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DZ-Adventskalender

08.12.2020

Türchen 8: Das Wunder von Manhatten

Bild: AZ-Grafik

Öffnen Sie das achte Türchen in unserem digitalen Adventskalender. Das Thema 2020: Weihnachtsfilme. Heute: Das Wunder von Manhatten .

1947, Adventszeit im Kaufhaus Macy’s, New York. Geduldig stehen Kinder und ihre Eltern Schlange, um Santa Claus ihre Wünsche ins Ohr zu flüstern. Der kleine Peter wünscht sich ein Spielzeug-Feuerwehrauto mit echten Schläuchen, aus denen richtiges Wasser kommt. „Kein Problem“, sagt der freundliche alte Herr mit dem weißen Bart, „das bekommst Du.“ Peter freut sich, seine Mutter ist verärgert. Solche Autos gibt es bei Macy’s nicht. Doch der Weihnachtsmann erklärt ihr, dass die Konkurrenz genau dieses Spielzeug zu einem günstigen Preis anbietet. Die Dame kann es nicht fassen – ein Kaufhaus schickt Kunden zur Konkurrenz, wenn sie Waren nicht im Sortiment hat? Sie erzählt gleich dem Leiter der Spielzeugabteilung, wie verwundert und begeistert sie ist. Weil es noch mehr solche Fälle gibt, bekommt auch Mr. Macy, der Besitzer, davon zu hören. Als gerissener Geschäftsmann merkt er sogleich, was für Möglichkeiten sich für sein Unternehmen auftun. Er verkündet, dass Macy’s ein Kaufhaus mit Herz sei und weist alle Verkäufer an, Kunden an die Konkurrenz zu verweisen, wenn die gewünschte Ware nicht geliefert werden kann. Nach und nach ziehen die anderen Ketten nach. Keiner will sich vorwerfen lassen, er jage nur dem Geld nach. Alle erklären, sie hätten allein das Glück der Kinder im Sinn. Natürlich hoffen sie, auf diese Weise noch mehr Kunden zu gewinnen. Allein Kris Kingle, der Kaufhausweihnachtsmann, denkt nicht an den Profit. Er will wirklich nur den Kindern und ihren gestressten Eltern helfen.

Ein Weihnachtsmann, der so handelt, das muss der echte sein – oder? Kris Kingle (Edmund Gwenn) behauptet das jedenfalls und stößt damit natürlich auf Unglauben. Selbst die kleine Susan Walker (Natalie Wood) nimmt es ihm nicht ab. Ihre alleinerziehende Mutter Doris (Maureen O’Hara) arbeitet für Macy’s. Sie hat Kris angeheuert und es gehört zu ihren Erziehungsprinzipien, ihrer Tochter keine Märchen zu erzählen. Es gibt keinen Santa, keine fliegenden Rentiere, keine Elfen. Sie hofft, Susan auf diese Weise besser auf die Härten des Lebens vorzubereiten. Ihr Nachbar, der Anwalt Fred Gailey (John Payne), hat andere Ansichten. Für ihn gehört der Glaube an Wunder zu den Fähigkeiten, die das Leben erst lebenswert machen. Das ist auch gut so, denn Gailey übernimmt später Kringles Verteidigung. Ein Neider hat den harmlosen Menschenfreund nämlich als gemeingefährlichen Psychopathen vor Gericht gebracht. Gailey steht vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe. Er muss beweisen, dass der sympathische Alte wirklich Santa Claus ist. Da es sich um einen Weihnachtsfilm handelt, landet Kringel nicht in der Klapsmühle und es fügen sich noch einige andere Dinge auf wunderbare Weise zum Guten.

„Das Wunder von Manhattan“ (Originaltitel: „Miracle on 34th Street“) USA 1947, Regie: George Seaton, Hauptdarsteller: Edmund Gwenn (Kris Kringle), Maureen O’Hara (Doris Walker) John Payne (Fred Gailey), Natalie Wood (Susan Walker), Dauer: 92 Minuten, FSK 0 Auschnitt (englisch)

„Das Wunder von Manhattan“ heißt die Geschichte von dem alten Mann, der vielleicht der echte Santa Claus ist. 1947 wurde sie zum ersten Mal verfilmt. Dafür, dass der Film schon über 70 Jahre alt ist, wirkt er erstaunlich modern. Eine geschiedene, beruflich erfolgreiche Frau zur Heldin zu machen, war 1947 eine kühne Entscheidung und wurde von kirchlicher Seite entsprechend moniert. Dazu Kritik am Weihnachtskommerz, und das in einer Zeit, als man in Deutschland noch froh war, wenn man zum Fest überhaupt etwas zum Beißen auf den Tisch bekam. „Das Wunder von Manhattan musste seitdem mehrere Neuverfilmungen über sich ergehen lassen und wie immer in solchen Fällen diskutieren Kritiker und Fans, welche Fassung am besten geraten ist. Für die meisten gilt die Originalversion nicht nur als die gelungenste, sondern als einer der schönsten Weihnachtsfilme überhaupt. Ironischerweise hatten die Produzenten gar nicht vor, ihr Werk als einen solchen zu vermarkten. Der Film kam im Mai in die Kinos und auf dem Poster waren Maureen O’Hara und John Payne zu sehen, wie sie sich zulächeln. Der Weihnachtsmann im Hintergrund ist kaum als solcher zu erkennen. Aber Wunder geschehen nicht nur in Manhattan, sondern auch in Hollywood. Heute gilt Edmund Gwenn als einer der besten, wenn nicht der größte Santa-Darsteller überhaupt. Der Erfolg des Films ermutigte die Produzenten, Geld in Weihnachtsfilme zu investieren und so kam das Genre richtig in Fahrt.

Mit Happy End, aber nicht naiv

Das „Wunder“ ist ein sehr amerikanischer Film. Die große Thanksgiving-Parade, die die Weihnachtszeit einläutet, die Sitte, Weihnachtsmänner in Warenhäusern zum Ankurbeln des Geschäfts anzustellen, das Genre des Gerichtsdramas, in dem ein pfiffiger Anwalt seinen Mandanten in allerletzter Sekunde durch einen brillanten Einfall rettet – das alles ist made in USA. Typisch amerikanisch, das heißt nicht selten auch kitschig und seicht. Nicht in diesem Film. Es bleibt bis zum Schluss offen, ob Kris Kingle nun wirklich der echte Weihnachtsmann ist oder nur ein liebenswerter Spinner. Die Kritik am Konsumrausch ist subtil. Die besten Geschenke kauft man nicht im Laden, das ist keine ungewöhnliche Botschaft für einen Weihnachtsfilm, aber hier wird sie nicht mit dem Holzhammer verabreicht. Kris Kringle tut Gutes, indem er die Schwächen der Mächtigen und Reichen für seine noblen Ziele nutzbar macht. Die Kaufhaus-Könige handeln nur aus Gewinnstreben verbraucherfreundlich, der Richter spricht den komischen Kauz nicht aus Mitleid frei, sondern weil er Angst hat, ansonsten nicht wiedergewählt zu werden. Aus ähnlichen Gründen tritt Mr. Macy vor Gericht für seinen Weihnachtsmann ein. Nicht, weil er an ihn glaubt, sondern weil er negative Schlagzeilen fürchtet. Die Welt ist nicht perfekt, aber anders als Doris Walker meint, ist nicht Realismus die Waffe der Kleinen und Schwachen, sondern der Glaube an das Wunder. Darüber lässt sich natürlich streiten, aber für einen Weihnachtsfilm wäre alles andere eine traurige Botschaft. Natalie Wood, die die Rolle der aufgeweckten Susan Walker spielt, war damals acht Jahre alt. Angeblich soll sie, anders als das Mädchen, das sie spielt, damals noch an den Weihnachtsmann geglaubt haben. Während der Dreharbeiten, so berichtet ihre Biografin Suzanne Finstad, soll sie überzeugt gewesen sein, mit dem richtigen Santa Claus zu arbeiten.

Das Elend mit den Neuverfilmungen

Die Szenen im Kaufhaus wurden tatsächlich in der New Yorker Zentrale von Macy’s gedreht, einem Handelshaus, das wirklich existiert. Das Unternehmen behielt sich vor, den Film zu zensieren, falls irgendetwas nicht in seinem Sinne sein sollte. Angeblich soll es dazu aber nicht gekommen sein, der Film gefiel sogar denen, die er karikierte. Für die erneute Verfilmung von 1994 stellten Macy’s und der Konkurrent Gimbel ihre Markennamen nicht mehr zur Verfügung. Sie waren der Meinung, es gebe ja bereits einen sehr guten Film. Eine weise Entscheidung, denn die neue Version reicht trotz renommierter Darstellen (Richard Attenborough als Kris Kringle) nicht an das Original heran. Die Botschaften, die die Helden von 1947 mit einem Augenzwinkern anbringen, deklamieren sie 1994 mit peinlichem Pathos: Ja! Ja! Ja! Es gibt den Weihnachtsmann, und alle guten Menschen, ob groß oder klein, glauben an ihn! Während es im Original dem Urteil der Zuschauer überlassen bleibt, ob Kris Kringle wirklich der ist, für den er sich ausgibt, wird das in der modernen Version auf penetrante Weise nahegelegt. Manchmal haben die bösen Kapitalisten eben doch das bessere Gespür für die wahre Bedeutung des Weihnachtsfestes.

PS: Der Name „Kris Kringle“ kommt übrigens von „Christkindel“. Deutsche Auswanderer nahmen den Brauch des Christkinds mit in die USA, wo sich das Wort allmählich abschliff und mit der Zeit zu einem Synonym für Santa Claus wurde.

Morgen: Die Bewohner eines Münchner Mietshauses helfen einander bei der Läuterung.

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