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Corona

14.04.2020

Zwei Heimbewohnerinnen gestorben

Das Bissinger Heim Pro Seniore, in dem es zu Todesfällen im Zusammenhang mit Corona gekommen ist.
Bild: von Weitershausen

Traurige Nachrichten aus Bissingen. Das Gesundheitsamt bestätigt Todesfälle bei Pro Seniore. In der Einrichtung sind mittlerweile 40 Bewohner und elf Mitarbeiter infiziert

Es sind traurige Nachrichten, die sich am Ostermontag binnen weniger Stunden überschlagen haben. Das Gesundheitsamt Dillingen bestätigt zwei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Seniorenheim Pro Seniore in Bissingen. Der Behörde wurde über den behandelnden Hausarzt gemeldet, dass eine Bewohnerin aus dem zuerst von einer Corona-Infektion betroffenen Wohnbereich des Seniorenheims in Bissingen in der Nacht zum Ostersonntag plötzlich verstorben ist.

Eine weitere Seniorin starb bereits am Karsamstag im Krankenhaus in Nördlingen. Sie war dort laut Gesundheitsamt bereits im März längere Zeit wegen einer Lungenentzündung behandelt worden. Und weiter: „Der SARS-Cov-2-Erreger konnte während dieses stationären Aufenthalts nicht nachgewiesen werden.“ Nachdem sich der Gesundheitszustand verbessert hatte, wurde die Frau im Pflegeheim Bissingen aufgenommen.

Weil sich ihre Verfassung aber mit erneuten Atemproblemen am Karfreitag verschlechtert hatte, erfolgte eine Wiederaufnahme im Krankenhaus. Daraufhin wurde ein Abstrich vorgenommen. Am Samstag ist die Patientin an den Folgen einer beidseitigen Lungenentzündung gestorben. Der positive Befund des am Vortag entnommenen Abstrichs wurde dem Gesundheitsamt am Ostermontag übermittelt. Demnach war die Patientin zum Zeitpunkt, als sie verstarb, mit dem SARS-Cov-2 Erreger infiziert, bestätigt die Behörde. Peter Müller, Pressesprecher der Pro Seniore-Residenz in Bissingen, sagt gegenüber unserer Zeitung: „Die Situation war so unerwartet. Wir sind getroffen, betroffen und kämpferisch. Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern versuchen mit allen Mitteln gegen den Virus zu kämpfen.“

Zwischenzeitlich seien die Schutzmaßnahmen auf höchster Stufe, beispielsweise werden infizierte Bewohner ausschließlich von Mitarbeitern mit Ganzkörper-Schutzmaßnahmen betreut. Das passiere in enger Absprache mit dem Dillinger Gesundheitsamt. Die Behörde teilt am Ostersonntag mit, dass kranke und positiv getestete Mitarbeiter für mindestens 14 Tage vom Dienst ausgeschlossen sind.

Neben den traurigen Meldungen über die zwei Todesfälle, teilt das Gesundheitsamt auch die Ergebnisse der Test mit. Die Zahl der infizierten Menschen im Bissinger Seniorenheim ist drastisch gestiegen. Fast alle Wohnbereiche sind von der Infektion betroffen. Nur in dem beschützenden Bereich mit vielen dementen Bewohnern ließ sich bislang keine Erkrankung nachweisen. Demnach haben sich mindestens fünf weitere Mitarbeiter, somit insgesamt inzwischen elf Mitarbeiter und insgesamt 40 Bewohner, mit dem Virus infiziert. Ein Bewohner befindet sich in stationärer Krankenhausbehandlung.

Wie berichtet, sah es zuerst „nur“ nach einem einzigen Fall aus. Am Montag vor einer Woche wurde bekannt, dass sich eine Mitarbeiterin, die aus dem Landkreis Donau-Ries stammt, sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Das Bissinger Seniorenheim reagierte in Absprache mit dem Gesundheitsamt sofort. Trotzdem konnte die rasante Infizierung nicht verhindert werden und forderte Stand Ostermontag zwei Todesopfer. Dabei, so das Gesundheitsamt, handelte es sich um zwei Seniorinnen mit jeweils schweren Vorerkrankungen. Aber laut Angaben des behandelnden Hausarztes waren bei der Frau, die in der Osternacht gestorben ist, in den Tagen zuvor keine Anzeichen einer Corona-Infektion erkennbar. Die Bewohnerin hatte eine Grunderkrankung, die nicht mit den Risikofaktoren einer schwer verlaufenden Corona-Infektion in Zusammenhang zu bringen ist. Zudem zeigte sie insbesondere keine Symptome wie Fieber und Atemnot.

Trotz aller schlechten Nachrichten versuchen die Mitarbeiter im Bissinger Heim positiv zu bleiben, wie Peter Müller betont: „Die Belastbarkeit hat ihre Grenzen. Aber die Allermeisten vor Ort haben die ‚Jetzt-erst-Recht-Stimmung‘. Niemand verliert gerne Bewohner, die man kennt.“ Dafür werden Mitarbeiter benachbarter Einrichtungen mobilisiert, die im Bissinger Pro Seniore mithelfen. „Die Kollegen sind sehr betroffen, aber auch sehr berührt von der großen Hilfsbereitschaft aus der ganzen Umgebung“, schildert Müller weiter. So seien am Ostermontag auf eigene Initiative ein Pfarr- und ein Polizeiseelsorger ins Bissinger Seniorenheim gekommen und haben dort einige Stunden die Bewohner und Mitarbeiter aufgemuntert. „Alle kämpfen mit“, so Müller. Das gebe allen ein gutes Gefühl, denn nicht nur Angehörige, sondern auch die Bissinger Mitarbeiter sind besorgt. „Im Moment ist jeder gefährdet – auch, wenn Senioren zuhause wären. Wir wollen alle nicht, dass noch mehr passiert.“

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