugendhilfebereich machen derweil die „Eingliederungshilfen“ für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche aus, was laut Singer dem Bereich „Inklusion“ zuzuordnen ist. Die Gesamtausgaben dafür liegen 2020 bei 3,8 Millionen Euro (Vorjahr: 3,25 Millionen).

Auch für Schulbegleitungen lägen die Ausgaben bei künftig gut einer Million Euro. Insgesamt liegt der Etat 2020 des Amtes für Jugend und Familie bei 8,9 Millionen Euro – im Vorjahr waren es noch 7,6 Millionen.

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