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Wemding

08.04.2008

Zwei "Hundsbrunzer" entwickeln sich zu einer haarigen Angelegenheit

Sie heißen im Volksmund "Hundsbrunzer", werden aber in den oft engen Gassen der historischen Ortszentren der Region nicht deshalb an die Ecken der Gebäude gesetzt, damit "Fiffi" und "Waldi" ihr Geschäft daran verrichten können. Vielmehr sollen die Blöcke oder Säulen aus Stein oder Beton verhindern, dass Fahrzeuge in unliebsamen Kontakt mit dem jeweiligen Haus kommen.

In Wemding hat die Eigentümerin eines kleinen Wohnhauses, das in der Webergasse komplett saniert wurde, im Herbst 2006 zwei Steinsäulen vor dem Bauwerk platzieren lassen. "Die runden das ganze Ensemble ab und gehören einfach dazu", meint Marie-Luise Raul. Der Stadt und dem Landratsamt sind die beiden etwa einen Meter hohen Stelen, auf die hölzerne Blumentöpfe gesetzt sind, aber ein Dorn im Auge. Sie beschäftigen Stadträte und Behörden bereits seit Monaten. Damit nicht genug: Reinhold Waber, der Anwalt der Hauseigentümerin, hat nun das Verwaltungsgericht eingeschaltet.

Vor rund eineinhalb Jahren gab es an dem Haus einen Ortstermin, an dem der zuständige Architekt und Bürgermeister Jürgen von Streit teilnahmen. Was genau damals über die Steinsäulen beziehungsweise deren Standort gesprochen wurde, weiß der Rathaus-Chef nicht mehr, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. Es sei nichts protokolliert worden. Er habe zunächst kein Problem bei der Platzierung der Stelen gesehen, jedoch auch keinesfalls eine feste Zusage gemacht. Schließlich habe da der Bauausschuss des Stadtrats das letzte Wort.

Und die Räte seien wenig später alles andere als erfreut gewesen, als sie sahen, dass die Säulen aus Naturstein nicht direkt an das Gebäude gesetzt wurden, sondern etwa zwei Handbreit von diesem entfernt. Die Stelen ragen dem Bürgermeister zufolge 20 beziehungsweise 17 Zentimeter über die genehmigte Grenze hinaus, ganz abgesehen von den Blumenkästen. "Das sind zwar nur ein paar Zentimeter, aber in einer solchen Gasse machen die was aus", so von Streit. Schließlich sei die Straße an dieser Stelle zwischen den Säulen und der gegenüberliegenden Hauswand nur 4,05 Meter breit.

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Die Stadträte wollten zum einen keinen Präzedenzfall schaffen, zum anderen seien die Säulen in dieser Form ein Gefahrenmoment. Folge: Die Eigentümerin wurde aufgefordert, die Stelen direkt am Haus zu postieren.

"Direkt am Haus sähen die Säulen fürchterlich aus"

Marie-Luise Raul lehnt dies ab: "Direkt am Haus sähen die Säulen fürchterlich aus." In der Altstadt gebe es doch genügend andere Dinge, über die man sich aufregen könnte. Und vor ihrem Haus kämen ohnehin nicht zwei Autos aneinander vorbei. Hingegen vermutet der Rathaus-Chef "puren Egoismus" hinter dem Standort für die Stelen, "damit niemand vor dem Gebäude parken kann". Es könne nicht sein, "dass ein rein privates Wunschinteresse vor dem öffentlich-rechtlichen geht".

Das Landratsamt in Donauwörth wurde eingeschaltet. Nach einigem Hin und Her schickte die Behörde der Eigentümerin im November 2007 eine "kostenpflichtige Beseitigungsanordnung mit Zwangsgeld-Androhung" - und zwar "aus denkmalschutzrechtlichen Gründen wegen der Bewahrung des ortstypischen Straßenbildes im Ensemble Wemding".

Für vorbildliches Renovieren vom Landkreis gewürdigt

Weil weiter nichts passierte, wurde auch die Stadt nochmals aktiv. "Im Sinne der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" stellte Bürgermeister von Streit der Eigentümerin eine letzte Frist, bis heutigen Mittwoch die Stelen an die Hauswand zu setzen. Sollte dies nicht geschehen, würde sie der städtische Bauhof entfernen. Für "unangebracht und überzogen", hält Anwalt Waber dieses Vorgehen. Er verweist darauf, dass Marie-Luise Raul vom Landkreis sogar für "vorbildliches Renovieren" gewürdigt worden sei. Zudem gehörten im vorigen Jahr die Blumentöpfe auf den Stelen zum "Fuchsienrundgang", mit dem die Stadt Touristen lockt.

Eilantrag auf einstweiligen Rechtsschutz

Reinhold Waber stellte am Montag beim Verwaltungsgericht Augsburg einen Eilantrag auf einstweiligen Rechtsschutz. Damit solle verhindert werden, dass die Kommune die Säulen wegnehme, teilt der Rechtsanwalt mit. Von Streit rief sogleich die Räte des Bauausschusses zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ergebnis: "Wir bleiben bei unserer Linie." Darüber hinaus würden die Stelen in der jetzigen Form überhaupt nicht mehr akzeptiert, sondern nur noch kleinere Abweiser unmittelbar am Haus, "wie im Bauplan vorgesehen und vom Landratsamt genehmigt", so der Rathaus-Chef.

Die Zeichen stehen damit mehr denn je auf Konfrontation und die "Hundsbrunzer" entwickeln sich zusehends zu einer haarigen Angelegenheit.

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