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DZ-Adventskalender

15.12.2020

Türchen 15: Santa Clause

AZ-Grafik

Öffnen Sie das fünfzehnte Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Heute: Santa Clause

Ist Santa Claus tot? Hätte Scott Calvin den Mann auf dem Dach nicht gestört, dann wäre der Alte nicht herabgefallen. Jetzt liegt er regungslos in einer Schneewehe. Scott und sein Sohn Charlie durchsuchen den roten Mantel und finden eine Art Visitenkarte. „Sollte mir etwas zustoßen, ziehe mein Kostüm an. Die Rentiere wissen, was zu tun ist“ steht darauf geschrieben. Scott steht zwar in Unterwäsche vor seinem Haus, dennoch zögert er, das viel zu große Gewand des korpulenten Mannes anzulegen. Erst auf Charlies Bitten hin schlüpft er in die Hose, wirft er sich den Mantel über, in dem er fast verschwindet und plumpst in den Schlitten. Und dann geht auf einmal alles ganz schnell. Die Rentiere setzen sich in Bewegung, fliegen durch die Luft und landen auf dem nächsten Dach. Ein Sack mit Geschenken wird zu einem Luftballon und schwebt mit Scott zum Schornstein, wo er hineingesogen wird und in einem Kamin landet. Zeit, die Geschenke unter den Baum zu legen. Scott Calvin ist Santa Claus geworden. Der alte hat sich inzwischen in Luft aufgelöst.

So schnell kann es gehen. Eben noch ganz normaler Durchschnittsbürger und nun der Weihnachtsmann. Genau das passiert in dem amerikanischen Film „Santa Clause“ von 1994, zu Deutsch „Eine schöne Bescherung“. Warum der deutsche Verleih einen derartig nichtssagenden Titel gewählt hat, ist unklar. Der englische Titel ist ein Wortspiel. „Clause“ heißt „Klausel“ und um eine solche geht es in dem Film. „Die Santa-Klausel“ hätte auch gepasst, aber vielleicht ist für deutsche Kinder ja zu hoch, was amerikanische offenbar leicht verstehen. Darum gibt es in den USA vermutlich auch die teuersten Anwälte.


„Santa Clause – Eine schöne Bescherung“ (Originaltitel: „The Santa Clause“) USA 1994, Regie: John Pasquin, Hauptdarsteller: Tim Allen (Scott Calvin / Santa Claus), Dauer: 97 Minuten

Aber zurück zu Scott Calvin (Tim Allen). Dieser hat durch das Anlegen der Santa-Klamotten einen Vertrag geschlossen. Das ist Klausel Nummer eins. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Rasch muss er alle Geschenke verteilen, was sich wider Erwarten als einfach erweist. Nach dem er seine Tour beendet hat, bringt ihn sein Schlitten an den Nordpol, in das Hauptquartier, wo ihn die Weihnachtselfen ein „Onboarding“ geben, wie das heutzutage heißt. Mit anderen Worten, sie erklären ihm, was er als Weihnachtsmann zu tun hat. Als erstes geht es noch einmal zurück in sein altes Leben, wo er seine Angelegenheiten regeln kann, bevor er endgültig an den Nordpol zieht. Damit beginnen aber die Schwierigkeiten. Irgendwie muss er seinen Mitmenschen erklären, was mit ihm geschehen ist – obwohl er selbst daran zweifelt, dass die Erlebnisse der Nacht real waren.

Sein Haar wird weiß, sein Bauchumfang nimmt zu

Sein Haar wird weiß, sein Baumumfang nimmt zu und der Bart wächst schneller nach, als er ihn abrasieren kann. Nachbarn und Kollegen wundern sich, aber was soll Scott ihnen sagen? Ich bin der neue Weihnachtsmann, der alte ist vom Dach gefallen? Nur sein Sohn Charlie (Eric Lloyd) ist fest davon überzeugt, dass das alles wahr ist und sein Papa den tollsten Job der Welt hat. Auch andere Kinder scheinen es instinktiv zu spüren und flüstern dem freundlichen weißbärtigen Herren auf der Straße ihre Wünsche zu. Scotts geschiedene Frau Laura (Wendy Crewson) und ihr neuer Ehemann (Judge Reinhold) vermuten jedoch, dass Scotts verändertes Wesen nur ein Trick ist, um den Sohn enger an sich zu binden. Klar, dass sich daraus jede Menge Verwicklungen ergeben und am Ende doch alles gut ausgeht.

„Santa Clause 2 – Eine noch schönere Bescherung“ (Originaltitel: „The Santa Clause 2“) USA 2002, Regie: Michael Lembeck, Hauptdarsteller: Tim Allen (Scott Calvin / Santa Claus), Elizabeth Mitchell (Carol Newman), Dauer: 105 Minuten, FSK 0 Trailer (englisch)

Santa Clause ist ein echter Familien-Film. Harmlos, aber doch witzig und spannend genug, dass keine Langeweile aufkommt. Und was macht ein Produzent in einem solchen Falle? Die Hollywood-Klausel ist da eindeutig – eine Fortsetzung muss her. Wo eine Klausel ist, da sind auch noch mehr. Davon handelt „Santa Clause 2“ von 2002 - „Eine noch schönere Bescherung“ (und ein noch dümmerer Titel). Weihnachten rückt immer näher, und Scott Calvin hat sich als Weihnachtsmann gut eingearbeitet. Da überraschen ihn seine Elfen mit zwei Neuigkeiten. Erstens muss der Neue sich noch vor dem Fest eine Frau suchen und sie heiraten. Ansonsten ist er seinen Posten wieder los, so will es eine eben erst wiederentdeckte Klausel.

Als ob das nicht schon genug Stoff für einen weiteren Weihnachtsfilm wäre, eröffnen ihm die Elfen auch noch, dass sein Sohn Charlie auf der Liste der unartigen Kinder steht. Zum Glück für Scott lassen sich beide Probleme in einem Aufwasch lösen. Zufällig treibt Charlie seinen Unfug nämlich in der Schule und die Direktorin hat die Eltern zum Gespräch eingeladen. Diese Schulleiterin (Elizabeth Mitchell) ist attraktiv, alleinstehend und sie mag Weihnachten. Das ist natürlich ein guter Anknüpfungspunkt für Scott, der dabei ist, sich wieder in einen normalen Mann zurück zu verwandeln. Zum Glück, denn nicht viele Frauen stehen auf dicke, bärtige Opas, auch wenn sie noch so fröhlich „Ho, ho, ho“ rufen. Während Scott seine irdischen Probleme mit großem Geschick angeht, bahnt sich am Nordpol eine Revolte an. Der wichtigtuerische Elf Curtis (Spencer Breslin) hat ein Santa-Duplikat geschaffen, einen künstlichen Weihnachtsmann. Der will aber nicht nur die Vertretung für den abwesenden Scott spielen, sondern reißt die Macht an sich und setzt alle Kinder der Welt auf die böse Liste. Die Tricks, die Sott anwendet, um alles wieder in Lot zu bringen, sind teilweise arg an den weißen Barthaaren herbeigezogen, aber was soll’s schließlich ist bald Weihnachten.

Jetzt ist der Weihnachtsmann also glücklich verheiratet.

Das liefert natürlich Stoff für eine weitere Folge: „Eine frostige Bescherung“. Es stellt sich Nachwuchs ein bei Familie Claus (zu gerne hätte man da mal Mäuschen gespielt…). Mrs. Carol Claus ist jedoch nicht ganz wohl bei dem Gedanken, das Kind am Nordpol auf die Welt zu bringen, umgeben nur von kindlichen Elfen und einem ständig beschäftigten Gatten. Dieser beschließt daher, seine Schwiegereltern und die neue Familie seiner Ex-Frau in sein Reich einzuladen, damit Carol etwas Gesellschaft hat. Außerdem nimmt er noch den quirligen Jack Frost (Martin Short) bei sich auf. In der englischsprachigen Welt ist Jack Frost die Verkörperung des Winters, ähnlich wie Großväterchen Frost in Russland. Anders als dieser bringt Jack Frost jedoch keine Geschenke. Weil er keinen eigenen Feiertag hat und nicht so beliebt ist wie der Weihnachtsmann ist er eifersüchtig und treibt dauernd Unfug.


Eigentlich soll Frost zur Strafe für seine Eskapaden in der Weihnachtswerkstatt aushelfen, er nutzt seinen Aufenthalt jedoch vor allem dazu, die Vorbereitungen für das Fest zu sabotieren und den Weihnachtsmann vom Thron zu stoßen. Das gelingt ihm auch, in dem er eine weitere Santa-Klausel nutzt. Und was tut der Schelm, als er schließlich an das Ziel seiner Wünsche gekommen ist? Er verwandelt Weihnachten in ein Kommerzfest. Die Kinder bekommen keine Spielsachen mehr geliefert. Sie müssen mit ihren Eltern in Jack Frosts Vergnügungspark fliegen. Dort können sie sich – für Geld – auf die Liste der artigen Kinder setzen lassen. Eintritt, Geschenke und Attraktionen kosten natürlich auch noch. Gut, dass das nur in dem – von Disney produzierten – Film so geschieht und es solche Abzocke in Wirklichkeit nicht gibt. Geschäftemacherei an Weihnachten, wo kämen wir da hin? Natürlich schafft Scott Calvin auch hier Ordnung und nimmt seinen Platz als wahrer Weihnachtsmann wieder ein.


„Santa Clause 3 – Eine frostige Bescherung“ (Originaltitel: „The Santa Clause 3: The Escape Clause“) USA 2006, Regie: Michael Lembeck, Hauptdarsteller: Tim Allen (Scott Calvin / Santa Claus), Elizabeth Mitchell (Carol Newman), Martin Short (Jack Frost), Dauer: 98 Minuten, FSK 0

Wie so oft kommen die Fortsetzungen nicht an das Original heran. Sie fallen aber auch nicht allzu sehr ab, da auch der erste Film nicht übermäßig anspruchsvoll war. Running Gags wie flatulierende Rentiere bilden das Bindeglied zwischen allen drei Folgern. Immerhin ging es zu Anfang auch um die Probleme geschiedener Eltern und ihrer Kinder. In den nächsten beiden Filmen nehmen die – meistens vorhersehbaren – Gags breiteren Raum ein. Doch es gibt auch schöne, und sehr weihnachtliche Szenen in den beiden Fortsetzungen. Etwa wenn Scott auf der Christmas-Party der Lehrer allen das Traumgeschenk ihrer Kindheit überreicht. Plötzlich kommt Leben in die bis dahin eher dröge Feier und bald sitzen die Erwachsenen zusammen, spielen, lachen und freuen sich. Freude bringen, darum geht es an Weihnachten. Diese Klausel hat Santa Clause zum Glück nicht vergessen.

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