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DZ-Adventskalender

05.12.2020

Türchen 5: Krampus und anderer Horror

Bild: AZ-Grafik

Öffnen Sie das fünfte Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Heute geht es um das Böse unter dem Tannenbaum.

Das hätte er besser nicht getan: weil er so wütend und genervt von seiner Familie ist, hat der kleine Max Engel seinen Brief an den Weihnachtsmann zerrissen und die Fetzen aus dem Fenster geworfen. Sofort grollt Donner und dunkle Wolken ziehen über der Vorstadtsiedlung auf. Das sind aber nur die Vorzeichen dessen, was da noch kommen wird. Wer aus Enttäuschung über seine Mitmenschen den Glauben an Weihnachten verliert, der beschwört dunkle Kräfte herauf. Gruselige Schneemänner suchen die Familie heim, wild gewordenes Spielzeug, mörderische Lebkuchenmänner und schließlich der Fürst der Weihnachtshölle – der Krampus.

2015 machte der amerikanische Regisseur Michael Dougherty die gehörnte und bocksfüßige Schreckgestalt zum Titelhelden einer gleichnamigen Horrorkomödie "Krampus". Für Amerikaner mag die alpenländische Sagenfigur neu und unheimlich sein. Wer im Süden Bayerns aufgewachsen ist, der kennt den dunklen Gesellen bereits seit Kindertagen. Damals war so ein Besuch vom Krampus schon ziemlich furchterregend. Auch wenn natürlich der gute St. Nikolaus mit von der Partie war, und der hatte letztlich das Sagen. Weihnachten ist das Fest der Liebe – aber liegt nicht auch ein Hauch von Angst in der Luft? Die braven Kinder erhalten Geschenke. Die Bösen werden in den Sack gesteckt, von den Abgesandten der Hölle, die mit von der Partie sind.

Es gibt etwa 50 Horrorstreifen mit Weihnachtsbezug

Von Knecht Ruprecht, vom Krampus, und in den Niederlanden vom Schwarzen Piet. Manche Volkskundler bringen diese Herrschaften, genau wie den skandinavischen Julbock, mit germanischen Göttern in Verbindung. Ob das wirklich so ist oder eher dem Wunsch entspringt, für jeden Brauch eine Traditionslinie bis in die Vorzeit zu finden, ist nicht so wichtig. Die Idee, Horror-Streifen mit Weihnachtsbezug zu drehen, ist bei solchen mythologischen Möglichkeiten naheliegend. Um die 50 Vertreter dieser Gattung listen einschlägige Webseiten auf. Der Einbruch des Grauens in die heile Welt ist die Grundlage des Genres und wann wäre die Welt heiler und zugleich brüchiger als an Weihnachten? Draußen ist es dunkel, traditionell treiben in dieser Jahreszeit finstere Gestalten wie die Perchten oder die Klausen ihr Unwesen. Drinnen schwelen unter allem Flittergold und Tannengrün nicht selten verborgene Konflikte.

Krampus“ USA/Neuseeland 2015, Regie: Michael Dougherty, Hauptdarsteller: Emjay Anthony (Max Engel), Krista Stadler (Omi), Dauer: 98 Minuten, FSK 16

2007 hatte Dougherty sich bereits mit dem Halloween-Streifen „Trick ’r Treat“ erfolgreich im Genre ausprobiert. Sein „Krampus“ hingegen wurde von der Horror-Gemeinde eher verhalten aufgenommen. Der Film ist zugleich Familienkomödie und Gruselfilm, was vor allem auf Kosten des Gruselns geht.

Da ist die gut situierte Familie Engel – offenbar deutscher Abstammung – die ziemlich gestresst ist mit den Vorbereitungen für das Fest. Besonders Max (Emjay Anthony), der Jüngste muss einen Tiefschlag nach dem anderen verkraften. Die älteren Kinder rauben ihm den Glauben an den Weihnachtsmann, seine große Schwester hat keinen Bock auf das Fest und möchte lieber zu ihrem Freund, und dann kommt auch noch die prollige Verwandtschaft auf Besuch. Als die fiesen Cousinen dem schmächtigen Max seinen Brief an den Weihnachtsmann klauen und bei Tisch laut vorlesen, ist für den empfindsamen Jungen das Maß voll. Er rennt hinauf in sein Zimmer, zerreißt den ramponierten Brief und das Unheil nimmt seinen Lauf. Leider gibt sich der Film wenig Mühe, die Zuschauer langsam und genüsslich auf das Grauen vorzubereiten, das da kommen soll. Eben steht noch die zerstrittene Sippschaft im Mittelpunkt, da legt der Regisseur einfach den Schalter um. Plötzlich bricht der Schneesturm los und alle Verbindungen zur Außenwelt reißen ab. Trotzdem darf die älteste Tochter schnell noch aus dem Haus. Klar, dass sie nicht zur vereinbarten Zeit zurückkehrt. Nach einer halbherzigen und erfolglosen Suchaktion verbarrikadieren sich die Eingeschneiten erst einmal und trinken Kakao. Tochter weg? Macht nichts, jetzt ist Kuscheln vor dem Kamin angesagt. Logik ist generell nicht die starke Seite dieses Films.

Ein echter Weihnachtsfilm und nicht nur ein Schlachtfest unter dem Tannenbaum

Allerdings handelt es sich bei „Krampus“ tatsächlich um einen echten Weihnachtsfilm und nicht nur um ein Schlachtfest, dass zufällig unter dem Tannenbaum stattfindet. Eine zentrale Rolle spielt dabei Max Engels Großmutter, genannt Omi. Die Zuschauer lernen sie gleich zu Beginn kennen, beim Plätzchenbacken sieht sie sich im Fernsehen die Dickens'sche Weihnachtsgeschichte an. Diese Erzählung steht am Anfang aller Gruselgeschichten, die in der Christnacht spielen. Wer Weihnachten nicht ehrt, der wird von übernatürlichen Wesen bestraft. Dieser klassischen Botschaft ist auch Dougherty treu geblieben, nur das seine Dämonen rabiater sind als die guten Geister, die den Geizhals Ebenezer Scrooge läutern. Dickens soll sich für seine Erzählung unter anderem auch durch irische Sagen inspiriert haben und die Iren haben schließlich auch Halloween erfunden. Der Krampus aber kommt aus Deutschland, genau wie Omi (Krista Stadler), die darum mehr über den Schrecken weiß als die anderen Mitglieder der Familie. Eigentlich eine gute Idee, aber leider lieblos umgesetzt. Selbst der beeindruckend in Szene gesetzte Namensgeber des Films schafft es nicht, die Zuschauer nachhaltig zu erschrecken.

Wo sind die unartigen Kinder? Ein Krampus erschreckt die Zuschauer im österreichischen Hollabrunn beim traditionellen Krampuslauf. Die Gestalt stammt aus der vorchristlichen Zeit.
Bild: Ronald Zak/AP (dpa)

In Nordamerika ist die Figur des Krampus dennoch ein ganz heißer Geheimtipp mit dem Potential, Teil der Weihnachtsfolklore zu werden. Weihnachtshasser veranstalten Krampus-Feten, Konsumkritiker nehmen ihn für ihre Ziele in Anspruch. Die Anzahl seiner Filmauftritte wächst stetig. Gut für seine Karriere ist die Tatsache, dass er aus dem deutschsprachigen Raum stammt. Fast alles, was für die Amerikaner zu Weihnachten gehört – Tannenbaum, Christbaumschmuck, Silent Night, Santa Claus – kommt aus Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. Warum nicht auch der gehörnte Bösewicht?

Die bösen Kinder bekommen Kohlebrocken in den Strumpf.

Die dunkle Seite von Weihnachten wurde in den USA viel zu lange unterschlagen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Fest dort ohnehin nicht populär. Puritaner lehnten es als papistischen Aberglauben ab, weniger fromme Menschen nutzen es als Anlass für Besäufnisse und Krawall. Dem setzen wohlmeinende Reformer ein neues Konzept entgegen. Weihnachten sollte zum Familien- und Kinderfest werden und Santa Claus, ein verweltlichter Sankt Nikolaus, sein wichtigster Repräsentant. Um dem Ganzen eine moralische Komponente zu verleihen, bekam Santa eine pädagogische Mission. Er führt seine berühmte Liste der bösen und guten Kinder („naughty or nice“), die auch in der Popkultur eine wichtige Rolle spielt und in vielen Filmen und Songs Erwähnung findet – „He’s making a list / he‘s checking it twice / he’s gonna find out / who’s naughty or nice“ Nach der amerikanischen Tradition bekommen die bösen Kinder Kohlebrocken in ihren Strumpf. Das mag ein Anklang an die höllischen Begleiter sein, diese treten jedoch niemals in Erscheinung. Aber, wie jeder Konsument von Horrorfilmen weiß, das Böse lässt sich eben nicht dauerhaft verbannen.

Es kehrt vielmehr zurück, in der Gestalt von Killer-Schneemännern, Zombies, Nazis, Kannibalen oder Psychopathen, die unter frühkindlichen Traumata leiden und darum leichtbekleidete junge Frauen aufschlitzen müssen. Beliebt sind in der kalten Jahreszeit Killer im Santa-Claus-Kostüm. Manchmal merken die Zuschauer nur am Schnee und der Dekoration, dass es sich um Weihnachtshorror handelt und nicht etwa um Frühjahrsgemetzel oder Sommermassaker. So fruchtbar das Weihnachtsmotiv für das Genre zu sein scheint, so schwierig ist die Umsetzung. Irgendwie trauen sich die meisten doch nicht so richtig und pendeln – wie „Krampus“ zwischen Komödie und Schocker und sind letztlich weder das eine noch das andere. Als gelungen Ausnahmen gelten „Jessy – Die Treppe in den Tod“ von 1974, „Christmas Evil“ von 1980 und die Gremlins von 1984


Als Beispiel für die richtig miesen Streifen sei hier „Santa’s Slay“ erwähnt. Der Titel ist ein Wortspiel mit „Sleigh“ = Schlitten und „to slay“ = töten. Dieser Santa, gespielt von dem Wrestler Bill Goldberg, war auf Grund einer verlorenen Wette jahrhundertelang gezwungen, den Kinderfreund zu spielen. Doch dann löst sich der Bann und er kann wieder tun, was ihm Spaß macht – Menschen abmurksen. Grundsätzlich keine schlechte Film-Idee, aber mit billigen Zoten, kaum Spannung und wenig beindruckenden Grusel-Effekten ungesetzt. Regisseur David Steiman kommt dafür hoffentlich in den Sack des Krampus.

Lesen Sie morgen: Auch der Weihnachtsmann muss geläutert werden – durch seinen jüngsten Sohn.

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