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DZ-Adventskalender

22.12.2020

Türchen 22: Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann

AZ-Grafik

Öffnen Sie das 22. Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Heute: Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann.

Da liegt er im Sessel, der Weihnachtsmann – gefesselt und geknebelt. Der hagere und nervöse Jüngling, in dessen Wohnung er gefangen ist, scheint am Ziel zu sein. Dieses Jahr wird die Bescherung ausfallen. Piet Piestig hasst Weihnachten. Als Kind hat er sich immer einen echten Hund gewünscht, aber nie einen bekommen. Er war oft allein, hatte keine Freunde. Eigentlich hat er immer noch keine. Mit einem Hund wäre er nicht so einsam gewesen. So aber…und Schuld an alledem ist allein das Weihnachtsfest. Nicht einmal das Wort mag er aussprechen, so sehr verabscheut er es. Darum spricht er seine Geisel nur mit „W-Mann“ an und verbietet ihm, in seiner Gegenwart W-Lieder zu singen oder W-Plätzchen zu essen. Doch der W-Mann ist zuversichtlich, dass er rechtzeitig freikommt und die W-Geschenke an die Kinder verteilen kann. Er vertraut auf Beutolomäus, seinen treuen Helfer. Der hat ihm schon aus vielen brenzligen Situationen herausgeholfen.

Beutolomäus Sack, der „einzig wahre Sack des Weihnachtsmannes“ ist eine höchst erfolgreiche Kreation des Kinderkanals KiKa. Seit über 20 Jahren tritt das knuffige Kerlchen mit den treuen Knopfaugen, der Knollnase und den Flicken am Tuch im Weihnachtsprogramm des Senders auf. „Beuto“, wie er auch genannt wird, spielt eine wichtige Rolle bei der Bescherung, denn in ihn passen die Geschenke für alle Kinder. Er kann sprechen, sich hüpfend fortbewegen und hat eine feine Nase, die ihn vor Gefahren aller Art warnt. Trotzdem gelingt es den Gegenspielern am Anfang spielend, Beutolomäus und den Weihnachtsmann zu übertölpeln, sonst gäbe es ja kein Abenteuer. Meistens sind die vermeintlichen Bösewichte im Grunde aber einfach nur unglücklich, so wie der erfolglose Entführer Piet Piestig. Die beiden Gabenbringer geben daher allen eine Chance, sich zu bessern.

Der Weihnachtsmann kommt durch die Tür und zaubert die Geschenke

Der Weihnachtsmann, für den Beutolomäus arbeitet, ist nicht einfach ein Santa-Claus-Abziehbild, sondern eine eigenständige Gestalt. Er kommt durch die Tür, nicht durch den Kamin und bastelt die Geschenke nicht, sondern zaubert sie mit Hilfe einer Tasse Zimttee und eines goldenen Löffels herbei. Zunächst trat der Sack als Gast in KiKa-Adventssendungen auf, wobei er gemeinsame mit den Moderatoren auch in kurze Geschichten eher komischer Natur verwickelt wurde. 2005 strahlte der Sender „Beutolomäus sucht den Weihnachtsmann“ aus, eine Serie mit durchgehender Handlung in 24 Folgen – die Geschichte mit dem Weihnachtshasser Piet Piestig. Bis 2012 entstanden dann immer wieder neue Serien und Spielfilme. Einige davon sind in der Vergangenheit angesiedelt. Sie erzählen, wie Beutolomäus zum Weihnachtsmann kam und wie die beiden sich mit verwöhnten Prinzessinnen, fiesen Hofschranzen und tölpelhaften Rittern herumschlagen.

Es ist heutzutage nicht einfach, Weihnachtsfilme für Kinder zu drehen, die nicht einfach nur eine Variation von bereits hundert Mal erzählten Geschichten sind. Das fängt schon an bei der Auswahl eines neuen Helden. Alle möglichen Figuren war bereits da: Esel, Rentiere, Engel, Nusskacker, Schneemänner, Weihnachtselfen, Hunde und natürlich der Weihnachtsmann selbst, inklusive Ehefrau und Kindern. Einen sprechenden Sack aber gab es noch nicht.


Auch eine neue Geschichte zu entwickeln ist nach so vielen Klassikern eine Herausforderung. Schließlich soll es ja auch spannend sein, also muss das Weihnachtsfest immer wieder in Gefahr geraten und in letzter Minute gerettet werden. Persönliche Tragödien wie Einsamkeit und Trennung sind auch schon beliebig oft abgehandelt worden. Immer wieder neue und tragfähige Ideen zu entwickeln, das ist schon eine Leistung. Dabei kommt den Beutolomäus-Filmen zugute, dass nicht nur die Geschichten stimmig und originell sind, die Hauptdarsteller markant und liebenswert. Alle Rollen sind detailreich und mit viel Phantasie und Humor ausgestaltet. So hängt sich Piet Piestig Bilder mit durchgestrichenen Weihnachtssymbolen an die Wand. Die ansprechenden Kulissen tun ein Übriges – allein die urgemütliche Hütte des Weihnachtsmanns sorgt für nostalgische Festtagsfreude.

Beuto bringt nicht nur Geschenke

Eine hervorragende Möglichkeit, neue Geschichten zu entwickeln, bieten die Wunschzettel. Kinder bitten den Weihnachtsmann nicht nur um Geschenke, sondern erzählen ihm auch von ihren Problemen. So wie Louis, der sich Freunde wünscht. Die kann auch der Weihnachtsmann nicht zaubern, aber Beutolomäus macht sich auf, um nahzusehen, wie er dem Jungen helfen kann. Er merkt schnell, wo das Problem liegt. Louis‘ Mutter, eine unkonventionelle Künstlerin, nimmt niemals ein Blatt vor den Mund. Darum überwirft sie sich schnell mit ihren Nachbarn und zieht dauernd um. So ist Louis ständig „der Neue“, der um Anerkennung kämpfen muss – bis Beutolomäus eingreift. Bevor sich alles zum Guten wendet, muss der Sack noch herausfinden, wer das Krippenspiel der Pfarrgemeinde sabotiert – sonst bleibt die Schuld an Louis hängen. („Beutolomäus und der falsche Verdacht“, 2012) In „Beutolomäus und der geheime Weihnachtswunsch“ (2006) bringt der Titelheld ein geschiedenes Elternpaar wieder zusammen und erfüllt so einen anderen Wusch, für den der Weihnachtsmann eigentlich nicht zuständig ist. Sicher, alles schon einmal dagewesen, aber wie es erzählt und in die weihnachtliche Rahmenhandlung eingebaut wird, ist originell und kindgerecht.

Den größten Anteil an dem Erfolg der Filme aber hat ohne Zweifel die Figur des Titelhelden. Er wirkte so tapsig und zugleich lebendig, weil in dem Sack ein Puppenspieler auf einem Hüpfball steckte, der alle Bewegungen ausführte. Zumindest war das bis 2012 so. Seit 2017 gibt es einen neuen, digitalisierten Beuto. Bei vielen Fans kam das gar nicht gut an. Der neue ist eher ein Säckchen, dafür im Vergleich zum Original wesentlich beweglicher, fast schon hyperaktiv. Ein pummeliger Pumuckel eher als ein bedächtiger Beutel. Die Programmmacher beim KiKa wollten aber nach 20 Jahren Sackhüpfen etwas ganz Neues anfangen. Das ist ihnen auch gelungen. Die Serie „Beutolomäus und der wahre Weihnachtsmann“ von 2017 unterscheidet sich von den alten Folgen wie eine Hollywood-Produktion von einem Stück der Augsburger Puppenkiste – und das soll heißen: beides hat seinen Stil, beides hat seine Berechtigung. Die neue Serie ist bunter, knalliger, quietschiger, mit Gesangseinlagen und Special Effects. Dafür wird auch eine Geschichte erzählt, die alles in den Schatten stellt, was Beutolomäus je erlebt hat. Mit Ruprecht Tumb (Björn Harras) steht dem Sack ein Superschurke wie aus dem Marvel-Universum gegenüber, der Weihnachten mit künstlicher Intelligenz bekämpft. Simon Böer als maskuliner Weihnachtsmann in spe, Detlef Bierstedt als grimmiges Väterchen Frost, Milton Welsh als skurriler Weihnachtsliedermacher, Hark Bohm als geheimnisvoller Instrumentenbauer – sie und viele andere Darsteller verkörpern Gestalten, die auch Anhänger der alten Filme nach anfänglichem Fremdeln ins Herz schließen können.

Ein Sack begeistert sei Jahren die Kinder

Erwachsene Zuschauer werden Zitate und Anleihen aus anderen Werken erkennen, aber das tut der Originalität des Films keinen Abbruch. Das wichtigste aber ist, dass die Serie nicht nur eine überaus spannende Story bietet, sondern auch etwas Gültiges über Weihnachten zu sagen hat. Kein Weihnachtsfilm hat je so plastisch geschildert, wie eine Welt aussehen könnte, in der es das Fest nicht gibt. Eine Welt, in der alle den Dezember hassen und schlecht gelaunt sind. Das, was Weihnachten schön macht – Liebe, Versöhnung, Vorfreude, Tradition, Überraschung – wird in vielen eingängigen Bildern und ohne allzu viel Pathos dargestellt. Süßliche Hollywood-Elemente wie der säuselnde Popsong zum Happy End werden zwar nicht jedem gefallen, stören den positiven Gesamteindruck aber nicht nahhaltig.

Unter den Fans von jahrzehntealten Großprojekten wie Star Trek oder James Bond gibt es Streitereien darüber, welche Filme die authentischen sind, welcher Darsteller der Beste. Natürlich spielt Beutolomäus in einer ganz anderen Liga. Der Umstand aber, dass der Sack seit so vielen Jahren die Kinder begeistert und Neuauflagen die Fangemeinde spalten, spricht für seine Vitalität.

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